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Urlaubsziele vorab erkunden
Sich mit einer VR-Brille im Reisebüro Feriendomizile anzuschauen, wird schon bald Realität sein. Foto: Silas Stein/dpa
Tourismus

Urlaubsziele vorab erkunden

Die Digitalisierung verändert schon heute das Buchen und Reisen. Künftig helfen virtuelle Brillen, Chatbots und Sprachassistenten, die Ferien zu planen.

08.03.2018
  • DOROTHEE TOREBKO

Berlin. Pepper hebt seine weißen Arme, dreht Pirouetten und erzählt von der Internationalen Tourismus Börse (ITB). Pepper weiß, dass rund 160 000 Menschen in den nächsten Tagen aufs Berliner Messegelände pilgern werden, er spricht spanisch, japanisch genauso wie russisch und wirkt mit seinen Kulleraugen und dem Plastikkörper wie eine Mischung aus Hundebaby und Staubsauger. Pepper ist ein Roboter und so etwas wie das Maskottchen der digitalen Reisewelt auf der ITB. Seinen Machern zufolge gehört ihm die Zukunft des Tourismus. Und nicht nur ihm.

Auf der weltgrößten Tourismus-Branchenschau ist Digitalisierung ein Schwerpunktthema. Manager halten Vorträge dazu, wie Veranstalter soziale Netzwerke nutzen können, um Kunden zu gewinnen. Sie reden von fliegenden Taxis und von Virtual-Reality-Brillen, mit denen Gäste im römischen Colloseum stehend nicht staubige Steine anschauen, sondern Gladiatorenkämpfen verfolgen können. Roboter wie Pepper empfangen den Gast im Hotel, schütteln ihm die Hand und lotsen ihn auf Chinesisch oder in einer anderen Sprache zum nächsten Zoo. Sieht so die schöne neue Tourismus-Welt aus?

Bernhard Rohleder sagt ja. „Bald werden Chatbots unsere Bedürfnisse kennen und auf uns eingehen können“, sagt der Geschäftsführer des Branchenverbandes für Digitalisierung Bitkom. „Der Chatbot wird wissen, wann ich urlaubsreif bin. Er wird wissen, dass ich aus meinem Hotelzimmer lieber aufs Grüne statt aufs Meer schaue und die beste Unterkunft für mich buchen“, prophezeit Rohleder.

Blogs werden überschätzt

Chatbots sind Dialogsysteme, die ähnlich funktionieren wie ein Mitarbeiter eines Kundendienstes. Startet ein Kunde einen Chat für Hilfe, antwortet kein Mensch, sondern eine Maschine. Rohleder zufolge sind die Bots die Zukunft. Denn sie nehmen dem Gast viel Arbeit ab wie das Suchen nach dem günstigsten Hotel, Flug sowie dem schönsten Restaurant.

Noch ist es aber nicht so weit. Das zeigt die Messe, das zeigt aber auch eine Studie, die die Bitkom am Mittwoch vorgestellt hat. Der Untersuchung zufolge, bei der 1000 Menschen befragt worden sind, bleiben Reisebüros auch künftig wichtig. 48 Prozent der Befragten buchen ihren Urlaub in einem Büro, 41 Prozent hingegen online. Auch die Inspiration für ein bestimmtes Reiseziel bekommen 67 Prozent der Befragten durch Freunde und Familie, nur 25 Prozent lassen sich von Blogs oder in sozialen Medien inspirieren. „Das ist erstaunlich. Ich hätte gedacht, dass mehr Menschen Online-Angebote nutzen“, sagt Rohleder. Aber: Immer mehr wünschen sich von Veranstaltern, dass sie im Vorfeld ihrer Ferien virtuell das Hotel besichtigen und feststellen können, ob etwa nebenan eine Baustelle ist.

Bei vielen Reisebüros ist das noch Zukunftsmusik. Einige Veranstalter haben die Zeichen der Zeit aber erkannt. Das Unternehmen Betterspace stattet Hotels mit Systemen aus, die beim Check-in und Check-out des Gastes automatisch die Temperatur des Zimmers hoch- oder herunterstellen und Fenster zum Lüften öffnen können.

Die Firma Hotelbird hat sich darauf spezialisiert, Zimmer per Smartphone zu öffnen. Statt beim Rezeptionisten können die Gäste ihr Handy an den Türknauf halten und gelangen so in den Raum. Der Vorteil: Der Hotelmitarbeiter ist weniger mit der Ausgabe von Schlüsseln beschäftigt und kann sich um die Gäste kümmern. Wer keinen Akku auf seinem Smartphone hat, hat Pech gehabt.

Welche der Produkte sich durchsetzen werden, wird die Zeit zeigen, sagt Rohleder. „Aber die Branche ist im Umbruch, es ist eine Evolution.“ Zu dieser gehören Chatbots, virtuelle Welten – und der kleine Roboter Pepper, der fröhlich „Bon Voyage“ quiekt.

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08.03.2018, 06:00 Uhr

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