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Geisterstimmung ohne Licht

Ursache für Stromausfall liegt vermutlich ungewöhnlicherweise unter der Erde

Geisterstimmung hat am Montagabend in Teilen der Horber Kernstadt und einigen Ortsteilen sowie Weitingen geherrscht. Grund dafür war ein Stromausfall (wir berichteten). Die Ursache des Defekts zwischen Mühlen und Börstingen ist noch ungeklärt, liegt jedoch vermutlich ungewöhnlicherweise unter der Erde. Die Angst stand einigen Menschen in Horb am Montagabend ins Gesicht geschrieben.

18.11.2015
  • Sara Vogt Vincent meissner

Horb/Weitingen. Ein paar Sekunden lang war es stockduster. Als dann das Notstromaggregat im großen Einkaufsmarkt neben dem Horber Bahnhof ansprang, blickten einen teils erschrockene Gesichter an. Die sonst strahlend hell ausgeleuchtete Verkaufsfläche war in schummriges Licht getaucht. Ein Vater, der mit seinem zehnjährigen Sohn einkaufte, zog sein Handy heraus, wählte und sprach leise in das Telefon. Dann packte er seinen Sohn an der Hand und ging mit leerem Einkaufswagen an die Kasse. „Was ist passiert?“, fragte derweil eine Kundin eine Mitarbeiterin, die unbeirrt die Regale auffüllte. „Ich denke, irgendein Fehler“, erwiderte die Mitarbeiterin.

Zögerliche standen ein paar Kunden vor den Aufzügen. Die Mitarbeiterinnen an der Markt-Information nickten ihnen jedoch zu. Die Botschaft: Der Aufzug funktioniert. Auf dem ersten Parkdeck angekommen, sah man, dass nicht die ganze Stadt im Dunklen saß. Die andere Seite des Neckars schien nur halb betroffen zu sein. Allerdings gab es kein Licht bei der Bäckerei Ziegler, beim DM-Drogeriemarkt war’s stockdunkel, die Ampel an der Kreuzung war ebenfalls aus. Blaulichter flackerten durch die Stadt. Fuhr man in die Innenstadt, überquerte man erst bei Lindacher-Akustik in der Neckarstraße die unsichtbare Grenze des Stromausfalls.

Zur Ursache berichtete gestern das zuständige ENBW-Tochterunternehmen Netze-BW: Um 19.21 Uhr sei es zu einem Kurzschluss in einer Leitung zwischen Mühlen und Börstingen gekommen. Dadurch fiel der Strom in Teilen der Horber Kernstadt, in Nordstetten, Dettensee, Ahldorf, Mühlen und Börstingen aus. Um 20.03 Uhr gingen nach Informationen der Netze-BW die Lichter zunächst in Horb, Nordstetten, Dettensee und Ahldorf wieder an. Um 20.29 Uhr dann auch in Mühlen, Weitingen und Börstingen.

Die Fehlerstelle liegt nach Angaben der ENBW zwischen der Umspann-Station beim Mühlener Rathaus und dem Schaltwerk in Börstingen. Genaueres wusste die Netze-BW gestern Nachmittag jedoch noch nicht. Bei dem beschädigten Abschnitt handelt es sich um ein Mittelspannungskabel mit 20 000-Volt, das zwischen Müheln und Börstingen größtenteils oberirdisch über Leitungen von Mast zu Mast verläuft. Allerdings vermutet die Netze-BW, dass die Ursache für den Stromausfall im unterirdisch verlegten Bereich liegt. Denn oberirdisch gibt es immer wieder mal Kurzschlüsse. „Das hätte man auch relativ schnell entdeckt, wenn da etwa ein Ast drauf gefallen wäre“, sagt ENBW-Pressesprecher Ulrich Stark. Unter der Erde sei ein Kurzschluss jedoch relativ ungewöhnlich. Eine Möglichkeit, wie es dazu gekommen sein könnte, ist ein sogenannter Doppel-Erdschluss. Dazu müsste es eine Verbindung zweier Löcher im Erdkabel über die Erde geben, was dann zu einem Kurzschluss führen kann. „Und dann geht das hoch“, sagt Stark.

Ursachen für solche Löcher im Erdkabel können beispielsweise Herstellerschäden oder Beschädigungen bei der Verlegung sein. Im Laufe der Jahre werden die Löcher dann größere „und irgendwann passiert’s dann halt mal“, sagt Stark. Eine Maus oder ein Maulwurf kann’s jedenfalls nicht gewesen sein, sagt Stark. „Da braucht man schon schwereres Gerät.“

Als die Netze-BW am Montag die Meldung über die Panne per Ferndiagnose verortet hatte, schalteten die Techniker den betroffenen Abschnitt zwischen Mühlen und Börstingen sofort aus dem Netz raus und benutzten andere Leitungen. Sprecher Stark vergleicht die Funktionsweise des Stromnetzes mit einem Marienkäfer, der auf dem Netz eines Fußballtores spaziert. „Wenn da ein Stück rausgeschnitten ist, juckt das den Marienkäfer nicht. Dann geht er eben außenrum.“

Ursache für Stromausfall liegt vermutlich ungewöhnlicherweise unter der Erde
Nur der Blitz des Foto-Apparates hellt die Szenerie etwas auf. Straßenlaternen und Häuserbeleuchtungen sind beim Stromausfall am Montagabend auch hier in der Horber Schillerstraße ausgefallen.Bild: bbm

Auch am Horber Bahnhof gab’s am Montag Probleme wegen des Stromausfalls: Zwar fahren die elektrisch betriebenen Züge mit Energie des bahneigenen Stromnetzes. Doch die Bahnhöfe versorgt das Netz der Netze-BW. Als der Strom weg war, fiel die Bahnhofsbeleuchtung aus und die Züge konnten aus Sicherheitsgründen nicht in den Bahnhof einfahren. Außerdem gab es Stellwerks-Störungen. Sie waren bis 20.07 Uhr außer Betrieb, meldete ein Bahnsprecher. Zwei Regionalzüge und zwei ICE verspäteten sich um 30 Minuten. Zwei Züge mussten in anderen Bahnhöfen halten. Die anderen beide Züge durften ganz langsam in den Horber Bahnhof einfahren. Die Horber Feuerwehr beleuchtete den Bahnhof und die Gleise. „Die Deutsche Bahn hielt den Stromausfall für eine Gefährdung ihrer Passagiere“, berichtete der Horber Gesamtstadt-Feuerwehrkommandant Markus Megerle. Es gab keine Verletzten. Neun Feuerwehrmänner waren beim Stromausfall im Einsatz. Auch die Alarmierung der Feuerwehr ist unter Notstrom erfolgt.
Dominik Zarychta

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18.11.2015, 12:00 Uhr

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