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Koks ist keine Ausrede

Urteile gegen das Trio, das im vergangenen Jahr die Weststadt unsicher machte

Acht Jahre Jugendstrafe für den Jüngsten, vier und sieben Jahre Haft für die beiden erwachsenen Kompagnons gab es für die Überfälle in der Tübinger Weststadt vergangenen Winter. Vielleicht saßen aber nicht alle Beteiligten auf der Anklagebank.

25.09.2014
  • Mario Beisswenger

Tübingen. „Das war ein bisschen eine offene Situation“, sagte Martin Streicher am Donnerstagmorgen bei Begründung des Urteils der Dritten großen Jugendkammer des Tübinger Landgerichts. Verurteilt wurde ein Trio, der Jüngste mit gerade 20, die beiden Älteren 22 Jahre alt. Irgendwie mitgemacht haben könnten aber auch andere aus einer ganzen Clique. Am Donnerstagmittag versammelte sich neben Verwandten auch dieser Freundeskreis zur Urteilsverkündung.

Am härtesten traf es bei den Angeklagten den 20-Jährigen. Acht Jahre Jugendstrafe hielt das Gericht für angemessen, unter anderem wegen einer schweren Gewalttat. Kurz vor Weihnachten 2013 prügelte er einen Mann nieder, den er mit dem Angebot, ein teures Smartphone zum Verkauf dabei zu haben, in die Herrenberger Straße gelockt hatte. Die Schläge mit – wahrscheinlich – einer Schreckschusswaffe führten zu einem offenen Schädelbruch seines Opfers.

Dieser Angeklagte schlug auch beim Überfall auf einen Pizza-Dienst in der selben Straße zu. Fünf Vorstrafen hat der 20-Jährige schon und Streicher fragte: „Wozu kann das alles noch führen?“ Die Kammer ging aber davon aus, dass er „noch gewisse Kapazitäten hat, wo man noch was machen kann“. In Freiheit sei er aber unbeweglich, „bei geregeltem Leben in Haft könnte es vorwärts gehen.“

Auch die beiden anderen Verurteilten blicken schon auf Vorstrafen zurück und werden die neue Strafe nun in der Erwachsenen-Haft absitzen müssen. Bei einem von ihnen sah es das Gericht es als erwiesen an, dass er beim Handwerkerpark einen Pizzaboten überfiel. Dafür gab es vier Jahre.

Ob der andere dabei war, bliebe unsicher. Es hätte auch ein anderer aus der Clique sein können. Auch beim Überfall auf den Handy-Verkäufer hätte er wohl dabei sein können, aber die im wesentlichen über die Auswertung von Mobilfunkdaten von der Staatsanwaltschaft konstruierte Zusammenarbeit überzeugte das Gericht nicht.

Dafür war der 22-Jährige beim Überfall auf einen Frankfurter mit dabei, der für immerhin 12 000 Euro eine Rolex kaufen wollte. DNS-Spuren belegten das. Dieses Verbrechen in der Nähe des Tübinger Westbahnhofes, bei dem die Täter gar nicht ans Geld kamen, gestand er ein. Seine Geschichten darum herum nahm ihm das Gericht jedoch nicht ab. „Dass Sie unbewaffnet waren, glaubt Ihnen kein Mensch“, sagte Richter Streicher. Genauso wenig wie die Ausrede, er habe die Goldkette des Rolex-Käufers gar nicht weggerissen.

Auch die Erklärung, dass die Taten unter starkem Drogeneinfluss verübt wurden, überzeugte die Kammer nicht. „Die Angeklagten tendierten dazu, das Leben in vollen Zügen zu genießen“, meinte der Vorsitzende Richter. Dazu zählten schnelle Autos, teure Telefone, „Bitches“ genannte Frauen und auch etwas Kokain. „Betäubungsmittel gehören zu dem Status dazu.“

Auf freien Fuß kommt auch vor Rechtskraft des Urteils keiner der drei Männer. Zwei sitzen schon andere Haftstrafen ab, der Dritte bleibt in U-Haft.

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25.09.2014, 12:00 Uhr

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