Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Bodelshausens Bürgermeister

Uwe Ganzenmüller zieht Halbzeitbilanz

Zur Halbzeit hat Bürgermeister Uwe Ganzenmüller seinen Wahlprospekt hervorgekramt, um nachzusehen, welche Themen er mittlerweile abgearbeitet hat. „Nahezu alles“, sagt er. „90 Prozent ist erledigt.“

04.09.2010
  • susanne wiedmann

Bodelshausen. Sein Büro ist besetzt. Aber nicht von ihm, sondern von den Handwerkern. Das Bodelshäuser Rathaus wird derzeit saniert. Und der Bürgermeister hat einen Unterschlupf unterm Dach gefunden. Seit drei Monaten teilt er sich dort ein Arbeitszimmer mit seiner Sekretärin und unzähligen Umzugskartons. Unter ihm sägt und bohrt es tagaus, tagein. 14 Tage muss er noch ausharren. Und trotzdem sagt er: „Ich fühl’ mich so wohl. Ich gehe jeden Tag noch lieber zur Arbeit.“ Das bezieht sich nicht auf die Baustelle, sondern auf die erste Halbzeit als Bürgermeister.

Uwe Ganzenmüller zieht Halbzeitbilanz
Bürgermeister auf der Baustelle: Uwe Ganzenmüller in seinem provisorischen Büro. Bild: Franke

Vor vier Jahren wurde Ganzenmüller im zweiten Wahlgang als Nachfolger von Bernd-Dieter Esslinger gewählt. Ganzenmüller wollte lieber ein großes Rad an einem kleinen Wagen sein als umgekehrt. Das sagte er bei seiner Kandidatur. Damals war er Hauptamtsleiter in Burladingen mit 13 000 Einwohnern. Bodelshausen schien ihm gerade groß genug, um die Gemeinde nicht nur zu repräsentieren, sondern auch als Sachbearbeiter mitzuarbeiten. „Ich hatte einen sehr guten Start“, sagt der 47-Jährige. Ein „hervorragendes Team“ erwartete ihn im Rathaus, auf das er sich hundertprozentig verlassen kann. „Ich delegiere viel, das kommt gut an.“ Ebenso gut funktioniere die Arbeit mit dem „konstruktiv-kritischen Gemeinderat“.

Unter der Regie von Uwe Ganzenmüller wird unablässig daran gearbeitet, noch familienfreundlicher zu werden. Und es ist bislang viel erreicht worden: Die Gemeinde hat im Birkenweg eine Kinderkrippe eröffnet, im Burghof den Spielplatz neu gestaltet, in diesem Jahr gehen die Arbeiten am Spielplatz Heiden weiter. Insgesamt flossen 400 000 Euro in den vergangenen vier Jahren in alle Bodelshäuser Kindergärten: Die Betreuungszeiten wurden ausgedehnt (inklusive Ferienbetreuung), die Gebäude saniert und das Personal wurde aufgestockt. An der Grundschule wurde die Ganztagesbetreuung eingeführt – wie sie bei der Hauptschule längst schon besteht. Für eine Million Euro wurde eine Schulmensa gebaut, für drei Millionen werden derzeit die Grund- und Hauptschule renoviert.

Familienfreundlichkeit soll in Bodelshausen mehr bedeuten als nur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So wurde eine Familieninformationsstelle im Rathaus eingerichtet für alle, die Hilfe brauchen, ob Singles, Paare, Familien, Alleinerziehende, Kinder oder Senioren. Und eine Helferbörse öffnete, ehrenamtlich und kostenlos, „die rege nachgefragt wird“, sagt Ganzenmüller. Menschen, die kurzfristig Hilfe brauchen, und Menschen, die gerne helfen, ohne sich langfristig zu binden, sollen zusammenkommen. Für Senioren hat die Gemeinde eine Broschüre mit allen Angeboten herausgegeben. „Der Vernetzungsgedanke ist sehr stark, wir wollen keine Konkurrenz zu anderen Einrichtungen schaffen.“ Und immer sollen auch die Bürger beteiligt werden, zum Beispiel in verschiedenen Arbeitskreisen.

Seit dem Amtsantritt von Uwe Ganzenmüller investierte Bodelshausen trotz Wirtschaftskrise 16,5 Millionen Euro, ohne einen Kredit aufzunehmen. Ganzenmüller sagt: „Unsere Investitionstätigkeit liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt vergleichbarer Gemeinden.“ Zugleich liege der Schuldenstand mit 31 Euro pro Einwohner weit unterdurchschnittlich. Durch die starke Wirtschaftsstruktur verzeichnet der Ort hohe Einnahmen an Gewerbesteuer, 80 Prozent davon wird die Gemeinde aber durch Umlagen wieder abführen müssen. Dann wird eine Kreditaufnahme vielleicht nicht zu verhindern sein.

Bodelshausen habe „gesunde Betriebe“, betont der Bürgermeister, der enge Kontakte zu den Firmen pflegt. Um es den Unternehmen möglich zu machen, sich zu erweitern und neue Firmen anzulocken, wurde 2008 das Gewerbegebiet „Grenzäcker II“ mit über elf Hektar erschlossen. Zudem bietet die Gemeinde Kindergartenplätze für auswärtige Mädchen und Jungen, deren Eltern in Bodelshausen arbeiten.

Womit Ganzenmüller nicht rechnen konnte: dass innerhalb seiner ersten beiden Amtsjahre „zwei hundertjährige Hochwasser“ in die Gemeinde fluten. 5,5 Millionen Euro sollen deshalb für den Hochwasserschutz investiert werden. Auch die Sanierung im Ortskern wird in den kommenden Jahren weitergehen. Wie viel Leben mittlerweile auf den Burghof gezogen ist! „Da steppt der Bär“, freut sich Ganzenmüller. Seit der Spielplatz neu gestaltet ist, ist der Burghof zu einem Treffpunkt geworden.

„Ja, ich ziehe ein sehr positives Fazit“, sagt der Bürgermeister. Was er noch nicht eingelöst hat: Nach wie vor wohnt Ganzenmüller nicht in Bodelshausen. „Ich versuche seit drei Jahren, unser Haus in Hechingen zu verkaufen.“ So lange er es aber nicht los wird, sei es finanziell nicht möglich, ein weiteres zu bauen.

Nur fünf Minuten wohnt er jedoch vom Rathaus entfernt. Deshalb isst er mittags zu Hause. Und er hat sich einen Laptop angeschafft mit „abgesichertem Zugang“ zu den Rathaus-Dateien. So kann er abends von daheim aus arbeiten. Seine Devise lautet: „Dienst vor privat.“ Manchmal missfällt das seiner 14-jährigen Tochter Lea. Beim VfL Sindelfingen spielt sie Fußball in der Oberliga, zudem in der Bezirksauswahl und der württembergischen Auswahl. Da sollte der Vater als „wichtigster Kritiker“ bei Spielen nicht fehlen.

Bernd-Dieter Esslinger hat sich in die Kommunalpolitik seines Nachfolgers nicht eingemischt. Ganzenmüller sagt: „Er erteilt nie ungefragt Ratschläge.“ Esslinger und Ganzenmüller haben sich befreundet. Beide sind leidenschaftliche Motorradfahrer, die an einem Wochenende im Jahr gemeinsam durchs Elsass düsen, ins Allgäu oder in die Alpen.

Ansonsten trainiert der Bürgermeister mit seinem „vierpfotigen Fitnessstudio“, einem Westhighland-Terrier, den er gerne ausführt. Beim Wettbewerb „Bodelshausens next Top Dog Model“ belegte das Bürgermeister-Tier den zweiten Platz in der Kategorie kleinster Hund. Sein Herrchen hat sich in den vergangenen vier Jahren aber „figürlich weiterentwickelt“, scherzt Ganzenmüller. Das liege daran, dass die Bodelshäuser Frauen so leckere Kuchen backen, die ihm bei Jubiläen gereicht werden und die er niemals ablehnen könnte. Bis in vier Jahren möchte er wieder zurück auf sein Startgewicht, um dann für die zweite Amtszeit zu kandidieren.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

04.09.2010, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball