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Cayman-Inseln

VW-Flugzeuge sind in der Karibik registriert

Die Cayman-Inseln nahe Kuba gelten als Steuerparadies. Ausgerechnet dort hat der VW-Konzern seine Geschäftsflugzeuge registriert.

06.04.2016
  • PETER MLODOCH

Die auf den Cayman-Inseln registrierte Flugzeugflotte von VW bringt jetzt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in die Bredouille. Der Regierungschef müsse sich als Aufsichtsratsmitglied des VW-Konzerns dafür einsetzen, dass die privaten Firmenjets deutschem Recht unterstellt würden, fordern die Jusos in einem Antrag für den Landesparteitag in einer Woche in Braunschweig. Dort will sich Weil, der sich immer wieder vehement gegen Steuerflucht ausgesprochen hat, als SPD-Landesvorsitzender wiederwählen lassen.

"Lion Air Services" nennt sich die 100-prozentige Tochter der Volkswagen AG. Ein Airbus A319 sowie sieben Falcon-Jets fliegen Manager, Aufsichtsräte und Ingenieure von Werk zu Werk oder zu Messen und Meetings. Drei Millionen Flugkilometer kommen laut VW pro Jahr zusammen. Stationiert sind die Flugzeuge in Braunschweig-Waggum, 15 Auto-Minuten von der Wolfsburger Konzernzentrale entfernt. Registriert ist die Flotte in der Karibik südlich von Kuba, auf den zu Großbritannien gehörenden Cayman-Inseln. Die Inselgruppe genießt mit ihren unzähligen Briefkastenfirmen den zweifelhaften Ruf eines Steuerparadieses und Geldwäschezentrums.

"Volkwagen ist seinem Selbstverständnis nach ein anständiger Steuerzahler", wischt die Staatskanzlei in Hannover jeden bösen Verdacht der Schummelei - zumindest in diesem Bereich - beiseite. Niedersachsen hält 20 Prozent der VW-Anteile, besitzt eine Sperrminorität und stellt mit Weil und SPD-Wirtschaftsminister Olaf Lies zwei Mitglieder im Aufsichtsrat. Diese seien zur Verschwiegenheit verpflichtet. Das Cayman-Konstrukt sei "eine unternehmerische Entscheidung" von VW, die man nicht kommentiere.

Der Konzern begründet die Auslagerung neuerdings damit, dass die Karibik-Inseln "schnelle und unbürokratische Dienstleistungen im Bereich der Geschäftsfliegerei" garantierten. Früher, zu Zeiten von VW-Patriarch Ferdinand Piëch, führten die Wolfsburger noch Sicherheitsaspekte ins Feld, weil die Führungsspitze so unerkannt fliegen könne. Auf "steuerliche Effekte" jedenfalls habe man es niemals abgesehen. Die VW-Airline sei in den USA steuerpflichtig. Wie viel das Unternehmen dort abführt, sagt es nicht.

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06.04.2016, 06:00 Uhr

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