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VW hofft auf amerikanische Anwälte
Im Auftrag von VW tätig: Die US-Kanzlei Jones Day - hier der Sitz des Unternehmens in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen). Foto: dpa
Wie der Autobauer mit externer Hilfe die Drahtzieher im Abgas-Skandal finden will

VW hofft auf amerikanische Anwälte

102 Terabyte Daten nimmt die US-Kanzlei Jones Day bei ihrer Suche nach den Verantwortlichen des Abgas-Skandals von VW unter die Lupe. Die Aufklärung gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

09.04.2016
  • MARCO HADEM HANNES BREUSTEDT, BEIDE DPA

Cleveland/Wolfsburg. Mehr als ein halbes Jahr VW-Abgas-Skandal und eine entscheidende Frage ist weiter ungeklärt: Wer sind die Drahtzieher des Betrugs, der den größten Autobauer Europas in die schwerste Krise seiner Konzerngeschichte gestürzt hat? Der VW-Aufsichtsrat hat im Oktober die US-Anwaltskanzlei Jones Day mit einer umfassenden Untersuchung beauftragt, um den Fall aufzuklären. Bis Ende des Monats soll ein erster Zwischenbericht vorgelegt werden.

Warum ist die Untersuchung so wichtig? VW muss zeigen, dass der Konzern die Affäre ernst nimmt und nichts vertuscht wird. Das Unternehmen hat zwar Fehlverhalten eingestanden, aber auch immer wieder mit Relativierungen den Unmut der US-Ermittler auf sich gezogen. Anfangs wurde der Abgas-Betrug als "Unregelmäßigkeit" bezeichnet, im Januar stellte Konzernchef Matthias Müller den Skandal - hausintern "Diesel-Thematik" - als "technisches Problem" dar und sorgte damit für Empörung. Mit einer schonungslosen Aufklärung durch Jones Day könnte VW die US-Justiz milde stimmen.

Welche Ziele verfolgt der Konzern sonst noch? VW dürfte ein starkes eigenes Interesse haben, die Schuldigen ausfindig zu machen. Es geht neben hohen Rechtskosten um die Frage, ob die Manipulationen das Werk einer kleinen Gruppe oder einer Unternehmenskultur sind. Das von US-Klägern gezeichnete Bild einer Verschwörung bis in die Chefetage herauf streitet der Konzern ab. Die Untersuchung soll dafür Belege liefern. VW glaubt, den Ursprung des Debakels weitgehend nachvollziehen zu können. Der Konzern geht nicht von einem einmaligen Fehler, sondern von einer Fehlerkette aus. Wer jedoch auf konkrete Namen von Verantwortlichen hofft, dürfte enttäuscht werden.

Warum stehen keine Namen im Bericht? VW muss die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen schützen. Erst wenn die Staatsanwaltschaft Ermittlungsverfahren einleiten würde, könnten die Namen öffentlich genannt werden. Dies würde aber ebenfalls der Behörde obliegen. Am Ende dürfte daher eine Chronologie der Ereignisse stehen, in der die Abläufe vermerkt sind, die im größten Skandal der Konzerngeschichte endeten. Nichtsdestotrotz ist es Ziel von Jones Day, den Sachverhalt im juristischen Sinne aufzuklären. Die Erkenntnisse müssen plausibel, stimmig und gerichtsfest sein. Deshalb wurden die betroffenen Personen auch von den Ermittlern verhört und ihre Aussagen protokolliert.

Was wurde wie untersucht? Die externen Ermittler müssen gigantische Datenmengen sichten. Laut VW wurden 102 Terabyte gesichert. Das entspricht 50 Mio. Büchern. Mehr als 1500 elektronische Datenträger von 380 Mitarbeitern wurden eingesammelt. Da niemand diese Menge lesen kann, müssen sie mit Suchmaschinen durchleuchtet werden. Ein Problem war dabei, dass die Beteiligten für den Schriftverkehr über die Manipulationen nur Codewörter benutzten - etwa "Akustiksoftware" für das "defeat device". Schlagwörter wie die zentralen Begriffe "NOx" oder "Stickoxide" waren tabu. Wie groß die Datenmasse ist, zeigt ein Vergleich mit den "Panama Papers": Sie umfassen 2,6 Terabyte. Mehr als 400 Journalisten brauchten ein Jahr für die Analyse.

Was haben solche Prüfungen bei anderen Konzernen gebracht? Ob Zündschloss-Skandal bei der Opel-Mutter GM oder Airbag-Debakel beim Zulieferer Takata: Nach der Beteuerung "vollumfänglicher Kooperation" mit den Behörden ist die interne Untersuchung mit Hilfe bekannter Kanzleien meist der nächste Schritt. Bei GM und Takata blieben die Vertuschungsvorwürfe trotz Untersuchungen durch externe Prüfer bestehen.

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09.04.2016, 06:00 Uhr

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