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Kosmisches Flüstern

Vangelis hat zur Mission der Sonde „Rosetta“ eine CD herausgebracht.

Sonne und Planeten, Astronomie und Raumfahrt haben viele Komponisten inspiriert. Der Sonde „Rosetta“ hat Vangelis nun sogar ein Album gewidmet.

05.10.2016
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Ulm. Seit 1968 fließt die Donau durch den Weltraum. Stanley Kubrick ließ in seinem Film „2001: Odyssee im Weltraum“ eine Raumstation zu Johann Strauߑ „An der schönen blauen Donau“ Walzer tanzen – und fügte der Geschichte des All-Klangs ein prägnantes Kapitel hinzu.

Es hat also Tradition, wenn Synthesizer-Pionier Vangelis nun der europäischen Raumfahrtbehörde ESA zum geglückten Abschluss ihrer „Rosetta“-Mission sogar ein Album widmet. Zwei Jahre lang hatte die Sonde den Kometen Tschurjumow-Gerassimenko umkreist, vergangene Woche setzte ihr Landemodul Philae dort auf. Ein triumphaler Erfolg für die ESA, vor dem sich Vangelis nun verneigt.

Die Geschichte hatte 2012 begonnen, als der niederländische Astronaut André Kuipers von der Internationalen Raumstation ISS aus ein Gespräch mit Vangelis führte – um ihm zu sagen, wie sehr er dessen Musik während seines sechsmonatigen Aufenthalts im All genoss. Nach Kuipers Rückkehr zur Erde lernten sich die Männer kennen, in der Folge entstand der Plan einer Zusammenarbeit zwischen der ESA und Vangelis.

Eine Aufgabe, die der Komponist genoss: „Mythologie, Wissenschaft und die Erkundung des Weltalls faszinieren mich seit meiner Kindheit“, sagt er. Und das war schon immer mit seiner Musik verbunden. „Als ich drei oder vier Jahre alt war und zuhause Klavier spielte, fragten mich die Leute, woher die Musik kommt. Ich deutete zum Himmel und sagte: ,Von da oben‘.“

„Rosetta“ ist Vangelis‘ erstes Studioalbum seit 15 Jahren. Damals hatte ihn die Nasa-Marsmission „Odyssey“ zu der bombastischen Scheibe „Mythodea“ mit Chor, Orchester und Elektronik inspiriert. Für den Griechen ist Musik ein sakrales Fundament des Universums, das Chaos in Harmonie wandelt.

Tatsächlich besteht zwischen Astronomie und Musik ein Band, seit Pythagoras vor 2500 Jahren über die harmonische Struktur des Kosmos philosophiert hat. Die alten Griechen wollten Sphärenmusik erlauschen, errechneten Beziehungen zwischen Planetenbewegung und musikalischen Gesetzen. Später forschte Kepler über solche Himmelsharmonien. Im „Prolog im Himmel“ des „Faust“ lässt Goethe sogar den Erzengel Raphael die Sphärenharmonie verkünden: „Die Sonne tönt nach alter Weise / in Brudersphären Wettgesang, / und ihre vorgeschriebne Reise / vollendet sie mit Donnergang.“

Das konnte natürlich auch an Komponisten nicht klanglos vorbei gehen. Gustav Mahler schrieb über seine gigantomane „Achte“ (1910): „Denken Sie sich, dass das Universum zu tönen und zu klingen beginnt. Es sind nicht mehr menschliche Stimmen, sondern Planeten und Sonnen, welche kreisen.“

Mystisch und romantisch

Das berühmteste Weltall-Werk ist Gustav Holsts spätromantische Orchestersuite „Die Planeten“ (1914-16). Sieben Sätze als mythologische Charakterporträts: Der Mars tönt aggressiv als „Kriegsbringer“ daher, Neptun wird dank Chorgesang zum „Mystiker“. Denken wir heute an sinfonische Weltraummusik, fallen uns freilich zuerst Soundtracks ein: vor allem „Star Wars“. Paradox: Es geht um das Ferne, Fremde – aber diese Musik bietet uns Vertrautes, romantisch orchestral.

Und Rock‘n'Roll im All? Da gibt's jede Menge tolle Songs, von den Beatles („Across the Universe“) über Elton John („Rocket Man“) bis zu David Bowie („Space Oddity“), von Deep Purples „Space Truckin'“ bis Peter Schillings „Major Tom“. Vor allem Klangtüftler blicken gern nach oben: Der Japaner Isao Tomita hat ein gutes halbes Dutzend spacige Alben produziert, darunter eine Synthesizer-Fassung von Holsts „Planeten“, und Brian Eno hat sich mehrfach vom Apollo-Programm anregen lassen. Als „Space Music“ gilt heute so ungefähr alles zwischen psychedelischer Extravaganz und chilliger Ambient-Musik.

Womit wir wieder bei Vangelis wären. Schon 1975 hatte er ein Album mit dem Titel „Heaven and Hell“ herausgebracht, eine Melodie daraus wurde zum Thema von Carl Sagans Hit-Fernsehserie „Cosmos“. Und 1976 legte Vangelis mit „Albedo 0.39“ eine komplette LP, die sich mit dem Weltraum befasste – der Titel bezieht sich auf die Lichtreflexion der Erde.

„Albedo 0.06“ heißt nun ein Track auf seinem neuen Album: Der Komet ist dunkler als die Erde. „Rosetta“ ist gewiss nicht Vangelis' stärkstes Werk, viele Tracks wie „Starstuff“ und „Exo Genesis“ fließen und blubbern wenig prägant dahin. In „Celestial Whispers“ scheint der Kosmos aber tatsächlich zu flüstern, und unter dem Titel „Mission Accomplie“ hat Vangelis der Sonde gleich einen veritablen Walzer gewidmet. Das hätte sogar Kubrick gefallen.

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05.10.2016, 06:00 Uhr

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