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Vater gesteht Missbrauch
Justizbeamte bringen den angeklagten Vater in den Gerichtssaal. Foto: dpa
Prozess

Vater gesteht Missbrauch

Ein 28-jähriger Mann steht in Lübeck vor Gericht, weil er seine zweijährige Tochter sexuell missbraucht hat. Die Taten filmte er und veröffentlichte sie im Netz.

27.04.2017
  • DPA

Lübeck. Ich habe meine Tochter geliebt und liebe sie noch immer. Ich kann mir immer noch nicht erklären, wie es dazu kommen konnte.“ Angesichts der Taten, die dem 28 Jahre alten Angeklagten vorgeworfen werden, macht der Satz fassungslos. Wegen des schweren sexuellen Missbrauchs seiner zur Tatzeit zweijährigen Tochter stehen der 28-Jährige und sein 47 Jahre alter Mitangeklagter seit gestern in Lübeck vor dem Landgericht. Gleich zu Beginn des Prozesses gesteht er: „Ich räume alle Anklagepunkte ein.“

Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, zwischen Sommer und Anfang November 2016 immer wieder sexuelle Handlungen an der Zweijährigen vorgenommen und sie dreimal auch vergewaltigt zu haben. Dem Vater des Opfers werden insgesamt neun Taten vorgeworfen.

Der 47-Jährige soll laut Anklage an vier Taten beteiligt gewesen sein. Drei davon gesteht er vor Gericht.

Den Missbrauch an dem sich wehrenden und schreienden Kind zeichneten sie mit Handykameras auf, um die Videos im Internet zu verbreiten. Ein Teil dieser Bilder und Videos hat das Gericht gestern in Augenschein genommen. Dazu wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Die beiden Männer hatten sich im Frühjahr 2015 in einem Internetforum kennengelernt. Aus den Chat-Protokollen geht hervor, dass sie sich Mitte Juli 2016 für homosexuellen Sex in der Wohnung des 28-Jährigen verabredeten.

Nach dem ersten Treffen sei die Idee zum Missbrauch seiner Tochter entstanden, sagte der 28-Jährige. Die Taten wurden immer begangen, wenn die Mutter des Kindes nicht zu Hause war. „Sie hat nichts mitbekommen“, antwortete er auf eine entsprechende Frage des Gerichts. „Ich habe die Spuren immer beseitigt.“

Während der 28-Jährige bei seinen Aussagen fast emotionslos wirkt und kein Wort der Reue verliert, kämpft sein Mitangeklagter bei seiner Aussage mit den Tränen. „Es tut mir unendlich leid. Ich weiß nicht, warum ich zum Monster mutiert bin“, sagte er.

Er habe die Taten immer sofort nach Verlassen des Tatorts verdrängt, sagte er vor Gericht, und sei einfach in sein normales Leben zurückgekehrt. „Das war, als wenn ein Schalter umgelegt wurde.“

Ans Licht gekommen ist der Missbrauch im November 2016, als der 28 Jahre alte Angeklagte einem anderen Chat-Partner Bilder vom Missbrauch seiner Tochter zuschickte. Der Chat-Partner informierte das Jugendamt; das schaltete umgehend die Polizei ein.

Im Zusammenhang mit dem Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben noch gegen etwa 50 weitere Personen. Sie sollen den Missbrauch des Kindes zum Teil live im Internet verfolgt und Anweisungen gegeben haben. dpa

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27.04.2017, 06:00 Uhr

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