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In die neue Liga

Veränderte Blickwinkel beim Sommertheater der Tonne

Warum die Rollen nicht einfach tauschen? Die Hamburger Regisseurin Karin Drechsel, die Ödön von Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“ als Sommertheater des Reutlinger Theaters Tonne inszeniert, hat genau das getan. Am Donnerstag ist Premiere.

08.07.2015
  • Bernhard Haage

Reutlingen. Schauspieler, die etwa wegen einer Behinderung das Thema Ausgrenzung aus eigener Perspektive kennen, übernehmen in diesem Sommertheater erstmals große Sprechrollen und spielen dabei eher die Täter als die Opfer. Regisseurin Drechsel, die mit dem Stück „Ben X“ zu Beginn des Jahres beim Monofestival der Tonne in Reutlingen gastierte und sich zusammen mit Schauspieler Jonas Vietzke vom Hannoveraner Theater an der Glocksee den ersten Platz sicherte, arbeitet zum ersten Mal mit Menschen mit Behinderungen. Die wiederum mussten sich erstmals mit einem literarisch dramatischen Text und den schwierigen Rollen auseinandersetzen. „Damit gehen wir in eine neue Liga“, sagt Intendant Enrico Urbanek. „Wie lerne ich meine Figur lieben?“, fragt Karin Drechsel rhetorisch und beschreibt den intensiven Lern prozess, den die Schauspieler mit Beeinträchtigungen durchleben mussten: „Meine Figur ist mir total unsympathisch – das darf ein Schauspieler nicht sagen.“

Basierend auf einem realen Fall erzählt Ödön von Horváths Theaterstück die Geschichte der kleinen Vertreterin Elisabeth (Chrysi Taoussanis), der die Staatsmacht und die Bürokratie ständig Knüppel in den Weg werfen. Wird mit dem anständigen, soliden Schupo Alfons Klostermeyer (Martin Winkelmann), der sie zu mögen scheint, ihr Leben endlich etwas leichter werden?

Intendant Enrico Urbanek und Regisseurin Drechsel, schätzen an diesem Werk, dass es sich so zeitlos auch auf aktuelle Ausgrenzungen und Vorurteile, die gar nicht immer böse gemeint sein müssen, übertragen lässt. Musikalisch hat Theatermusiker Michael Schneider zwei Ebenen gewählt: Die Rolle der höheren Macht oder des Todes spielt er als Geiger. Der kirchlichen Aspekt, der sich ja auch schon im Titel andeutet, und das biedere gemeinsame Wohlfühlen werden durch ein ganzes Bataillon von Heimorgeln symbolisiert, die auch als Teil der Kulisse dienen. Die Aufführung dauert 90 Minuten und hat keine Pause.

Info Premiere am Donnerstag, 9. Juli, 20 Uhr, im Spitalhof. Weitere Aufführungen: Freitag 10., Samstag 11. und Sonntag 12. Juli sowie Mittwoch, 15., bis Sonntag, 19. Juli. Sonntags 18 Uhr, sonst 20 Uhr im Spitalhof, bei schlechter Witterung in der Planie 22.

Veränderte Blickwinkel beim Sommertheater der Tonne
Am Donnerstag geht es los: Die Tonne nimmt sich bei ihrem Sommertheater Ödön von Horváth an.Bild: Tonne

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08.07.2015, 12:00 Uhr

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