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Ankara

Verdacht gegen türkische Behörden

Geheimdienst und Polizei sollen Hinweise auf einen bevorstehenden Anschlag in Ankara ignoriert haben. Das bringt Behörden in Bedrängnis.

14.04.2016
  • GERD HÖHLER

Es war der bisher schwerste Terroranschlag in der Geschichte der Türkei: Am 10. Oktober sprengten sich zwei Selbstmordattentäter inmitten einer Friedenskundgebung in Ankara in die Luft. 102 Menschen starben. Bei den Attentätern soll es sich um türkische Mitglieder der IS-Terrormiliz gehandelt haben. Jetzt verdichten sich Vorwürfe, wonach die türkischen Sicherheitsbehörden Hinweise auf das Attentat hatten, diese aber ignorierten.

Die oppositionsnahe Zeitung "Cumhuriyet" berichtete, Geheimdienst und Polizei hätten von den Anschlagsplänen gewusst. Einer der beiden Attentäter sei sogar namentlich bekannt gewesen. Die Hinweise seien aber ignoriert worden, schreibt "Cumhuriyet" unter Berufung auf einen internen Untersuchungsbericht. Der Gouverneur von Ankara, der direkt dem türkischen Innenministerium unterstellt ist, habe es abgelehnt, Ermittlungen wegen der angeblichen Versäumnisse einzuleiten.

Bereits kurz nach dem Anschlag gab es Hinweise auf Unterlassungen. Der Polizeichef von Ankara wurde suspendiert - um eine "umfassende Untersuchung" zu ermöglichen, wie es hieß. Die Anwaltskammer von Ankara stellte außerdem Strafanzeige gegen Innenminister Selami Altinok wegen mutmaßlicher Dienstvergehen im Zusammenhang mit dem Anschlag. Das Verfahren verlief bisher im Sande.

Einer der Selbstmordattentäter von Ankara wurde als Yunus Emre Alagöz identifiziert. Es handelte sich um einen Bruder von Abdurrahman Alagöz, der sich drei Monate zuvor bei einem Kurdenfestival in der südosttürkischen Stadt Suruc in die Luft gesprengt hatte. Die beiden Männer sollen sich 2014 dem IS angeschlossen haben und nach Syrien gereist sein. Ihre Eltern hatten die Behörden darüber informiert. Der andere Attentäter war Ömer Deniz Dündar. Wie Alagöz. Auch er stand auf einer Fahndungsliste.

Ein ranghoher ehemaliger Offizier des türkischen Geheimdienstes, Cevat Önes, sprach bereits Ende Oktober 2015 von "ernsten Versäumnissen" der Regierung. Man hätte die Verdächtigen ständig beobachten müssen. Dies sei jedoch nicht geschehen. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu erklärte seinerzeit, man habe zwar eine Liste potentieller Selbstmordattentäter, hätte die Verdächtigen aber nicht festnehmen können. Es sei in einem Rechtsstaat nicht möglich, Menschen aufgrund eines bloßen Verdachts in Haft zu nehmen. Diese Äußerung löste heftige Kritik aus, zumal die Justiz bei der Festnahme von Regierungskritikern sehr viel strengere Maßstäbe anlegt.

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14.04.2016, 06:00 Uhr

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