Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Bündnis fürs Bündeln

Vereine machen derzeit gegen die Tonne fürs Altpapier mobil

Bis Ende 2015 gibt es noch die Bündelsammlung der Vereine im Kreis in ihrer jetzigen Form. Damit die Ehrenamtlichen auch später noch Geld durchs Müll- Sammeln bekommen, starten die Mössinger schon jetzt mit ihrer Papier-Propaganda.

25.08.2014
  • Eike Freese

Mössingen. Kürzlich lag vereins-gemachte Info-Post in den Mössinger Briefkästen, ein Banner prangt prominent am zentralen Mössinger Feuerwehr-Haus – und beim Mössinger Bürgertreff soll es das Thema der Vereine sein: Mit einer Kampagne versuchen Mössinger Clubs derzeit, Stimmung gegen die geplante Blaue Tonne für Altpapier zu machen, die Ehrenamtlichen kreisweit ein Dorn im Auge ist. Die würde vom Landkreis Tübingen aufgestellt werden – oder (auch) von gewerblichen Anbieten. Einerlei, wie es in den kommenden Jahren läuft: Es wird bei der Abfuhr starke Konkurrenz für die örtlichen Vereine geben, die bislang mit den dicken Altpapierhaufen, die sie recht zuverlässig am Samstag entsorgen, viel Geld einnehmen.

„Damit würde uns eine enorm wichtige Einnahmequelle wegbrechen“, sagt Martin Steiner vom Musikverein Mössingen. Der MV ist derzeit federführend bei der Kampagne – denn die Vielsammler gehören zu denen, die viel verlieren könnten. „Auch durch unsere Feste etwa bekommen wir Musikinstrumente und andere wichtige Dinge finanziert“, so Steiner: „Aber die Altpapier-Abfuhr ist viel besser planbar.“

In welcher Größenordnung sich der Altpapier-Erlös bei den Vereinen abspielt, kann Udo Midinet beziffern. Midinet, einst selbst in der Albfall-Wirtschaft tätig, organisiert die Abfuhr für die Spvgg-Handballer. Bloß einmal im Jahr sammeln die Sportler, und das auch nur in Bästenhardt. „25 bis 30 Tonnen bekommt unser Verein an so einem Sammeltag zusammen“, sagt Midinet. Bei einem Preis von 50 Euro pro Tonne wären das rund 1500 Euro – für ein paar Stunden Arbeit und ohne das Risiko, dass – wie bei einem Fest mit Musik und Leckereien – der Verein draufzahlen muss, wenn es regnet.

Auch beim TV Belsen bildet der „mittlere vierstelliger Betrag“ (Vorstand Roland Mang) aus dem Altpapier einen erheblichen Teil der Vereinsbilanz. Mang betont, dass ausbleibende Altpapier-Beträge ganz logisch aus anderen Erlösquellen kommen müssten. „Wir wollen unbedingt verhindern, dass wir irgendwann an einen Punkt kommen, die Mitgliedsbeiträge stark erhöhen zu müssen“, sagt Mang. „Wir wollen ja sozial bleiben.“

Dass der Landkreis mit seinen Plänen, eine „kommunale Altpapiertonne“ einzuführen, in direkte Konkurrenz zu den Vereinen tritt, wird von den Ehrenamtlichen unterschiedlich beurteilt. „Immerhin wollen sie uns zunächst einen festen Preis für das Altpapier weiter garantieren“, sagt Mang. Der TV-Vorstand ist sich zudem sicher, dass die örtlichen Vereine allein aufgrund ihrer guten Vernetzung viele Bürger davon überzeugen können, ihr Altpapier auch künftig in Bündeln an die Straße zu stellen.

Ambivalenz und Unsicherheit ist derzeit dennoch für alle Parteien des Abfall-Kreislaufs gegeben, und das nicht nur aufgrund der Altpapier-Preise, die traditionell enorm schwanken. Ausdrückliche Landkreis-Politik ist es etwa, trotz eigener Altpapier-Tonne die Vereine künftig möglichst am Aufkommen teilhaben lassen zu können – dennoch soll auch die kommunale Tonne naturgemäß keine Löcher in den Haushalt der Steuerzahler reißen. Durch ihre frühe Intervention versuchen die Mössinger Vereine jetzt zudem, privaten Anbietern gleich mal zu zeigen, dass es nicht leicht werden würde, in Mössingen Fuß zu fassen – wenn sie denn, was derzeit gerichtlich ausgefochten wird, überhaupt irgendwann das Altpapier abfahren dürfen.

Ob kommunal oder privat: „Hauptsache danebenlegen“, heißt also die Devise der örtlichen Ehrenamtlichen. 17 Vereine sind es derzeit, die Mössingen-weit auf Sammeltour gehen. Jürgen Machann, Vorstand des Musikvereins Mössingen, findet, dass das traditionelle System bisher sehr gut geklappt hat. „Größere Beschwerden gab es nie“, so Machann. Vor allem gewerbliche Anbieter, glaubt Machann, könnten nie so zuverlässig abholen: „Und wenn die Altpapier-Preise sinken oder die Firma pleite macht, dann sind die von heute auf morgen weg. Das nenne ich nicht zuverlässig.“

Vereine machen derzeit gegen die Tonne fürs Altpapier mobil
Es ist eine ziemliche Materialschlacht, die an einem gewöhnlichen Mössinger Altpapier-Wochenende auf die Sammler der örtlichen Vereine wartet. Doch die Ehrenamtlichen brauchen die beträchtlichen Einnahmen, die ihnen das Altpapier bringt. Das soll so bleiben, auch wenn Konkurrenz auf dem hiesigen Müllmarkt droht. Im Bild: der Musikverein Mössingen, an einem Sammel-Samstag kurz vor dem Start.Bild: Franke

Vereine machen derzeit gegen die Tonne fürs Altpapier mobil

17 Mössinger Vereine, große und kleine, sind derzeit mehr oder weniger abhängig von den Einnahmen aus dem Altpapier. Ein Platz auf der Sammler-Liste der Stadt ist – bislang jedenfalls – sehr begehrt. Beim Mössinger Stadtfest „Bürgertreff“ am 13. und 14. September wollen die Vereine informieren.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

25.08.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball