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Tom Coopers Südstaaten-Krimi „Das zerstörte Leben des Wes Trench“

Verfluchte Sumpflandschaft

Tom Cooper hat einen starken Roman über die Menschen in der Sumpflandschaft des Bayou geschrieben: „Das zerstörte Leben des Wes Trench“.

29.04.2016
  • JÜRGEN KANOLD

Louisiana hatte schon immer am Ende der Welt gelegen. Zwischen Frankreich und Spanien  war das Land hin- und hergeschoben worden „wie ein ungewolltes Kind“. Dann kaufte US-Präsident Thomas Jefferson die Kolonie 1803 Napoleon ab, für weniger als siebeneinhalb Cents pro Hektar. Aber Louisiana blieb ein „Außenposten der Zivilisation“, der von „Gesetzlosen und Zigeunern aus dem Sumpf notdürftig zusammengeschustert worden war“.

Für den Shrimpfischer Trench gab es „kein korrupteres Stück Land als dieses hier“. Willkommen im Bayou nahe New Orleans, im unübersichtlichen  Mississippi-Delta, wo der Hurrikan Katrina gewütet hat mit furchtbaren Folgen für die Menschen: wirtschaftlich und seelisch. Und dann kommt noch die Ölkatastrophe der Deepwater Horizon dazu. Die Menschen stecken im Dreck. Es läuft schlecht – aber die „Cajuns“, die „Sumpfratten“ des Bayou, haben dafür noch ganz andere, kraftvollere Ausdrücke.

Und doch:  Die gebeutelten Menschen, ziemlich skurrile Typen darunter,  haben einen unbändigen Überlebenswillen, und schon gar nicht wollen sie ihr Land verlassen.  Der US-Amerikaner Tom Cooper berichtet davon in seinem Romandebüt „Das zerstörte Leben des Wes Trench“, das jetzt auf Deutsch erschienen ist und zunächst  mal in eine eigentlich fantastische, paradiesische  Landschaft führt: „Bald brach der Tag an, und die Wildnis um ihn herum nahm Konturen an. Die moosbehangenen Eichen waren so mächtig wie Wassertürme, die Zypressen hoch wie Obeliske. Gleich hinter einem Windbruch Kiefern stieß Lindquist auf einen alten graugesichtigen Rotluchs . . .“

Wobei gerne auch gefräßige Alligatoren den Bayou  bevölkern. Lindquist ist einer der Protagonisten in diesem sprachmächtigen Roman: Frau und Tochter hat er verloren, seine teure Armprothese ist ihm geklaut worden, er ist tablettensüchtig und ganz verrückt nach dem Schatz des legendären Piraten Lafitte. Er pfeift auf die Fischerei und durchkämmt als Goldsucher die Sümpfe. Nur dass er den brutalen Brüdern Toup in die Quere kommt, die auf einer Mini-Insel das beste Marihuana anbauen. Dann wäre da Brady Grimes, den die Ölgesellschaft nach Louisiana geschickt hat, um den Einwohnern möglichst billig das Recht auf Schadensersatz abzukaufen.

Tom Cooper erzählt seinen emotionalen, sprachmächtigen Roman aus der  Perspektive dieser Figuren, im ständigen Wechsel. Und diese Szenen verknüpfen sich zunehmend zum spannenden Thriller. Wes Trench spielt eine weitere Hauptrolle: Er hat seine Mutter im Hurrikan verloren und ist verbittert über seinen Vater, der das Unglück verschuldet hatte, weil er  die Familie nicht rechtzeitig evakuierte.

Das zerstörte Leben des Wes Trench? Der 17-Jährige hat seine Mutter im Hurrikan verloren und ist verbittert über seinen Vater, der das Unglück verschuldet hatte, weil er allen Warnungen trotzte und die Familie nicht evakuierte. Wes hat eine tragische Geschichte – und doch: Er befreit sich von seinem Vater, heuert bei Lindquist an, er wird erwachsen, geht dann eigene Wege, und auch er hat nur ein Ziel – sein eigenes Schiff. Das Leben geht weiter: nach dem Verlust mit immer neuer Hoffnung.

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29.04.2016, 06:00 Uhr

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