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Vergissmeinnicht
Der Verein „Stadtlücken“ hat am Österreichischen Platz einen Kiosk aufgebaut. Foto: „Stadtlücken“
Stuttgart

Vergissmeinnicht

Der Verein „Stadtlücken“ will den Österreichischen Platz ins öffentliche Bewusstsein rücken.

18.10.2016
  • SABINE FISCHER

Stuttgart. Bisher ist der Österreichische Platz einer dieser Stuttgarter Nicht-Orte, der eigentlich mehr „zwischen“ als „da“ ist. Ein seltsam trostloser Hybrid aus Obdachlosenexil und Parkgaragenromantik irgendwo zwischen der Stadtmitte und dem Marienplatz. Mehr eben nicht. Die meisten Stuttgarter eilen mit gesenktem Blick am Platz unterhalb der Paulinenbrücke vorbei, ohne ihn wahrzunehmen.

Die Ironie dieses „Nicht-gesehen-werdens“ nutzt der Verein „Stadtlücken“, eine bunte Truppe aus Architekten, Studenten, Designern, Künstlern und Co., nun für eine stadtplanerische Initiative. Gemeinsam möchten sie ein Bewusstsein für jene Orte schaffen, an denen das öffentliche Leben momentan stillsteht. Plätze also, die kreativ genutzt werden könnten, aber in selbstverständlicher Vergessenheit vor sich hin rotten. „Ein Sinnbild dafür ist der Österreichische Platz“, meint Gründungsmitglied Sebastian Klawiter.

Genau an jenem Un-Ort haben die Vereinsmitglieder deshalb nun Quartier bezogen: Aus einer gut zwei Meter hohen Wellblechbude mit lichterkettenumranktem Verkaufsfenster und der Aufschrift „Souvenirshop“ verkaufen sie noch bis zum 24. Oktober Schals, Postkarten, Feuerzeuge und Bierdeckel im selbst gestalteten „Österreichischer Platz“-Design. Im ersten Moment funktioniert die Aktion über das Prinzip der Irritation, erklärt Klawiter. „Warum sollte jemand Souvenirs von einem solchen Ort kaufen? Doch genau so kommen wir mit den Menschen in Kontakt und können den Raum durch Fragen verstehen.“

Verstehen, was der Platz den Bürgern bedeutet, ist das erste Ziel von „Stadtlücken“. Jeden Tag schreiben die rund 20 Mitglieder, die ab dem späten Nachmittag ehrenamtlich auf dem Österreichischen Platz stehen, eine Frage auf ein Pappschild und beobachten, wie die Stuttgarter ihre Antworten mit Filzstift und Halbsätzen zu einer Meinungscollage vermischen. Ein Tag, eine Frage – insgesamt 14 sollen es am Ende werden. Nach Ablauf der Aktion kommen die Tafeln ins Rathaus, wo gemeinsam über eine alternative Nutzung des Platzes nachgedacht werden soll.

Doch bereits während der Aktion startet der Verein einen ersten Testlauf: Neben dem Souvenirkiosk findet unter der Paulinenbrücke eine Veranstaltungsreihe statt. „Das soll kein Festival sein. Wir wollen durch unser Programm testen, was hier funktionieren könnte. Kann der Platz zum Beispiel von einem Lichtkünstler genutzt werden? Funktioniert Live-Musik? Ein DJ-Set? Oder vielleicht ein Flohmarkt?“, erklärt Klawiter. Trotz des Eventcharakters wolle er dem Platz nichts aufdrängen, der Verein selbst habe kein Eigeninteresse an der Nutzung. „Die Obdachlosen zum Beispiel sind Teil des Platzes, für sie ist er ihr Zuhause. Wir wollen sie nicht von hier verdrängen, sondern schauen, wie wir den Raum für alle lebenswert gestalten könnten.“

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18.10.2016, 06:00 Uhr

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