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Humor mit Senfportion

Vergnüglicher GAL-Leseabend im Martinshaus

Vom tschuktschischen Märchen bis zum vergessenen Satiriker Heinz Gnade reichte die Textauswahl beim kurzweiligen Leseabend der Grün-Alternativen Liste (GAL) am Freitag im Martinshaus.

30.08.2010

Von DOROTHEE HERMANN

Kirchentellinsfurt. Als „Sommerferienprogramm für Erwachsene“ sieht GAL-Veteranin Sibylle Rittershaus die sommerlichen Leseabende der Partei. Der zwölfte seiner Art am Freitag stieg dem Schauerwetter geschuldet nicht im Rondell, sondern bei Kerzenlicht in der Martinshaus-Caféteria. Der Kirchentellinsfurter Fotograf und Musiker Roger Dempfle stimmte die 20 Zuhörer/innen mit Gitarrenklängen auf den Abend ein. Allerdings hatte er auch ein Vorlesestück mitgebracht: eine skurrile Dorfgasthaus-Geschichte aus Wolfgang Hildesheimers „Lieblosen Legenden“.

Vom Sprachwitz zum Märchen aus der Ferne

Auf einen noch absurderen Humor setzte der Tübinger Hartmann Doerry mit dem eigentümlichen Roman „Kaust – Von Personen die Rückseitigkeiten“. Das Buch sei einst im Rowohlt-Verlag erschienen, sagte Doerry, doch dort wisse man nichts mehr vom Autor Heinz Gnade. Vielleicht ist „Kaust“ ja eine Kurzform für kaustisch, ein Adjektiv, das unter anderem beißenden oder sarkastischen Witz bezeichnet. Jedenfalls weiß dieser Protagonist, dass alle Menschen „Geringigkeiten zu verbergen“ haben – denn ein Sprachschöpfer und Sprachspieler ist der Autor zweifellos. Auch weiß er um das Trostpotenzial kleiner Dinge. In der Tristesse einer Bahnhofshalle „bleibt immer noch die doppelte Senfportion an der Würstchenbude“. Jedenfalls dann, „wenn nicht etwas zermatt Unvorhergesehenes eingetreten wäre“.

Poesie und Mutterwitz verbindet das Tschuktschen-Märchen „Das Mädchen und der Mond“. Die Pfullingerin Margrit Liebe fand es in einer Märchensammlung aus den ehemaligen Sowjetrepubliken. Sie findet es „sehr spannend, diese Völker näherzubringen“. Eine Verwandte brachte ihr das Buch vom Flohmarkt mit, nachdem die Ruheständlerin die ganze Familie gebeten hatte, nach Märchenbüchern Ausschau zu halten. Schon als Kind entdeckte sie den Zauber solcher Geschichten. „Meine Großmutter war eine exzellente Märchenerzählerin“, sagte die gelernte Industriekauffrau. „Sie hatte 13 Kinder und hatte trotzdem Zeit für alle (später auch für die Enkel) – ohne Waschmaschine und ohne Spülmaschine.“

Zum Märchenerzählen gebe es viele Gelegenheiten – „in Altenheimen, Schulen, Kindertagesstätten“, sagte Liebe, die jahrelang als Chefsekretärin und zudem als Reiseleiterin arbeitete. Meistens fuhr sie nach Italien und Frankreich. Die Geschichten begleiteten sie: „In Italien erzählte ich Märchen auf Italienisch.“ Daheim auf dem Pfullinger Straßenfest holt sie die Kinder zusammen und erzählt, während „die Eltern in Ruhe Kaffee trinken können“.

Ihre Visitenkarte weist Ida Didié aus Reutlingen als Märchenerzählerin aus. „Omida“ nennt sie sich, was für „Oma Ida“ steht. Vor 15 Jahren ließ sie sich beim Reutlinger Märchenkreis zur Märchenerzählerin ausbilden. Seither verbreitet sie die magischen Geschichten, wo immer sie eingeladen wird: in Altenheim und Seniorenkreis, in Schulen und bei privaten Anlässen wie Hochzeiten. Sogar im Urlaub ruht sie nicht. „Auf dem Campingplatz erzähle ich den Kindern Märchen.“ Für den Kirchentellinsfurter Leseabend wählte sie ein funkelndes Edelsteinmärchen, das man als Fortsetzung von Andersens „Die kleine Seejungfrau“ auffassen konnte.

Im Kerzenschein: Der zwölfte GAL-Leseabend im Martinshaus mit Roger Dempfle an der Gitarre.Bild: Faden

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Erstellt:
30. August 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
30. August 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. August 2010, 12:00 Uhr

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