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Berlin: Zeuge ermöglicht Polizeieinsatz gegen mutmaßliche Kriminelle

Verhaftungen in Araber-Clan

Bestimmte arabische Großfamilien sind laut Polizei in kriminelle Strukturen verwickelt. Die Ermittler tun sich schwer, weil wie bei der Mafia eine Schweigepflicht herrscht. Nun gab es eine Großrazzia in Berlin.

13.04.2016
  • DPA

Berlin. Gegen mutmaßlich kriminelle Mitglieder einer kurdisch-arabischen Großfamilie ist die Berliner Polizei vorgegangen. Acht Männer im Alter von 20 bis 56 Jahren wurden verhaftet. 220 Polizisten, darunter 60 Mitglieder eines Spezialeinsatzkommandos, hatten 18 Wohnungen, Gaststätten und Firmenräume durchsucht.

Der Einsatz hat sich unter anderem gegen Verdächtige im Zusammenhang mit dem Raubüberfall auf die Schmuckabteilung im Luxuskaufhaus KaDeWe im Dezember 2014 gerichtet. Die Polizei beschlagnahmte gestern Schmuck - ob er aus dem KaDeWe stammt, war zunächst nicht bekannt.

Außerdem ging es um die Anstiftung zu einem Auftragsmord, der aber nicht ausgeführt worden ist. Nach Informationen des "Tagesspiegels" hatte ein Mann im Oktober 2015 einem 42-Jährigen in Neukölln in die Beine geschossen. Hintergrund des Anschlags soll eine Frauengeschichte gewesen sein.

Die Polizei beschlagnahmte außer dem Schmuck eine Schusswaffe, Munition, Bargeld und einen Porsche. Ein Schwerpunkt des Einsatzes lag in Nord-Neukölln nahe dem Kottbusser Damm. Auch in Gropiusstadt im Süden des Bezirks sowie in Lankwitz (Steglitz) und Hermsdorf (Reinickendorf) gab es Durchsuchungen. Einer der Männer soll sich gewehrt haben.

Einige Angehörige der Großfamilie, die aus dem Libanon stammt, seien polizeibekannt, teilte die Polizei mit. Es handele sich aber nicht um Ermittlungen gegen Familien, sondern gegen Einzelpersonen.

Die Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft stützten sich auf Aussagen und Hinweise aus der kriminellen Szene und dem Umfeld der Clans. Innensenator Frank Henkel (CDU) und die Polizei sprachen von "umfangreichen Zeugenaussagen", die "ungewöhnlich für dieses Milieu" seien, da wie bei der klassischen Mafia eine Art Schweigepflicht herrsche.

"Das ist eine wichtige Botschaft", sagte Henkel. "Fällt die Mauer des Schweigens, können die Sicherheitskräfte noch konsequenter handeln. Es wäre gut, wenn dadurch auch andere ermutigt werden, über die Szene auszupacken."

Den Überfall auf das KaDeWe hatten fünf maskierte und bewaffnete Männer verübt. Sie versprühten Reizgas, zerschlugen Vitrinen und erbeuteten Schmuck und Uhren im Wert von rund 800 000 Euro.

Im Frühjahr 2015 wurden drei Männer im Alter von 26, 27 und 29 Jahren wegen des Überfalls festgenommen. Im Herbst begann der Prozess vor dem Berliner Landgericht. Der 26- und der 29-Jährige sollen bei dem Überfall dabeigewesen sein.

Der 27-Jährige hatte den anderen, von denen einer sein Cousin ist, laut seiner eigenen Aussage nur sein Auto geliehen. In seiner Erklärung vor Gericht hieß es, er habe sich entschlossen, sein Wissen zu offenbaren. Er wolle einen neuen Weg in seinem Leben einschlagen - ohne Kriminalität und ohne Rücksicht auf frühere Freunde "und deren Ehrenkodex".

Drogenhandel, Schutzgelderpressung, illegales Glücksspiel

Clans Arabische Clans sind in Berlin, im Ruhrgebiet, in Niedersachsen und in Bremen berüchtigt. Das größte Problem für die Polizei, wenn sie wegen Kriminalität ermittelt, sind die abgeschotteten Familienstrukturen. Ein Forscher: „Die Großfamilie ist alles und der Rest ist nichts.“

Einnahmen Viele Mitglieder der Großfamilien durften in Deutschland nicht arbeiten, wenn sie eingereist waren. Kriminalität wurde eine Haupteinnahmequelle: Drogenhandel, Schutzgelderpressung, illegales Glücksspiel, dazu Überfälle wie auf das KaDeWe und auf ein Pokerturnier mitten in Berlin.

Sicherheit Wenn acht Leute verhaftet worden sind, heißt das nicht, dass es auch zu acht Verurteilungen kommt. Denn Geld spielt da überhaupt gar keine Rolle und diese Familien beschäftigen für gewöhnlich die besten Anwaltskanzleien der Stadt. Hinzu kommen Drohung und Einschüchterung.

Vermögen Ihr Geld investieren die Clans unter anderem in den Kauf von Wohn- und Geschäftshäusern. Beraten wird jetzt über ein Gesetz nach italienischem Vorbild: Wenn die Verdächtigen nicht nachweisen können, dass ihr Geld aus legalen Geschäften stammt, kann die Justiz es einziehen. dpa

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13.04.2016, 06:00 Uhr

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