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Finanzminister bei Bürkle

Verkehrsinfrastruktur: Willi Stächele fordert mehr Rendite für den ländlichen Raum

Aufschwung nach der Wirtschaftskrise, schlechte Straßen, gute Mitarbeiter – Landes-Finanzminister Willi Stächele (CDU) hatte viele Themen im Gepäck, als er gestern der Firma Bürkle einen Besuch abstattete.

05.11.2010

Von Marike schneck

Freudenstadt. „Jetzt bin ich so oft hier vorbeigefahren und war noch nie hier drin?, sagte Willi Stächele und schaute sich erstmal interessiert um. Dabei hatte der Besuch beim Freudenstädter Maschinen- und Anlagenbauer Bürkle schon lang auf der Finanzminister-Agenda gestanden. Bereits 2009, als Stächele zum Freudenstädter Neujahrsempfang eingeladen war, hatte er dem Unternehmen einen Besuch abstatten wollen, musste den Termin dann aber aus Zeitgründen wieder verschieben.

Gestern dann hatte Stächele Zeit mitgebracht. Nicht viel, aber immerhin so viel, dass er die neuen Steuerschätzungen erst einmal Steuerschätzungen sein ließ. So nahm er sich die Zeit für einen Rundgang durch die Firma und ein intensives Gespräch mit Bürkle-Geschäftsführer Hans-Joachim Bender, ehe er dem Kamera-Team des SWR zur Verfügung stand, das derweil im Freudenstädter Landratsamt dringend auf seine Stellungnahme für die Landesnachrichten wartete.

Besonders beeindruckt zeigte sich der Finanzminister von Bürkles Innovations-Zentrum, in dem das Unternehmen neue Ideen umsetzt, innovative Technologien testet und Entwicklungen auf den Prüfstand stellt. Ließ sich erklären, dass das Unternehmen hier nicht nur Anlagen für die Möbelindustrie entwickelt, sondern vor zwei Jahren auch in den Photovoltaik-Markt eingestiegen sei. „Hier?, verriet Marco Spindler, Bürkles kaufmännischer Leiter, „sind manchmal auch Dinge zu sehen, die noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Die Führung heute ist quasi ein Novum.?

Besonderes Augenmerk legte der Finanzminister auf die Märkte, in denen das Freudenstädter Unternehmen agiert und jene, die es neu erschließen möchte. Osteuropa, Asien und Indien hatte Stächele bei dem Freudenstädter Exportunternehmen erwartet. Dass Hans-Joachim Bender nun verstärkt in der Türkei nach Kontakten sucht ? „da boomt?s? ? nahm der Minister erfreut zum Anlass, den geschäftsführenden Gesellschafter zu einer seiner Reisen einzuladen: „Ganz kleiner Rahmen, sehr effektiv.?

Bender seinerseits klagte dem Minister sein Leid über die schlechte Verkehrsinfrastruktur des Schwarzwalds. Die mache es dem Unternehmen schwer, gute Leute nach Freudenstadt zu locken. Dorthin, wo laut Bender die Entwicklung und damit das Herz der Firma sitze. Erweitern werde das Unternehmen hier deshalb nicht. „Selbst dann nicht, wenn wir die Fläche dafür hätten.? Stattdessen baue man verstärkt auf den eigenen Nachwuchs. Die Ausbildungsquote, erklärte Bender, liege seit vielen Jahren konstant bei mehr als zehn Prozent. Und fast jeder Auszubildende werde anschließend in den Betrieb übernommen.

Die Wirtschaftskrise hingegen, kritisierte Bender, habe Bürkle nur meistern können, weil es am Produktionsstandort im nordrhein-westfälischen Paderborn unternehmerfreundlichere Kurzarbeitsgesetze gebe, als in Baden-Württemberg. „Das Werk dort haben wir sieben Monate komplett stillgelegt.? In Freudenstadt habe man derweil mit Gleitzeitkonten gearbeitet.

Während Bürkle 2008 dank der guten Auftragslage, die aus dem Vorjahr übernommen werden konnte, noch ein gutes Geschäftsjahr hatte, habe das Unternehmen die Krise erst 2009 zu spüren bekommen. Bender: „Da sind wir dann um 45 Prozent eingestürzt. Rote Zahlen waren da nicht zu vermeiden.? Auch wenn der Einbruch nicht gar so schlimm war, wie zunächst befürchtet, und sich das Unternehmen inzwischen gut erholt hat ? an den Folgen der Krise, so Bender, habe man noch immer zu knabbern: Der Umsatz ging zwar steil nach oben ? „wir erwarten dieses Jahr 85 Millionen Euro? ? der Ertrag aber hinke hinterher.

Finanzminister Stächele lauschte den Ausführungen Benders interessiert, hakte an mancher Stelle nach und nickte immer wieder beipflichtend. Lieferte der Bürkle-Geschäftsführer ihm doch genau die Informationen, die er erhofft hatte, hier zu erfahren: „Es ist wichtig für mich, außerhalb von Stuttgart zu sehen, wie sich das Land nach der Bankenkrise entwickelt.? Bei Bürkle sah sich Stächele vor allem in einem Vorhaben bestätigt: „Wir müssen dem Land mehr Rendite für den ländlichen Raum abverlangen. Das fängt mit der Verkehrsinfrastruktur an.?

Finanzminister Willi Stächele (rechts) zeigte sich beeindruckt vom Innovations-Zentrum der Firma Bürkle, durch das ihn dessen geschäftsführender Gesellschafter Hans-Joachim Bender (links) gestern führte. Mit dabei waren mehrere Parteikollegen der CDU, darunter auch (von links) Siegfried Braun vom Kreisverband der Mittelstandsvereinigung, die Kreisvorsitzende Conny Mayer-Bonde, der Gemeindeverbands-Vorsitzende Klaus Beichel und der Landtagsabgeordnete Norbert Beck.Bild: vov

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Erstellt:
5. November 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. November 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. November 2010, 12:00 Uhr

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