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Leitartikel Familie

Verlässliche Stützen

Weihnachten ohne Familie klingt wie Schwarzwälderkirsch ohne Sahne. Beides geht kaum. Wir lieben unsere Familien, leiden mit und an ihr - und wollen doch auf sie nicht verzichten.

24.12.2016
  • ELISABETH ZOLL

Zweidrittel der Deutschen sagen in Umfragen, Familie sei das Wichtigste für sie. Steigende Scheidungsraten und die kürzer werdende Dauer einer Ehe haben dem Ansehen von Ehe und Familie nicht geschadet. Im Gegenteil: gerade in Zeiten äußerer wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit werden Familien als emotionaler Wärmepol wahrgenommen. Das schafft Vertrauen, Stabilität und Selbstsicherheit.

Doch was ist eine Familie? Gleich ein ganzer Strauß von Antworten ergibt sich aus dieser Frage. Natürlich die Kernfamilie aus Vater-Mutter-Kind, doch auch Alleinerziehenden, Patchwork-Gemeinschaften, ja auch Verbindungen gleichgeschlechtlicher Paare wird das Familiensein nicht abgesprochen. Der Staat hat sich hier bewegt und gleichgeschlechtliche Partnerschaften vor dem Gesetz aufgewertet. Die Kirchen tun sich mit dieser Vielfalt schwerer. Homosexuelle Paare segnen oder nicht? Oder katholischerseits: Sakramentale Stärkung auch für eine zweite Ehe? Vehement wird innerkirchlich um den Standpunkt zur Familie gerungen. Gerade weil sie für die Gesellschaft und Kirchen so wichtig ist. „Keimzelle des Staates“ sei sie, gar ein „Abbild der Liebe Christi“. An Überhöhungen herrscht kein Mangel.

Die Aufgaben, die Familien übernehmen, sind wichtig für jede Gesellschaft. Denn sie stehen für Verbundenheit und Solidarität, leisten Wichtiges für die Erziehung und die soziale Integration von Kindern in die Gemeinschaft. Auch bei der Versorgung und der Pflege älterer Angehöriger sind Familien nicht wegzudenken. Deshalb hat die Politik sie unter einen besonderen Schutz gestellt. Ohne eine Vielzahl stabiler Familien ist kein Staat zu machen.

Doch gilt das auch für jene Menschen, deren Familienbild nicht durch Aufklärung und deutsche Romantik geprägt ist? Die Zuwanderer früherer Generationen und die Flüchtlinge von heute haben ein eigenes kulturelles Wissen und andere vererbte Familienbilder im Gepäck. Ihre Verbundenheit gilt auch der Sippe. Nicht zwingend hat der individuelle Wunsch nach einer Liebesbeziehung Priorität, sondern Erwägungen der Familienoberhäupter. Auch kehren mit den Zuwanderern traditionelle Familienformen und patriarchale Rollenbilder in die deutsche Öffentlichkeit zurück.

Die Erwartungen an und die Aufgaben für die Familien sind jedoch die gleichen: Stärken, Stabilisieren, Orientierung geben in einem Umfeld der Unsicherheit, damit aus verunsicherten Fremden schnell sichere und verlässliche Bürger werden können.

Die Aussetzung der Familienzusammenführung bis zum Frühjahr 2018 für Menschen mit einem eingeschränkten Schutzstatus mag der gefühlten Überforderung des Jahres 2015 geschuldet sein. Eine zukunftsweisende Antwort ist sie nicht, schon gar nicht einer Gesellschaft, die sich dem Schutz der Familie verschrieben hat.

leitartikel@swp.de

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24.12.2016, 06:00 Uhr

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