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„Verlieren gehört zum Leben“
Bekanntes Gesicht im deutschen TV: Martin Brambach. Foto: MDR
Interview · Martin Brambach

„Verlieren gehört zum Leben“

Martin Brambach gilt als König der Nebenrollen. In einer neuen ARD-Serie steht der 49-Jährige nun in der ersten Reihe.

23.01.2017
  • CORNELIA WYSTRICHOWKSI

Er ist der bekannteste Unbekannte im deutschen Fernsehen: Martin Brambach hatte schon viele, vor allem aber kleinere Rollen. Das ändert sich jetzt.

Herr Brambach, in Ihrer neuen Serie geht es um die Suche nach dem Glück. Sind Sie glücklich?

Martin Brambach: Ich bin sehr glücklich, privat und beruflich könnte es nicht schöner sein.

Wobei sich ja immer die Frage stellt, was Glück genau ist . . . 

Je älter ich werde, desto öfter denke ich darüber nach. Ich glaube, dass man – etwas hochgestochen formuliert – eine gewisse Weisheit erlangt, je älter man wird. Man weiß, dass Glück mit Verzicht zu tun hat und manchmal eine ganz flüchtige, kurze Sache ist.

Sie gelten ja als Mann für Nebenrollen im deutschen Fernsehen. Machen größere Rollen denn nicht glücklicher als kleine?

Nein, das kann man nicht sagen. Wenn man eine Hauptrolle spielt, hat man Verantwortung für ein ganzes Produkt, hat auch mehr Drehtage, und wenn das nicht wirklich gut geschrieben ist, dann kann das auch unangenehm werden. Da habe ich lieber eine kleinere, knackige Rolle, die mich glücklich nach Hause gehen lässt.

Der in der neuen Serie von Ihnen gespielte Versicherungsmann Hans-Peter Mühlens ist ein unglücklicher Mensch und kauft auf der Jagd nach dem Glück teure Dinge. Macht Materielles glücklich?

Nein, das Materielle macht nicht glücklich. Es gibt eine Erhebung, dass ab einem Jahreseinkommen von ungefähr 30 000 Dollar (zur Zeit rund 28 000 Euro) der Mensch nicht mehr signifikant glücklicher wird mit höherem Einkommen, es reicht also eine Grundsicherung. Der Herr Mühlens, der ist natürlich besonders arm dran, er ist kaufsüchtig. Das Problem hatte ich in meinem Leben auch schon mal: Damals habe ich versucht, meine Sorgen mit materiellen Dingen aus der Welt zu schaffen.

Was haben Sie sich denn gekauft?

Wenn es mir nicht gut ging, musste ich mir eine CD oder ein Buch kaufen, oder mal eine schöne Hose. Aber diese Sachen helfen einem natürlich nur zwei, drei Tage, und dann ist es wieder vorbei. Das ist inzwischen schon ein ganzes Weilchen her, deshalb kann ich darüber auch relativ entspannt reden. Dass ich da kaufsüchtig war, ist mir auch erst im Nachhinein klar geworden, damals hatte ich gar nicht den Eindruck, dass es so war. Es war bei mir aber nicht so schlimm wie bei Herrn Mühlens, der sich ja neue Autos und teure Uhren kauft.

Wie viele Ihrer Figuren strahlt dieser Mann bei aller Komik doch auch eine tiefe Verzweiflung aus. Schöpfen Sie da aus sich selber?

Spielen heißt auch sein: Es ist immer auch was von einem selber drin. Aber mir macht es Freude, wenn Figuren existenziell in Not kommen, weil dann der Zuschauer mit dem Herzen dabei sein kann. Ich will eine Figur immer so weit wie möglich treiben und schauen, wie weit die Verzweiflung gehen kann, denn Humor entsteht nur über Existenzielles. Aber manchmal schlafe ich in der Vorbereitung auch mal zwei, drei Nächte nicht gut, weil ich so darüber nachdenke, wie ich das spielen kann.

Möchten Sie nicht lieber mal den strahlenden Helden spielen?

Je gegensätzlicher die Rollenangebote sind, desto schöner ist es natürlich. Aber es ist so, dass ich grundsätzlich versuche, meinen Figuren eine tragische Seite zu geben, weil ich finde, dass das Verlieren zum Leben gehört. Leute die nur gewinnen, gibt es nicht.

Im Dresdner „Tatort“ spielen Sie seit vorigem Jahr den Chef des Kommissariats. Machen Sie weiter? Ihr Kollege Matthias Brandt hat ja gerade seinen Abschied vom „Polizeiruf 110“ angekündigt . . .

Ich finde es als Zuschauer schade, dass Matthias aufhört, aber als Schauspieler kann ich es verstehen, dass er sich Neuem zuwenden will. Fernsehkommissare sind komplizierte Rollen, man steht dermaßen im Fokus mit diesen Sachen. Bei mir ist das etwas anderes, denn ich stehe im „Tatort“ nicht allein in der Auslage.

Info „Frau Temme sucht das Glück“, ab Dienstag, 20.15 Uhr, in der ARD (vorerst sechs Folgen).

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23.01.2017, 06:00 Uhr

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