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Leitartikel

Verlierer Deutschland

Nun ist er da, der Handelskrieg. Ausgelöst von US-Präsident Donald Trump, der nach Strafzöllen auf einzelne Produkte wie Waschmaschinen nun auf jegliches Stahlerzeugnis 25 Prozent aufschlagen will.

03.03.2018

Von HAJO ZENKER

Ziel ist es, die Importprodukte so zu verteuern, dass sie in Amerika niemand mehr kauft und den heimischen Herstellern lästige ausländische Konkurrenz vom Hals zu schaffen. Deutschland dürfte deshalb bald erleben, dass es vorbei ist mit dem langen Aufschwung, der uns derzeit noch Beschäftigungs- und Einnahmerekorde beschert.

Der Schaden kommt dabei längst nicht nur, weil die Bundesrepublik noch immer wichtige Stahlhersteller hat, die es zusammen auf 86?000 Beschäftigte bringen und bisher außerhalb der EU ihren wichtigsten Markt in den USA haben. Trump hat vielmehr eine Spirale in Gang gesetzt, in der auf Zoll mit Gegenzoll und Gegengegenzoll reagiert wird. Die EU und China haben bereits ankündigt, zurückschlagen zu wollen. Brüssel hat dabei angeblich Orangensaft, Whiskey und Motorräder im Visier. Was besonders Gegenden in den USA treffen soll, in denen die Republikaner traditionell stark sind.

Das mag man für eine politische Kinderei halten. Einen sachlichen Hintergrund gibt es dafür trotzdem: Es gibt nur wenig US-Waren, die hierzulande erfolgreich sind. Wer möchte Autos, Geschirrspüler oder Sofas „Made in USA“ kaufen? Begehrenswerte Produkte bietet vor allem das Silicon Valley, ob nun in Form von sozialen Netzwerken oder Smartphones. Da müsste man sich einen Digitalwirtschaftsstrafzoll einfallen lassen, für Facebook, Google oder Apple.

Doch macht gerade das Beispiel Apple deutlich, was durch einen Handelskrieg alles in die Brüche gehen kann. Der Apfel-Konzern entwickelt iPhone und iPad zwar in Kalifornien, in China aber wird produziert. So besteht die Gefahr, dass das straff geführte Reich der Mitte, das Jahr für Jahr riesige Überschüsse im Handel mit den USA erzielt, die Stahl-Zölle nicht tatenlos hinnehmen wird. Es zeigt sich: Die Weltwirtschaft ist vielfältig verwoben. Alles hängt mit allem und jeder mit jedem zusammen. Wird dieses filigrane Netz zerrissen, leiden vor allem die Champions des Handels. Deutschland hat im vergangenen Jahr Waren im Wert von 1,28 Billionen Euro ins Ausland verkauft – so viel wie noch nie. Jeder vierte Arbeitsplatz im Land hängt am Export. Das macht deutlich, wie viel jetzt auf dem Spiel steht.

Nun stimmt es ja, dass Abschottung zwar zunächst vor Konkurrenz schützt, aber langfristig schadet, weil die Wettbewerbsfähigkeit leidet und man selbst dadurch weniger Exportchancen hat. Auch können im Inland Strafzölle nicht mehr verhindern, dass die Kunden zum innovativen, hochwertigen Produkt aus anderen Ländern greifen.

Ein Handelskrieg kennt auf längere Sicht keine Sieger. Doch bis sich das im Weißen Haus herumgesprochen hat, wird es wohl eine Weile dauern. So lange werden Unternehmen in aller Welt leiden. Und die Unternehmen in Deutschland ganz besonders.

leitartikel@swp.de

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Erstellt:
3. März 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
3. März 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. März 2018, 06:00 Uhr

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