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Versäumnis im Jugendamt
Jugendamtsleiterin Eva-Maria Münzer: Einer ihrer Mitarbeiter erhielt nun einen Strafbefehl. Foto: dpa
Ermittler: Sozialarbeiter trägt Mitschuld am Tod des kleinen Alessio

Versäumnis im Jugendamt

Der dreijährige Alessio ist vom Stiefvater zu Tode geprügelt worden. Doch das Jugendamt trägt eine Mitschuld, sagt die Staatsanwaltschaft. Ein Sachbearbeiter hätte den Tod des Jungen verhindern können.

13.04.2016
  • STEFAN HUPKA

Freiburg. Die Staatsanwaltschaft will ein Strafverfahren gegen das Jugendamt zum Tod des kleinen Alessio ohne öffentliche Hauptverhandlung erledigen. Auf ihren Antrag hin hat das Amtsgericht Titisee-Neustadt einen Strafbefehl gegen den zuständigen Sozialarbeiter erlassen. Er soll eine Geldstrafe in Höhe dreier Monatsgehälter zahlen. Ob er dem zustimmt, ist ungewiss, die Frist läuft.

Dem 45 Jahre alten Sozialarbeiter des Kreisjugendamts Breisgau-Hochschwarzwald werfen die Strafverfolger "fahrlässige Tötung durch Unterlassen" vor. Das machte die Freiburger Staatsanwaltschaft gestern publik. Die Ermittler sehen in ihm den Verantwortlichen dafür, dass der dreijährige Alessio nicht rechtzeitig vom Jugendamt in Obhut genommen worden ist - sondern bei seinem Stiefvater auf einem Bauernhof in Lenzkirch blieb.

Nach Misshandlungen durch den 34 Jahre alten Landwirt war Alessio am 16. Januar 2015 in einer Neustädter Arztpraxis gestorben. Der Täter wurde dafür im Oktober zu sechs Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt, die er derzeit verbüßt.

Die Familie war damals allerdings schon länger in Betreuung des Jugendamtes. Auch stand der Landwirt wegen des Verdachts von Gewalt gegen das Kind schon bereits unter Beobachtung: Das Kinderschutzzentrum der Freiburger Unikinderklinik hatte Alarm geschlagen wegen Misshandlungsanzeichen am Körper des kleinen Jungen. Spätestens als die leibliche junge Mutter des Jungen - das Paar hat außerdem eine gemeinsame kleine Tochter - selbst im Dezember krank wurde und in stationäre Behandlung musste, hätte der Betreuer einen neuen Ortsbesuch und eine neue "Risikoanalyse" machen müssen, sagen die Strafverfolger. Das habe er unterlassen.

Eine solche Analyse hätte, sagen sie, zwingend ergeben, dass man Alessio und seine Schwester nicht in der alleinigen Obhut des Stiefvaters hätte belassen dürfen, sondern beim Familiengericht eine amtliche Inobhutnahme beider Kinder hätte beantragen müssen.

Die Staatsanwaltschaft zeigt sich sicher, dass man damit bei Gericht durchgekommen wäre. Das stellt das Landratsamt Breisgau- Hochschwarzwald, die vorgesetzte Behörde des Jugendamts, in Frage und beruft sich auf Zweifel eines Gutachters, der den Fall untersucht hatte.

Behördensprecher Matthias Fetterer sagte der Badischen Zeitung, es sei die "persönliche Entscheidung" des Sozialarbeiters, ob er den Strafbefehl annimmt; seine Entscheidung werde "auf jeden Fall respektiert". Der Angestellte habe seit geraumer Zeit andere Aufgaben im Amt. Zeit sich zu äußern, hat er bis Ende nächster Woche. Erhebt er Einspruch, kommt es zu einem Strafprozess.

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13.04.2016, 06:00 Uhr

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