Wetter völlig aus dem Häuschen

Versicherer warnen vor zunehmenden Extremstürmen und Hochwasser

Ob Sturm, Hochwasser oder Hagel - extreme Wetterlagen mit hohen Schäden dürften auch in Deutschland dramatisch zunehmen. Trotzdem bleiben sie versicherbar. Allerdings sollten auch Hausbesitzer vorsorgen.

25.05.2011

Von DIETER KELLER

Berlin Vier Jahre ist es her, dass der Orkan Kyrill über Europa tobte. Im Januar 2007 sorgte er allein in Deutschland für volkswirtschaftliche Schäden von 4,2 Mrd. EUR. Glücklich konnte sich da schätzen, wer vorgesorgt hatte: Die Versicherer zahlten ihren Kunden 2,4 Mrd. EUR.

Früher gab es hierzulande nur alle 50 Jahre solch extreme Unwetter. Künftig ist damit alle 10 Jahre zu rechnen, und die Schäden dürften bis zum Ende des Jahrhunderts auf das Dreifache von Kyrill anwachsen. Das erwarten führende Klimaforscher, die zusammen mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erstmals eine Studie über die Folgen des Klimawandels in Deutschland bis zum Jahr 2100 durchgeführt haben. Ihr Fazit: Die Schäden nehmen dramatisch zu und damit auch der Versicherungsbedarf. Deutschland bleibt trotzdem gegen Naturschäden versicherbar, betonte GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen. Einzige Ausnahme sind etwa 1 Prozent der Gebäude, die in extrem hochwassergefährdeten Gebieten liegen.

In Baden-Württemberg rechnen die Forscher langfristig insbesondere mit einer Zunahme der Sturmschäden im Sommer, etwa durch Hagel. Die Schäden durch Hochwasser dürften sich bundesweit verdoppeln bis verdreifachen. Auch der Starkregen nimmt zu. Dieses Phänomen nehmen die Experten allerdings erst noch unter die Lupe.

Fast drei Viertel aller Hauseigentümer sind schlecht vorbereitet: Sie haben keine Elementarschadenversicherung abgeschlossen. Dies muss derzeit noch zusätzlich zur normalen Gebäudeversicherung gegen Feuer-, Leitungswasser- und Sturmschäden geschehen; erst seit Januar gibt es Verträge, die sie von vornherein mit einschließt. Die Vorsorge ist nicht dramatisch teuer: Thomas Vorholt, der beim GDV das Projekt Klimawandel leitete, rechnet für ein normales Einfamilienhaus mit etwa 100 EUR zusätzlich zur normalen Jahresprämie von 300 EUR. Gut dran ist die Mehrzahl der Baden-Württemberger: Sie haben die Zusatzabsicherung, weil sie Teil der Pflichtversicherung war, die sie bis 1994 im Land abschließen mussten.

Drastisch zunehmende Schäden bedeutet auch höhere Versicherungsprämien. Genauer will sich Hoenen nicht festlegen, schon weil der Markt hart umkämpft ist. Bei der Vorsorge, damit es gar nicht zu Schäden kommt, sieht er viele in der Pflicht: Die Kommunen dürfen überschwemmungsgefährdete Regionen nicht als Bauland ausweisen. Zudem müssen sie die Entwässerungsanlagen auch für Starkregen auslegen. Die Architekten müssen Dächer so stabil konstruieren, dass sie stärkeren Stürmen Stand halten. Türen und Fenster müssen vor Starkregen und Überschwemmungen sicher sein. Verputz und Dämmung von Häusern müssen Hagelunwetter aushalten. Auch Privatleute können mehr Eigenvorsorge betreiben, etwa mit Rückstauventilen und -klappen oder Dachverstärkungen.

Zum Artikel

Erstellt:
25. Mai 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
25. Mai 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2011, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen