Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Versklavt, missbraucht und trotzdem wehrhaft
Von links nach rechts die Filmfest-Organisatorinnen Irene Jung, Kathrin Frenz, Mona Haschke, Anna Bausch, Pola Hahn und Hanna Heynold.Bild: Metz
Eine Woche lang Frauenwelten im Kino

Versklavt, missbraucht und trotzdem wehrhaft

Das Tübinger Filmfestival Frauenwelten erkundet vom Mittwoch an die Lebensverhältnisse von Frauen rund um den Globus.

21.11.2016
  • Klaus-Peter Eichele

Nach den kinematografischen Reisen durch den arabischen und den französischsprachigen Raum lädt das am Mittwoch beginnende Filmfest Frauenwelten nun zu einem einwöchigen Trip um die ganze Welt. Allerdings, wie der Name des Festivals nahelegt, unter dem speziellen Aspekt der Lebensumstände von Frauen und ihren Kämpfen für gleiche Rechte. Geografisch reicht das Spektrum der 35 Filme, die die Organisatorinnen Irene Jung und Kathrin Frenz ausgewählt haben, von Argentinien über Albanien bis in den Südpazifik.

An den besonders exotischen Schauplatz einer winzigen Südseeinsel führt der Eröffnungsfilm „Tanna“ (morgen um 20 Uhr im Kino Museum). Vor dem Hintergrund, dass in dieser noch sehr urtümlichen Gesellschaft viele Ehen arrangiert werden, erzählt die australische Produktion eine (wahre) Liebesgeschichte nach Art von Romeo und Julia. Auch bemerkenswert: Alle Rollen werden von den Insulanern selbst gespielt.

Viel zu Flucht und Migration

Charakteristisch für das zum 16. Mal stattfindende Festival ist der Mix aus künstlerisch hochwertigen Spielfilmen und Dokumentationen, anhand derer bestimmte Schwerpunktthemen behandelt werden. Ein Fokus richtet sich in diesem Jahr auf die oft prekären, manchmal auch unmenschlichen Arbeitsbedingungen von Frauen. Persönlich repräsentiert wird dieser Block von der Nepalesin Urmila, der Protagonistin des gleichnamigen Films. Sie wurde als Sechsjährige von ihren Eltern verkauft, um fortan reichen Leuten als Haussklavin zu dienen. Heute engagiert sie sich mit großer Resonanz gegen diese moderne Form des Menschenhandels. Die junge Frau kommt zu drei Vorstellungen des Films am Donnerstag und Freitag in Tübingen und Rottenburg.

Mehrere Dokumentarfilme beschäftigen sich auch mit Flucht und Migration. Einer davon führt nach Oberbayern, wo eine ältere Dame in ihrem urigen Ausflugslokal „Café Waldluft“ (so der Filmtitel) eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet hat. Ein anderer („Don’t Tell Anyone“) porträtiert einen von rund elf Millionen papierloser Migranten in den USA, die Donald Trump jetzt abschieben will. Das besondere an Angy: Sie hat mit einem Blog den Schritt aus der Unsichtbarkeit gewagt.

In einem dritten Schwerpunkt geht es um sexualisierte Gewalt. „Driving With Selvi“ erzählt die Geschichte einer Frau, die, nachdem sie einer von Misshandlungen geprägten Ehe entkommen war, als erste Taxifahrerin Südindiens Furore gemacht hat. „Háwar“ schildert die Schicksale jesidischer Frauen aus einem Dorf im Irak, das vom Islamischen Staat okkupiert worden ist.

Patriarchatskritische Frauen

Zur Vorstellung des Films kommt die nun in Baden-Württemberg lebende jesidische Autorin Farida Khalaf ins Kino Museum (Donnerstag, 18 Uhr). Die traditionelle Gesprächsrunde des von der Frauenrechtsgruppe Terre des Femmes veranstalteten Festivals versammelt am Samstag um 18 Uhr patriarchatskritische Aktivistinnen aus islamischen Gesellschaften.

Aus dem Spielfilm-Block der Frauenwelten ragen zwei Filme heraus, die von ihren Macherinnen persönlich vorgestellt werden. Die italienische Regisseurin Laura Bispuri widmet sich in „Sworn Virgin“ einem albanischen Kuriosum: Mädchen, die schwören, Jungfrauen zu bleiben, werden dort wie Männer behandelt. Die serbische Schauspielerin Mirjana Karanovi („Esmas Geheimnis“) erzählt in ihrem Regiedebüt „A Good Wife“ von einer älteren Frau, die dahinterkommt, dass ihr Ehemann Kriegsverbrechen begangen hat.

Einen lokalen Kontrapunkt zum global ausgerichteten Filmprogramm setzt „Ein Haufen Liebe“. Regisseurin Alina Cyranek porträtiert in dem Dokumentarfilm vier zwischen 70 und 90 Jahre alte Schauspielerinnen des Tübinger Frauentheaters Purpur. Deren Rückblicke auf ihr Leben erzählen auch, so Programmmacherin Kathrin Frenz, vom Wandel der Geschlechterrollen im Lauf der Jahrzehnte. Weltpremiere ist am Sonntag um 16 Uhr im Kino Museum.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

21.11.2016, 18:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.