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Verwaltung und Gemeinderat suchen nun in Eigenregie nach Investor und Betreiber
Im Modell ist alles ganz einfach: Baubürgermeisterin Ulrike Hotz (rechts) und Projektleiterin Hannah Tiesler haben schon mal ein Hotel in Miniatur-Größe neben die Stadthalle gesetzt.Bild: Stadt
Hotelprojekt beginnt bei Null

Verwaltung und Gemeinderat suchen nun in Eigenregie nach Investor und Betreiber

Neuer Anlauf für ein Hotel neben der Reutlinger Stadthalle: Der Gemeinderat hat gestern ein neues Bietverfahren zur Suche nach einem Investor beschlossen. Damit nimmt die Verwaltung das Verfahren nun selbst in die Hand.

22.04.2016
  • Thomas de Marco

Reutlingen.Das im Herbst 2010 begonnene Hotelprojekt hatte vorgesehen, dass ein Entwickler auf eigene Kosten und eigenes Risiko einen Investor sowie einen Betreiber sucht. Der Ausgang ist bekannt: Das Verfahren ist Ende 2014 endgültig geplatzt (siehe Extra-Kasten „Ausgecheckt: So scheiterte die bisherige Hotelplanung“). Nach diesen Erfahrungen und Erkenntnissen nehme die Stadt nun das Projekt selbst in die Hand und verhandle mit potenziellen Investoren, erklärte Baubürgermeisterin Ulrike Hotz gestern.

Der Gemeinderat ist dabei eng mit eingebunden: Er entscheidet letztlich in der Wertungskommission, in der 12 Gemeinderätinnen und -räte unter Vorsitz von OB Barbara Bosch vertreten sind, über die Vergabe an einen Investor. „Das ist der richtige Weg für so eine zentrale Entscheidung“, sagt Hotz.

In einem Workshop hat die Verwaltung mit dem Gemeinderat nicht öffentlich das Verfahren erarbeitet und dabei auch mit potenziellen Investoren gesprochen. Ergebnis dieses „Realitäts-Checks“: Es gibt zum einen klare Vertragseckpunkte. Zum anderen ist bei der Suche nach einem Investor nun aber auch eine wesentlich größere Flexibiltät als bisher möglich. So können Bonuspunkte erteilt werden, wenn bei bestimmten Kriterien mehr geleistet wird als mindestens erforderlich ist.

Das sind die im Workshop erarbeiteten Vertragseckpunkte und Wertungskriterien:

Gesucht wird ein Investor, der ein Hotel auf eigene Rechnung plant und baut sowie einen Betreiber findet oder es selbst betreibt.

Das Grundstück wird im Rahmen eines Erbbaurechts überlassen. Die Laufzeit beträgt mindestens 30 und höchstens 99 Jahre. Die Höhe des Erbbauzinses fließt in die Bewertung der Angebote ein – je höher, desto besser.

Erwartet wird ein Hotel mit mindestens drei Sternen.

Vorgesehen sind mindestens 100 Zimmer. Wer mehr Zimmer anbietet, erhält bei der Bewertung Bonuspunkte. Erwünscht sind 150 Zimmer.

Der Bürgerpark vor dem Hotel soll frei von Stellplätzen bleiben. Zulässig ist nur eine Zufahrt. Wer die baurechtlich notwendigen Stellplätze (25 bis 35) in einer eigenen Tiefgarage vorsieht, bekommt ebenfalls Bonuspunkte bei der Bewertung. Denkbar ist auch eine abweichende Lösung, etwa die Nutzung der Stellplätze unter der Stadthalle gegen Gebühr.

Die Wertungskommission erwartet eine Aussage dazu, ob ein Verbindungssteg zwischen Hotel und Stadthalle gewünscht wird. In jedem Fall soll ein trockener Zugang zur Halle vorgesehen sein.

Die Stadt erwartet ein qualitativ hochwertiges Konzept, das die städtebaulichen und gestalterischen Akzente des ersten Wettbewerbs berücksichtigt. Investoren haben durchaus die Möglichkeit, die Planungen des Stadthallen-Architekten Max Dudler, der diesen Wettbewerb gewonnen hatte, aufzugreifen oder zu verwenden. Alternativ können Investoren aber auch auf eigene Kosten eine neue Mehrfachbeauftragung unter mindestens vier Architekturbüros ausloben.

Für die Gastronomie wünscht sich die Stadt ein Restaurant mit Außenbewirtschaftung. Der Investor kann entweder den Restaurantbetrieb ins Hotel integrieren oder diesen separat betreiben lassen. Die Zusage für eine Gastronomie (auch im Außenbereich) wird mit einem Bonus honoriert.

Mindestens 10 Prozent der Gästebetten müssen barrierefrei zugänglich sein und mindestens 1 Prozent rollstuhlgerecht erstellt werden.

Bewerbungen für den Bau und den Betrieb eines inklusiven Hotels (also mit einer gewissen Anzahl an Beschäftigten mit Handicap) sind explizit möglich.

Der Abschluss eines Kooperationsvertrags mit der Stadthallen-GmbH wird erwartet.

Der Gemeinderat hat in dem Workshop zur Vorbereitung des Verfahrens ein Investitionsvolumen von 19 Millionen Euro als realistisch erachtet. Einer der größten Kostenfaktoren ist die Tiefgarage, die mit 4 Millionen Euro zu Buche schlagen dürfte (rund 75 Stellplätze).

Etwa 12 Investoren hätten sich bereits gemeldet, erklärt Hannah Tiesler, Hotel-Projektleiterin der Stadt. Dabei gebe es durchaus auch Interessenten, die den Plan von Architekt Max Dudler umsetzen wollten. „Viele schätzen die gute Lage, das Hotel soll ein echter Hingucker werden“, betont Baubürgermeisterin Hotz.

Die Stadt hat für das neue Verfahren die Symbios-Beratungsgesellschaft mit einer Analyse des Hotelmarkts in Reutlingen und der Region beauftragt. Dessen Fazit: „Reutlingen hat einen hohen Bedarf an neuer und innovativer Hotel-Infrastruktur“, so Thomas May von Symbios. Er plädiert für ein Hotel der Kategorie drei bis vier Sterne und spricht sich gegen ein Budget-Projekt wie das derzeit in Tübingen bei der „Blauen Brücke“ entstehende aus.

Bis Ende Mai sollen mindestens drei Bewerber ausgewählt werden. Danach beginnt die Angebots- und Verhandlungsphase. Im November soll dann die Entscheidung fallen, wer das Hotel baut.

Ausgecheckt: So scheiterte die bisherige Hotelplanung

Begonnen hat alles im Herbst 2010: Projektentwickler Hubertus Wichmann aus Stuttgart erhält den Zuschlag für das Stadthallen-Hotel und setzt sich dabei gegen die lokalen Konkurrenten durch. Im November 2011 gewinnt der Stadthallen-Architekt Max Dudler den Wettbewerb fürs Hotel, im Juni 2013 präsentiert der Projekentwickler Wichmann die Kommunalprojekt PPP GmbH von Manfred Steinbach als Investor und die Consul Hotels International mit Geschäftsführer Manfred H. Toennes als potenziellen Betreiber. Danach entwickelt sich eine fast unendliche Geschichte des Scheiterns und doch wieder Einsteigens mit Steinbach, der insgesamt drei Mal absagt. Zuletzt im November 2014, weil angeblich die von Architekt Dudler vorgesehene Fassade für das Vier-Sterne-Hotel zu teuer wäre. Dudler widerspricht dieser Darstellung. Zuletzt war ein Konzept mit drei verschiedenen Betreibern für die Bereiche Hotel (Rilano München), Gastronomie (Wichtel-Hausbrauerei Ditzingen) und Wellness-Bereich (Easy Sports Reutlingen) präsentiert worden. Im November 2015 entscheidet sich der Gemeinderat für einen Workshop, der einen neuen Investorenwettbewerb vorbereiten soll.

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22.04.2016, 01:00 Uhr

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