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Belohnungen ausgesetzt: Die Stadt Reutlingen geht gegen Sprayer vor

Verwaltung will Druck auf die Szene machen

Über 120000 Euro hat die Stadt Reutlingen in den vergangen sieben Jahren für die Beseitigung von Graffitis ausgegeben. Jetzt will sie verschärft gegen die Sachbeschädigungen vorgehen und setzt sogar eine Belohnung für die Mithilfe zur Aufklärung aus.

17.06.2015
  • Uschi Kurz

Reutlingen. Weil öffentliches und privates Eigentum immer wieder mit Graffitis verunziert wird, will das Amt für öffentliche Ordnung nun gemeinsam mit dem Haus und Grund Verein, den Stadtwerken, der GWG und der Polizei gegen die Sachbeschädigungen vorgehen.

„Wir ziehen alle an einem Strang“, betont Finanzbürgermeister Alexander Kreher, als er gestern mit seinen Verbündeten die Aktion vorstellte. Schließlich gehe es darum, die Attraktivität und die Aufenthaltsqualität der Stadt zu verbessern. Sachbeschädigungen führten dazu, dass die Stadt einen schmuddeligen Eindruck mache. In jüngster Vergangenheit habe die Zahl der Graffitis zugenommen, diesen Trend wolle man stoppen und umkehren. Stadt und private Eigentümer müssten zusammenhalten, ergänzt Albert Keppler, der Leiter des Amts für Öffentliche Ordnung. Er sieht die Graffitis als „Wegbereiter für weitere Straftaten“ und verweist auf den sogenannten „broken-windows-effekt“, wonach ein zerbrochenes Fenster weitere Zerstörungen nach sich ziehe. Leider hätten manche Hausbesitzer resigniert und würden die Taten erst gar nicht anzeigen. Damit wolle man sich aber nicht abfinden: „Wir wollen zusammen aktiv werden – gegen eine Kultur des Wegschauens.“

„Sachbeschädigungen sind auch für uns ein Thema“, begrüßt GWG-Geschäftsführer Ralf Güthert die Initiative. Desgleichen Heiko Suter, Geschäftsführer der Fair-Energie, dem vor allem beschmierte Stromverteilerkästen und beschädigte Straßenlaternen Sorge bereiten. Allein im laufenden Jahr habe man bereits 20 000 Euro für die Beseitigung von Graffitis ausgegeben, sagt Gebäudemanager Jörg Viehl. Vor allem die Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden sei aufwändig. Jeder Euro, den man dafür brauche, fehle bei der Gebäudeerhaltung: „Uns schmerzt das sehr.“

Auch Uwe Alle, der Vorsitzende von Haus und Grund findet die gemeinsame Vorgehensweise gut: „Graffitis sind kein Kavaliersdelikt, sondern grobe Sachbeschädigung.“ Das Problem, sagt Michael Simmerdinger, der Leiter des Reutlinger Polizeireviers, sei die hohe Dunkelziffer und die Tatsache, dass selten jemand auf frischer Tat ertappt werde: „Wir sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen.“

Deshalb hat sich das Ordnungsamt einen Anreiz ausgedacht. „Wir wollen etwas Druck auf die Szene machen“, sagt Kepppler und fügt an, dass sich das Hinsehen lohnen soll. Man habe zusammen ein „richtiges Sümmchen“ zur Belohnung ausgesetzt. 500 Euro soll jeder bekommen, der zur Aufklärung einer Sachbeschädigung beiträgt.

Dann bittet der Ordnungsamtsleiter zum Vorort-Termin: Er führt die Gesprächsteilnehmer in die Gasse beim Alten Rathaus, wo sich ein Sprayer neben einem trostlosen Hauseingang verewigt hat: „Wer hat heute noch Moral?“, steht da geschrieben – ein paar Meter weiter ist ein Rollladen verkratzt und eine Scheibe eingeschlagen. „Da vorne ist unsere 1-A-Lage“, zeigt Keppler Richtung Katharinenstraße, „und hier fängt das blanke Chaos an.“

Verwaltung will Druck auf die Szene machen
Diese legale Fläche für Graffitikunst wurde 2004 am Westbahnhof angelegt. Mittlerweile ist dort das Sprayen aber auch wieder untersagt.Bild: Haas

Kein Mensch möchte, dass seine eigene Fassade besprüht wird. Das ist keine Frage. Auch nicht, dass es sich dabei um eine Sachbeschädigung handelt. Aber wie die Stadt Reutlingen jetzt gegen die Szene der Sprayer vorgeht, ist nur wenig nachvollziehbar. Zumal 120000 Euro Schaden in sieben Jahren für eine Großstadt eine relativ überschaubare Größe ist. Wie 2010 schon einmal, wird die Bevölkerung wieder zur Mithilfe aufgefordert und mit einer Belohnung geködert. Im Falle der Ergreifung eines Täters winken 500 Euro Fangprämie. Gleichzeitig gibt es keine attraktive Flächen, um legal Graffitis zu schaffen: Lediglich versteckt im Volkspark, wo es garantiert niemand sieht, stehen vier Stellwände, die besprüht werden dürfen, ohne dass den meist jugendlichen Sprayern eine Anzeige droht. Legale Flächen, ist Ordnungsamtsleiter Albert Keppler überzeugt, verhindern keine Sachbeschädigungen: „Dieses Ventil nimmt nicht genug Druck raus den Spraydosen“. Ob der Druck, den er nun erzeugt, die Sprayer von der Dose fernhält, darf freilich
bezweifelt werden.uk

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17.06.2015, 12:00 Uhr

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