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Laster raus aus der Altstadt

Verwaltung will autofreie Zone von Neckargasse bis Marktplatz

Sie fahren die Neckargasse rauf und runter, blockieren den Holzmarkt und sind in der Kirchgasse den Fußgängern im Weg: Die vielen Lieferwagen und Handwerkerfahrzeuge, die tagtäglich aus der Fußgängerzone einen Parkplatz machen. Die Verwaltung will nun Neckargasse, Holzmarkt, Kirchgasse und Marktplatz zur autofreien Zone erklären.

08.07.2015
  • sabine lohr

Tübingen. Die Lieferwagen und Handwerkerfahrzeuge in der Fußgängerzone sind nicht nur ein Ärgernis, sondern auch ein Thema, das offenbar ganz gerne in der Schublade vor sich hinschlummert. Vor drei Jahren beschäftigte sich der Gemeinderat zuletzt damit – dann verschwand es wieder von der Tagesordnung. Nun macht die Verwaltung einen neuen Vorstoß – und der ist radikaler als alle bisher da gewesenen.

Sie will Neckargasse, Holzmarkt, Kirchgasse und den Marktplatz als „grüne Zone“ ausweisen, in der grundsätzlich Lieferwagen ausgeschlossen sind. „Die Anlieferung kann rückwärtig oder ersatzweise per Pedes erfolgen“, heißt es in einer Verwaltungs-Vorlage, die eigentlich am Montag im Planungsausschuss hätte besprochen werden sollen. Doch dem Ausschuss rann die Zeit davon, das Thema wurde vertagt.

Außerdem prüfe die Verwaltung, so heißt es weiter, ob es eine Ausnahmegenehmigung für „Velo-Carrier“ geben kann. Das ist ein Lieferservice, der die Pakete in einem Fahrrad-Anhänger ausfährt – per E-Bike. Geprüft werde auch eine Tonnagen-Begrenzung für den Lieferverkehr.

Vorbild für diese grüne Zone ist Freiburg. Dort gibt es ein gelbes und ein schwarzes Wegenetz. Im gelben haben Autos nichts verloren. Das schwarze ist für die Anfahrt und Anlieferung ausgewiesen. Das funktioniert, weil die meisten Häuser und Geschäfte von diesen schwarzen Wegen aus anfahrbar sind. In Tübingen ist das anders: Die meisten betroffenen Geschäfte in der grünen Zone haben keinen erschlossenen Hintereingang.

Verwaltung will autofreie Zone von Neckargasse bis Marktplatz
Ein alltägliches Bild: Lieferdienste und Handwerker mitten in der Fußgängerzone (hier auf dem Holzmarkt). Damit soll bald Schluss sein. Bild: Metz

Auch die Handwerker werden, geht es nach der Verwaltung, Einschränkungen in Kauf nehmen müssen. Sie sollen zwischen 10 und 16 Uhr nur noch mit höchstens 3,5-Tonnern in die grüne Zone fahren dürfen – und das auch nur dann, wenn diese Fahrzeuge mit Werkzeug oder Maschinen ausgestattet sind oder sie transportieren müssen. Dann heißt es abladen und rausfahren. Parken dürfen diese Fahrzeuge in der grünen Zone nicht mehr. Lediglich Notdienst-Fahrzeuge dürfen höchstens vier Stunden abgestellt werden.

Geplant sind von der Verwaltung auch Poller, um „das Maßnahmebündel augenfällig zu unterstreichen und sichtbar zum Ausdruck zu bringen“. Mögliche Standorte sind das obere Ende der Neckargasse, der Pfleghofstraßen-Zugang vom Holzmarkt her und die Ecke Kornhausstraße/Marktgasse auf Höhe des Stadtmuseum-Eingangs. Zunächst sollen dort Provisorien aufgestellt werden, „um Wirkung und Machbarkeit zu testen“.

Bei der letzten Verkehrszählung in der Fußgängerzone vor vier Jahren fiel auf, dass von den 508 Fahrzeugen, die an zwei Novembertagen zwischen 8 und 16 Uhr unterwegs waren (siehe Kasten) 17 Prozent keine Genehmigung hatten. Kontrollen hätten bisher nur „mäßigen Erfolg“, heißt es in der Vorlage – und: „Die Verwaltung wird hier ihre Anstrengungen erhöhen müssen“.

Nun soll zunächst vom Planungsausschuss ein Stimmungsbild abgerufen werden. Vor allem soll geklärt werden, welche Ideen weiter verfolgt werden sollen. Außerdem will die Verwaltung mit den Betroffenen reden, denn „die Maßnahmen bedürfen eines breiten Konsenses.“ Und schließlich soll der Gemeinderat abwägen und beschließen.

Zuletzt wurde der Verkehr in der Altstadt am Montag und Dienstag, 7. und 8. November 2011 gezählt, und zwar in der Neckargasse, der Kronenstraße, der Neuen Straße, der Haaggasse und der Kornhausstraße. Zwischen 8 und 16 Uhr fuhren dort 50 Anwohner, 37 Beschäftigte, 139 Lieferanten, 104 Handwerker, 7 Marktbeschicker, 6 Soziale Dienste, 78 Rettungsfahrzeuge bzw. Polizei und 87 Autos ohne Ausnahmegenehmigung. Außerdem waren 424 Fahrradfahrer unterwegs. Dementsprechend hat die Verwaltung ihre Handlungsschwerpunkte auf den Lieferverkehr gesetzt, der 27 Prozent der Fahrten ausmacht, auf die Handwerker (20 Prozent), unberechtigte Nutzer (17 Prozent) und auf die Ausnahmegenehmigungen (10 Prozent), die nun „auf den Prüfstand gestellt“ werden sollen.

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08.07.2015, 12:00 Uhr

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