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Pfrondorfer Unternehmer ließ Unkrautmittel unerlaubt am Haldenbach spritzen

Verwarnung für Brennenstuhl

Es ist noch gar nicht lange her, da holte Stephanie Seitzer das Wasser für ihre Schafe aus dem Haldenbach. Doch jetzt hat sie Sorge um ihre trächtigen Tiere. Auf dem Nachbargrundstück hat der Eigentümer Hugo Brennenstuhl das Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat ausbringen lassen. Das Landratsamt reagierte jetzt mit einer Verwarnung.

10.07.2015
  • Christiane Hoyer

Pfrondorf. Denn das Pestizid wurde nicht nur entlang der Grundstücksgrenze am Zaun des Nachbarn ausgebracht. Die Mitarbeiter der zuständigen Abteilung haben es nach Auskunft des Ersten Landesbeamten Hans-Erich Messner auch an einem „Streifen“ des Haldenbachufers nachgewiesen – eine kleine Ecke, in der auch gerne Kinder spielen, sagt Seitzer. Am Gewässerrand und im Wasser, so Messner, ist das Ausbringen des Pestizids „nicht zulässig“. Wer es auf seinem Privatgrundstück aussprüht, muss „nachweisen, dass er es sachkundig anwendet“, so Messner. Als sachkundig gelten Gärtner oder auch Landwirte.

Verwarnung für Brennenstuhl
Braunes, verbrannt aussehendes Gras ist die Folge vom Pestizid-Einsatz am Pfrondorfer Haldenbach, südlich der Kreisstraße K 6911 und entlang der Grundstücksgrenze von Hugo Brennenstuhl - der Nachbar baut in seinem Garten Gemüse an, am Zaun reifen Brombeeren.

Das Unkrautvernichtungsmittel Roundup ist zwar im Handel nach wie vor in jedem Baumarkt sowie beim Agrarvertrieb „BayWa AG“ im Schleifmühleweg zu bekommen. Neuerdings warnt aber die Weltgesundheitsorganisation WHO vor dem Einsatz des Pestizids – es gilt als „vermutlich krebserregend“. Nach jüngsten Stichproben in Deutschland fand man erhöhte Glyphosat-Werte unter anderem in der Muttermilch, aber auch im Trinkwasser und im Tierfutter. „Auf befestigten Flächen“, sagt ein BayWa-Mitarbeiter, dürfte Roundup nicht versprüht werden. Nicht erlaubt sei außerdem, das Mittel über die Pflanzen zu gießen. Denn alles, was an der Pflanze runterläuft, versickert im Boden – und kann auch ins Grundwasser gelangen.

Protest gegen die radikale Methode des Elektronik-Unternehmers Brennenstuhl, Unkraut auf seinen zahlreichen Grundstücken loszuwerden, gab es bereits in der Vergangenheit. Ein von der Firma beauftragter Gärtner „hat mir gesagt, das Roundup sei völlig unschädlich“, erinnert sich Seitzer. Sie habe auch beobachtet, wie ein Gärtner das Pestizid im Frühjahr auf dem Wiesenstück neben ihren Schafen spritzte, das sich bis zum Haldenbach hinunter ausdehnt.

Landratsamt fordert Sachkundenachweis

Der pensionierte Biologielehrer und Ortschaftsrat Kurt Reitter von der Alternativen und Grünen Liste Pfrondorf hat daraufhin das Tübinger Landratsamt eingeschaltet. Zwei Mitarbeiter, berichtet er, schauten sich den braunen Streifen entlang des Zauns an und machten Aufnahmen. Gegen Roundup, so Reitter, ist kein Unkraut gewachsen. Und nicht nur das: „Es schädigt Insekten und Vögel – und Molche im Haldenbach“. Roundup, sagt auch Hans-Erich Messner, „ist umweltrechtlich bedenklich“. Doch wer den Sachkundenachweis erbringe, dürfe das Mittel auf seinen Grundstücken anwenden.

Verwarnung für Brennenstuhl

Bei der Firma Brennenstuhl ging der Brief der Behörde mit der Bitte um Stellungnahme bereits in der letzten Mai-Woche ein. Mit der Antwort gab man sich im Landratsamt aber nicht zufrieden. Zunächst hieß es, man habe noch nicht herausgefunden, welcher Mitarbeiter für das Versprühen des Pestizids am Haldenbach verantwortlich gewesen sei. Nachdem das Landratsamt noch einmal nachgehakt hatte, bekam es nun zur Antwort: Der zuständige Mitarbeiter sei derzeit im Urlaub, man könne daher den Sachkundenachweis nicht erbringen. Sollte die Firma Brennenstuhl diesen Nachweis schuldig bleiben, „werden wir ein Bußgeld verhängen“, kündigte Messner an.

Ein klarer Verstoß gegen die Umweltschutzbestimmungen sei aber die Behandlung des Gewässerstreifens mit Roundup, so Messner. Daher werde seine Behörde formal eine Verwarnung aussprechen – im Wiederholungsfall sei ein Bußgeld fällig. Mit Brennenstuhls „distanzierter Art“ lasse sich „die Sache aber sicher nicht aus der Welt schaffen“.

Für Firmeninhaber Hugo Brennenstuhl allerdings ist das Thema jetzt vom Tisch. Auf Nachfrage sagte der Senior – er lässt auch auf seinem Privatgrundstück zwischen Zaun und Tannen das Mittel aufbringen – die Sache mit dem Landratsamt sei für ihn „abgeschlossen“. Er bestätigte, dass der Mitarbeiter, der dafür verantwortlich sei, gerade Urlaub mache. Brennenstuhl stellte auch klar: „Ich habe das Verwenden von Glyphosat ab sofort verboten.“

Auch im benachbarten Mössingen gab es Protest, als die Stadtgärtnerei das Unkrautmittel kürzlich am Kreisel an der Landstraße von Ofterdingen nach Mössingen versprühte. Inzwischen gibt es eine Unterschriftenliste gegen den Pestizid-Einsatz, die von den Grünen initiiert wurde.

Roundup, Glyfos oder Permaclean ist seit 1994 auf dem deutschen Markt als Unkrautvernichtungsmittel in Landwirtschaft und Garten zugelassen. Der US-Konzern Monsanto sowie Bayer produzieren rund 700 000 Tonnen im Jahr. Der Wirkstoff Glyphosat galt lange als biologisch abbaubar und ökologisch unbedenklich.
Jüngsten Studien zufolge steht der Wirkstoff aber im Verdacht, krebserregend zu sein.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt jetzt vor dem Einsatz des Mittels. Im August muss die Europäische Union entscheiden, ob sie dessen Zulassung verlängert.
Handel: In kleinen Mengen ist Roundup in Baumärkten zu bekommen – wie andere Insektizide oder Herbizide. In größeren Mengen erhalten Gärtner oder Landwirte das Mittel mit Sachkundenachweis im Fach-Großhandel.
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10.07.2015, 12:00 Uhr

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