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Victoria (2015)

Victoria (2015)

Der intensive Thriller über einen improvisierten Bankraub in Berlin wurde an einem Tag in einer Einstellung gedreht.

Victoria

Deutschland 2015

Regie: Sebastian Schipper
Mit: Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski

139 Min. - ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

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Film bewerten

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23.11.2015
  • Klaus-Peter Eichele

Da ist es nun also, das waghalsigste und wagemutigste Projekt der jüngeren Filmgeschichte. Ein Film mit nur einer Einstellung, 135 Minuten lang. Vorbilder gibt es keine. Zwar kam auch der Film „Russian Ark“ ohne Schnitt aus, doch spielte der in einem einzigen Gebäude. „Victoria“ trägt sich dagegen an einem Dutzend Berliner Schauplätze zu: Straßen und Hinterhöfen, einer Tiefgarage, einem Hochhausdach, einem Café. Und immer ist die Kamera den Akteuren hautnah auf den Fersen. Ein derart extravagantes Experiment könnte für die Zuschauer leicht zur Strapaze werden, doch das Gegenteil ist der Fall: „Victoria“ ist so intensiv und mitreißend geraten, dass man den Produktionsumstand kaum wahrnimmt.

Dabei passiert zunächst nicht viel. Victoria (Laia Costa), eine junge Spanierin, die erst seit ein paar Wochen in Berlin lebt, trifft in den frühen Morgenstunden vor einem Kellerclub vier einheimische Herumtreiber. Berauscht vom Alkohol, zieht der Pulk überschwänglich um die Häuser, wobei sich allmählich eine Romanze zwischen Victoria und dem Vorlautesten der Jungs (Frederik Lau) anbahnt. Dann nimmt der Film eine Wendung zum Thriller. Boxer (gespielt vom Ex-Tübinger Franz Rogowski), der schon im Knast gesessen hat, hat aus dieser Zeit Schulden bei einem Gangsterboss, die dieser just in dieser Nacht eintreibt. Die Folge: Die Clique muss auf die Schnelle eine Bank überfallen, und weil Not am Mann ist, wird kurzentschlossen die brave Spanierin hinters Steuer des Fluchtwagens gesetzt.

Das Drehbuch von Regisseur Sebastian Schipper („Absolute Giganten“) gab nur ein grobes Handlungsgerüst vor. Den Rest, inklusive aller Dialoge, mussten die Schauspieler frei improvisieren. Dies und der Zwang, die Geschichte in einem Rutsch herunterzuspielen, gibt dem Film eine ganz eigentümliche Note. Er hat etwas Rohes und Unwägbares, wie es dem echten Leben, ganz selten aber dem zum Glattbügeln neigenden Kino eignet. So wird aus der Fessel, die sich Schipper mit seinem Kein-Schnitt-Credo angelegt hat, ein Mittel der Befreiung von vorgestanzten Erzählformen und Bildfolgen – auch dann noch, wenn die Handlung im hinteren Teil mehr dem Genre als der Realität verpflichtet ist.

Irrer Trip ohne Schnitt durch die Berliner Nacht. Ein Befreiungsschlag fürs Kino.

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23.11.2015, 15:24 Uhr

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