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Videotagebuch einer Reise um die Welt
Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier in Moskau. Agenturfoto
Mit Baby ging es langsamer voran

Videotagebuch einer Reise um die Welt

Zwei junge Freiburger filmten ihre Weltreise ohne Flugzeug, mit wenig Geld, aber mit viel Neugierde.

11.04.2017
  • Andreas Straub

Die Warteschlange reichte am Samstagnachmittag bis vor die Tür des Waldhorn-Kinos. Kino-Inhaber Elmar Bux musste 50 Leute nach Hause schicken – der Saal war mit 140 Besuchern rappelvoll. Der filmische Bericht einer Weltreise („Weit“) hatte so viele Neugierige angelockt, obwohl die Filmemacher Patrick Allgaier, 33, und Gwendolin Weisser, 24, aus Freiburg keine Prominenten sind. Es lag wohl an ihrer kuriosen, fast dreieinhalbjährigen Reise, die sie nahezu ohne Geld machten. Unterwegs bekam das Paar sogar noch ein Kind.

„So etwas könnte ich in meiner persönlichen und beruflichen Situation nie machen“, erklärte ein Zuschauer seine Faszination. Im Frühling 2013 packten die beiden Freiburger ihre Rucksäcke für den Weg um die Welt: Immer Richtung Osten, bis sie aus dem Westen wieder nach Hause kommen würden. Er, der freiberufliche Kameramann, sie, die damals gerade ihr Abitur gemeistert hatte.

„Wir sind davor schon beide viel gereist und wollten einfach los ohne zeitliches Limit“, sagte Allgaier. „Ohne genaue Route, ohne besondere Ziele.“ Fest stand nur: keine Flugzeuge. „Wir wollten bewusst das Gefühl für die Distanz bewahren und in Kontakt mit Land und Leuten kommen“, sagte Weisser.

Eigentlich sei die Reise für eineinhalb Jahre geplant gewesen. „Das war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus, aus Neugier“, berichtete Weisser. Mit fünf Euro pro Tag und pro Person wollten sie auskommen. Oft hätten sie für Kost und Logis gearbeitet und konnten noch billiger reisen. Allgaier: „Wir haben Menschen überall auf der Welt als offen und gastfreundlich erlebt.“

Das konnten die Kino-Zuschauer in dem zweistündigen Film sehen, besonders während amüsanter Autofahrten mit einem singenden Bulgaren und mit einem Lastwagen-Fahrer, der schon 3,6 Millionen Kilometer Straße, aber noch nie einen Zahnarzt gesehen hat.

Die beiden Freiburger lernten Menschen und Geschichten kennen, vor allem aber waren sie unterwegs. Sie trampten und kampierten, spürten Natur und Weite. Als sie in der kasachischen Steppe einmal 400 Kilometer in die falsche Richtung gefahren waren (das Navigationsgerät hatte nicht mehr funktioniert), drehte der Fahrer einfach um. Nach dreißig Stunden nonstop am Steuer, sichtlich übermüdet, ließ er sich schließlich zu einem Nickerchen überreden.

Spontaneität gehörte dazu. So wollten Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser zum Beispiel gar nicht nach Tadschikistan, ließen sich aber von einem ihrer Fahrer überreden. Nach vier Anläufen erhielten sie ein Visum. In Tadschikistan warteten sie an Straßen, an denen nur alle zwei Tage ein Auto vorbeikam. Im sibirischen Irkutsk dann die Überraschung: Weisser war schwanger. Das Paar verwarf alte Pläne und schmiedete neue. Mit dem Containerschiff ging’s nach Amerika. Im Frühling 2015 kam der kleine Bruno in Mexiko auf die Welt.

„Unsere Fortbewegung hat sich verlangsamt“, erklärte Allgaier. So schafften sie sich einen VW-Bus an, um etwas unabhängiger und sicherer zu sein. Als der kaputt ging, dachten die beiden reisenden Jung-Eltern, ihr Abenteuer abzubrechen. „Das war der einzige Moment, wo die Sache fast gekippt wäre“, erzählte Allgaier. Einem Mechaniker sei Dank ging es weiter. Es dauerte mehr als ein Jahr, bis die kleine Familie mit dem Schiff wieder nach Europa übersetzte und von Barcelona aus nach Hause marschierte – dreieinhalb Monate zu Fuß.

Und jetzt? Nach Reise-Vorträgen und Filmvorführungen träumen die beiden von einem Bauernhof. Ihrem Sohn Bruno wollen sie auf jeden Fall später Mexiko zeigen. Die Reisenden sind mit viel Energie unterwegs gewesen. Ihr Film zeigt Nähe und Offenheit. Sie haben, wie sie selbst sagten, erfahren: Man kann der Welt vertrauen. „Es ist nun gut, zu Hause wieder Freunde und Familie zu sehen“, sagte Allgaier. „Das Reisefieber bleibt.“

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11.04.2017, 01:00 Uhr

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