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Kommentar

Viel Bewegung an der Blauen Brücke

Am vielbefahrenen Südzugang zur Tübinger Innenstadt wird sich im Laufe des Jahres viel verändern – rechts und links der Straße. Abriss, Auszug, Aufzug – so könnte man die anstehenden Themen fassen. Am 25. Juli ziehen an der Bauruine des Musikpädagogen Wei Tsin-Fu, der dort einst eine Konzerthalle für 1400 Besucher errichten wollte, und am benachbarten Foyer endlich die Abrissbagger auf.

13.07.2012
  • Matthias Stelzer

Einige Wochen später, im August, wird Oberbürgermeister Boris Palmer auf der gegenüber liegenden Straßenseite in den Aufzug steigen: Das Bürogebäude mit dem kleinen blauen Turm auf dem Dach wird voraussichtlich bis zum Jahr 2016 Ausweichquartier der Stadtverwaltung sein, die ihr historisches Altstadt-Rathaus aufwändig sanieren lässt.

Und während die einen einziehen, bereiten sich andere auf den Auszug vor oder sind schon dabei: Jürgen Eberhardt räumt gerade seinen „Mancuso“-Club im Foyer – abrissbedingt. Ulf Siebert, Ex-Stadtrat und Betreiber der Musiklounge „Blauer Turm“, wird zum Jahresende dichtmachen. Der Grund: Die Stuttgarter Immobilienbesitzer wollen die Miete in ihrem – jetzt teils von der Stadt belegten – Bürohaus für den Gastrobereich kräftig erhöhen. Ulf Siebert hat einen dadurch losgetretenen Bieterwettstreit verloren und sucht nach Alternativen.

Für die Anwohner rund um den „Blauen Turm“, die in der Vergangenheit immer wieder über den Wochenendtrubel klagten, ist der Abzug der Musik-Clubs nur eingeschränkt eine gute Nachricht. Denn auch die Nachmieter aus Stuttgart wollen auf Musik setzen. Eine Diskokonzession, so heißt es im Rathaus, werden sie allerdings nicht bekommen. „Das werden wir nicht genehmigen“, sagte Oberbürgermeister Boris Palmer gestern auf TAGBLATT-Anfrage.

Eine Ansage, die den Anwohnern sicher entgegenkommt, sich für die Universitätsstadt Tübingen mit ihren steigenden Studentenzahlen aber schnell als Rückschlag entpuppen könnte. Wohin soll die ausgehfreudige Jugend künftig? Zumal Tübingen – was Gastrokonzepte für die Jugend angeht – schon bisher unterdurchschnittlich gut besetzt ist. Verifizieren lässt sich diese Tatsache schon alleine mit einem Wochenend-Streifzug durch Reutlingen. Dort trifft man die Kommilitonen oder Schulfreunde – verlässlich und in Massen.

Jetzt soll das natürlich nicht heißen, dass es sinnvoll wäre, an der Blauen Brücke eine Disko zu bauen. Nein, sollte die Wei-Ruine – wie gewünscht – einem Hotel weichen, ist das für die Stadt sicher nicht von Nachteil. Nur muss man sich in Tübingen in der aktuellen Situation auch klarmachen, dass sich die Flächen, auf denen die Studentenstadt noch jung, laut und fröhlich sein kann, zusehends verknappen.

So spekulieren Jürgen Eberhardt und Ulf Siebert gerade beide auf das ehemalige Schlachthof-Areal an der Brunnenstraße – wohlwissend, dass von der Blauen für beide Club-Chefs keine goldene Brücke ins Univiertel führt. Nur einer kommt zum Zug. Weshalb die Gastronomen unisono um weitere Angebote bitten. Jürgen Eberhardt sagt: „Wer uns einen guten Ort in Tübingen bieten kann, ist herzlich willkommen.“ Gemeint ist ein Platz, der von der Altstadt aus gut zu Fuß erreichbar ist. So wie die Blaue Brücke.

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13.07.2012, 12:00 Uhr

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