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Viel Lob für die Türkei
Die Bundeskanzlerin im Gespräch mit Flüchtlingskindern in der Türkei. Foto: afp
Kanzlerin besucht Flüchtlingslager nahe der syrischen Grenze

Viel Lob für die Türkei

Der Türkei-Besuch der Kanzlerin dauerte nur einige Stunden. Dort besuchte sie Flüchtlingseinrichtungen. Der türkische Premier nutzte die Gelegenheit, um Druck auf die EU in der Visa-Frage zu machen.

25.04.2016
  • GERD HÖHLER

Gaziantep. Das Gedränge ist groß beim Besuch der Bundeskanzlerin in der türkischen Provinz Gaziantep, nahe der Grenze zu Syrien. Schaulustige wollen die Besucherin sehen, Flüchtlinge hoffen auf einen Händedruck oder ein Selfie. Unzählige Leibwächter sorgen für die Sicherheit der Delegationen. Da muss Angela Merkel schon aufpassen, dass sie niemandem auf die Füße tritt - vor allem politisch.

Und so hörte man von der Kanzlerin, die am Samstag mit EU-Ratspräsident Donald Tusk und Vize-Kommissionspräsident Frans Timmermans Flüchtlingsunterkünfte in der Grenzprovinz besuchte, vor allem überschwängliches Lob für den Gastgeber, den türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu. Mit der Aufnahme von drei Millionen Menschen habe die Türkei "den allergrößten Beitrag" bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme übernommen, so Merkel. Tusk stimmte ein: Die Türkei sei "das beste Beispiel für die ganze Welt, wie wir mit Flüchtlingen umgehen sollten". Keiner habe das Recht, "belehrend auf die Türkei einzuwirken". Da applaudierte Davutoglu kräftig.

"Willkommen in der Türkei, dem Land das die meisten Flüchtlinge aufnimmt", steht auf einem Banner über dem Eingang des Flüchtlingslagers. In Davutoglus Inszenierung wirken die Besucher wie Statisten. Das Lager Nizip gilt als Vorzeigeeinrichtung. Auch das mit EU-Geldern finanzierte Unicef-Kinderschutzzentrum, das Davutoglu mit seinen Gästen einweihte, hat Vorbildfunktion. Von drei Millionen Flüchtlingen in der Türkei leben aber nur 280 000 in organisierten Lagern. Die große Mehrheit muss sich selbst durchschlagen. Hunderttausende arbeiten illegal zu Hungerlöhnen, viele müssen betteln.

Die Türkei lässt sich den Deal zur Rücknahme von Flüchtlingen aus Griechenland nicht nur mit sechs Milliarden Euro bezahlen, sie nahm der EU auch das Versprechen ab, die Visumspflicht für türkische Staatsbürger aufzuheben. Davutoglu warnte erneut, wenn es dabei Verzögerungen gebe, werde Ankara die Rücknahme stoppen. Eine Debatte über Pressefreiheit ließ er nicht zu. Merkel hatte das Thema nach eigenen Worten im Gespräch mit dem Premier angeschnitten. "Wir können nicht akzeptieren, dass wir von oben und außen beurteilt werden", sagte Davutoglu.

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25.04.2016, 06:00 Uhr

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