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Hohe Haftstrafen im Tübinger Verfahren gegen ein Heroin-Dealer-Trio aus dem Steinlachtal

Viel Unverständnis vor Gericht

Zu Haftstrafen in Höhe von acht Jahren und neun Monaten, sechs Jahren und neun Monaten und zu 18 Monaten verurteilte das Landgericht drei Männer aus Mössingen und Bodelshausen. Sie haben nach Ansicht des Gerichts den Kreis mit Heroin versorgt.

30.07.2015
  • Mario Beisswenger

Tübingen/Steinlachtal. „Wir sind fast verzweifelt an ihrem Aussageverhalten.“ Das war das erste was Richter Ulrich Polachowski bei der Begründung des Urteils des Tübinger Landgerichtes vorbrachte. Am Mittwoch endete das zweimonatige Verfahren gegen ein Trio aus dem Steinlachtal.

Zwei von der drei Angeklagten wurden vergangenen November, nach längerer Überwachung, mit einem Kilo Heroin und zwei Kilo Marihuana gefasst. Einer war laut Telefonüberwachung an einem Deal mit 100 Gramm des Opiats beteiligt.

Das zentrale Problem des Verfahrens wurde schon am Montag deutlich bei den Plädoyers. Rechtsanwalt Christoph Geprägs etwa räumte ein, dass ihm die Verteidigung seines Mandanten, einem 40-Jährigen aus Bodelshausen, nicht leicht gefallen sei. „Ich hatte nie das volle Vertrauen meines Mandanten.“

Allein was die drei Angeklagten als Schlusswort vorbrachten, machte deutlich, wie schwer die Kommunikation war. Da half auch nicht die Mithilfe einer Übersetzerin. Laut Polachowski sei es allen Verfahrens-Beteiligten schwer gefallen, sich Klarheit über die ständig revidierten Aussagen zu verschaffen. Ein Verständnis für die Situation der Angeklagten sei nicht möglich gewesen. „Wir hatten nie ein halbwegs sicheres Gefühl für ihre Lebenssituation.“

Der Hauptangeklagte, der den Heroin-Handel mit Holland nach Ansicht des Gerichts organisiert haben soll, legte zwar ein Geständnis ab, doch erklärte er nichts zu den Tatbeiträgen der anderen. Der 43-Jährige soll nun für acht Jahre und neun Monate hinter Gitter. Eine Drogentherapie hielt das Gericht für nicht angezeigt, da der Mössinger ja schon lange abstinente Phasen vorzuweisen habe.

Sechs Jahre und neun Monate, und damit ein halbes Jahr weniger als vom Staatsanwalt gefordert, bekam ein 40-Jähriger aus Bodelshausen. Wenig glaubhaft seien dessen Ausführungen gewesen, die Drogen seien ihm nur untergeschoben worden, er sei überhaupt nur der Fahrer gewesen. Schon gar nicht glaubte ihm das Gericht, dass er die Drogengeschichte nur aufzog, um seine Tochter zu unterstützen.

Da sei wohl eher eine Frau im Spiel gewesen, die er beeindrucken wollte. „Sie haben mit dem gefundenen Marihuana ihr eigenes Ding aufziehen wollen“, sagte Polachowski.

Die Arbeit mit mehreren Handys und SIM-Karten, der Einsatz eines GPS-Störsenders, das alles spreche für hohe Professionalität und für eine Beihilfe zu den angeklagten Delikten der Drogeneinfuhr und des Handels, die ganz dicht an einer Täterschaft liege.

Auch ihm versagte das Gericht die Unterbringung in einer Therapie-Einrichtung, weil die gefundenen Medikamente zur Selbstmedikation zeigten, dass er offensichtlich die Sucht im Griff habe.

Ungehalten wurde der Richter dann besonders bei dem dritten Angeklagten, einem 35-Jährigen aus Mössingen. „Sie sind unglaublich. Es ist Ihnen völlig egal, was Ihnen ein Richter sagt.“ Beim abgehörten Telefonat sei es nicht – wie behauptet – um die richtigen Temperaturen für einen gemeinsamen Saunabesuch gegangen, sondern um den Streit, ob die Heroin-Lieferung jetzt 100 Gramm oder 90 umfasste. Das Strafmaß von 18 Monaten könnte zwar zur Bewährung ausgesetzt werden, doch das wollte das Gericht nicht, weil der Heroin-Deal direkt im Anschluss an eine Gefängnisstrafe eingefädelt worden sein soll.

Die Verurteilten müssen die Kosten des Verfahrens tragen und haben etliche Handys und zwei Autos abgeben müssen.

Info: Richter: Ulrich Polachowski; Beisitzer: Daniel Valerius; Schöffen: Insa Beier, Petra Neuweiler; Anklage: Bernhard Henn; Verteidiger: Birgit Scheja, Thomas Weiskirchner, Christoph Geprägs

Beim Verfahren vor dem Tübinger Landgericht ging es um Heroin in größeren Mengen. Bei der letzten Lieferung beschlagnahmte die Polizei ein ganzes Kilo. Das reicht für rund 20 000 Konsum-Einheiten.
Eine abhängige Person braucht mehrmals am Tag eine Dosis, die intravenös mindestens fünf Milligramm beträgt. Die Endverkaufspreise für Heroin liegen nach Angaben der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht um die 50 Euro pro Gramm. Der Hauptangeklagte bekam sein Urteil für die Einfuhr von mehr als sechs Kilo. Der Staatsanwalt kalkulierte den Wert der angeklagten Lieferungen mit rund 100 000 Euro.

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30.07.2015, 12:00 Uhr

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