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Literatur

Viel mehr als Hobbits

Spätestens seit der Jahrtausendwende kennt ihn jeder: J.?R.?R. Tolkien, der Autor des Welterfolgs „Der Herr der Ringe“, hat das Fantasy-Genre entscheidend geprägt. Vor 125 Jahren wurde der Erfolgs-Schriftsteller geboren.

02.01.2017

Von KNA

Bonn. „Heil dir Earendel, strahlendster Engel, über Mittelerde den Menschen gesandt“: Auf diese Gedichtzeile aus dem frühen 9. Jahrhundert stößt rund 1100 Jahre später ein junger Oxford-Stipendiat. Er verfasst ein eigenes Gedicht über Earendel, den Abendstern – und mehrere Werke epischen Ausmaßes, die in der fiktiven Welt Mittelerde spielen, wo Hobbits und Zauberer gegen das Böse kämpfen. Morgen, am 3. Januar, jährt sich der Geburtstag des britischen Schriftstellers J.R.R. Tolkien zum 125. Mal.

John Ronald Reuel kommt als Sohn britischer Kolonisten in Südafrika zur Welt. Als er vier Jahre alt ist, stirbt sein Vater. Die Mutter kehrt mit beiden Söhnen nach England zurück und wird gegen den Widerstand der protestantischen Verwandten katholisch. Als auch sie stirbt, fühlt sich der Zwölfjährige in seinem Glauben bestärkt: Die Welt stehe unter dem Einfluss des Bösen. Doch langfristig werde das Gute siegen. Die beiden Jungen kommen in die Obhut eines Priesters, der mit ihrer Mutter befreundet war.

1915 zieht Tolkien in den Ersten Weltkrieg. Dort nimmt er an der Schlacht an der Somme teil und erkrankt am sogenannten Grabenfieber. In einer langen Genesungszeit schreibt er an Texten, aus denen später das „Simarillion“ entsteht, wo er in Form von Sagen und Erzählungen die fiktive Welt des „Hobbit“ und „Herr der Ringe“ vorwegnimmt. 1917 kehrt Tolkien nach Oxford zurück. Der Philologe beherrscht inzwischen zahlreiche Sprachen, darunter Althochdeutsch und Isländisch, und lernt Clive Staples Lewis ( „Die Chroniken von Narnia“) kennen, der bald sein engster Freund wird.

Noch vor dem Krieg hatte der Romantiker seine Jugendliebe Edith geheiratet. Ab Anfang der 1930er Jahre schreibt er am Kinderbuch „Der kleine Hobbit“. Erst nach Jahren bietet Tolkien das Werk einem Verlag an. 1937 wird es zum sensationellen Erfolg. In den Folgejahren entsteht „Der Herr der Ringe“, das 1954/55 erscheint und alle Erwartungen nochmals übertrifft.

„Tolkien hat einmal gesagt, er könne sich an keine Zeit erinnern, in der er nicht am ,Herrn der Ringe? gearbeitet hätte“, schreibt die Literaturwissenschaftlerin Cordelia Spaemann. „Es ging ihm um nichts Geringeres als darum, die Welt noch einmal zu schaffen, mit einem eigenen Schöpfungsmythos.“ Ein hochgestecktes Ziel.

Viele Details in Tolkiens Werken zeigen christliche Anleihen: Treue und Zweifel unter den Gefährten Frodos erinnern an Jesu Jünger; Freunde und Liebende opfern sich für ihre Nächsten; Weise unterstützen Schwächere, urteilen nicht zu rasch und zeigen Haltung. Interpretationsversuche bezüglich des Zweiten Weltkriegs wies er stets zurück: „Es scheint oft vergessen zu werden, dass es nicht weniger abscheulich war, 1914 jung zu sein, als 1939 und in den folgenden Jahren zu leben. 1918 waren bis auf einen alle meine engen Freunde tot.“

Seine letzten Lebensjahre arbeitete der Autor am „Simarillion“, das posthum erschien. Er starb 1973 im Seebad Bournemouth, zwei Jahre nach seiner Frau. Kurz vor seinem Tod sagte Tolkien im Interview: „Ich bin ein überzeugter römisch-katholischer Christ.“ Das passte für ihn gut zu seiner Begeisterung für Mythologie: Auf dem gemeinsamen Grabstein des Paars stehen die Namen Beren und Luthien – als Zeichen für eine Liebe, die den Tod überdauert. kna

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Erstellt:
2. Januar 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Januar 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Januar 2017, 06:00 Uhr

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