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Polizei informierte Lastwagenfahrer über neue Sicherheitsvorschriften

Viele Fehler aus Unwissenheit

Falsch gesicherte Ladung, abgefahrene Bremsscheiben, überschrittene Lenkzeiten: all das kann LKW-Fahrer und Unternehmer viel Geld kosten. Auf dem Gelände der Logistikfirma Dachser informierte die Polizei am Donnerstag mehr als 50 Lastwagenfahrer über die neuesten Vorschriften.

26.09.2014
  • Martin Zimmermann

Ergenzingen. „Ich schätze, dass über die Hälfte der Verstöße aus Unwissenheit begangen werden“, sagt Polizist Hubert Walz, während er einem Lastwagenfahrer die richtige Sicherung der Ladung erklärt. Aus dem Gewicht der Ladung und der Gleitreibung kann man errechnen, wie viele Spanngurte benötigt werden. Unter Umständen, sagt Walz, könne auch eine Antirutschmatte unter der Ladung Spanngurte ersetzen.

Wenn aber mit Spanngurten gearbeitet werde, sei es wichtig, sie richtig anzulegen. Die Vorschriften für die Sicherung der Ladung seien nicht von der Polizei, sondern vom Verband deutscher Ingenieure (VDI) erarbeitet worden. Für die Polizei gehe es nur um die Verkehrssicherheit und nicht darum, jemanden zu bestrafen. „Wenn wir jemanden bestrafen müssen, ist es eigentlich schon zu spät, weil dann bereits eine Gefährdung vorlag“, sagt Walz. Dies gelte nicht nur für Lastwagenfahrer, sondern auch für Privatleute, die sich beim Baumarkt neue Fließen holen und diese für die Heimfahrt nicht entsprechend sichern. Und es gilt beispielsweise auch für Autos die abgeschleppt werden müssen. „Wenn man ein Auto abschleppt, darf man es nicht an der Feder aufhängen“, erklärt Walz. „Besser ist es an den Felgen oder der Anhängerkupplung“.

Hohe Geldstrafen bei Verstößen

Auf einem Tisch präsentieren die Polizisten an diesem Tag ein Horrorkabinett an beschlagnahmtem Material, wie etwa kaputte Spanngurte und abgefahrene Bremsscheiben. „Jeder Fahrer sollte seinen LKW vor der Abfahrt kontrollieren“, sagt Polizist Walter Dunz. Bei Dachser habe man extra einen Mitarbeiter eingestellt, der die Lastwagen vor der Abfahrt kontrolliere, sagt Dachser-Prokurist Matthias Draeger. Denn Verstöße können nicht nur für den Fahrer, sondern auch für das Unternehmen teuer werden.

Ein fehlerhafter Spanngurt oder Mängel an den Bremsen kosten den Lastwagen-Fahrer 80 Euro und einen Punkt im Flensburger Verkehrssünder-Register. Ein manipulierter Fahrtenschreiber kostet den Fahrer zwischen 500 Euro und 2000 Euro, den Spediteur aber 30 000 Euro, erzählt Walter Dunz und fügt hinzu: „Wir wissen, dass die Fahrer unter großem Druck stehen und das schwächste Glied in der Kette sind.“

So, wie es der Gesetzgeber vorsehe, könne man in der Praxis gar nicht fahren, sagt ein Lastwagenfahrer, der bereits seit 35 Jahren im Fernverkehr unterwegs ist. Zweimal im Monat werde er kontrolliert und manchmal liege es im Ermessensspielraum der Polizisten, ob ein Fahrer Pause machen müsse oder noch nach Hause fahren dürfe.

Die Polizei habe eine Kontrollkarte, erklärt Dunz. Wenn er jemanden kontrolliere und weiterfahren lasse, liege es in seiner Verantwortung. „Wenn der Fahrer seine Lenkzeit überschritten hat und einen Unfall baut, wird man schon nachfragen, welcher Polizist den zuletzt kontrolliert hat“, sagt Dunz. Der Ermessensspielraum der Beamten sei deshalb begrenzt. Klaus-Dieter Streetz fährt seit 12 Jahren im Nahlastverkehr für Dachser und wurde in dieser Zeit nie kontrolliert. „Nahverkehr ist da anders als Fernverkehr“, sagt Streetz.

Berufskraftfahrer künftig ein Ausbildungsberuf

Seine Kollegen erkundigen sich inzwischen bei der Polizei, was passiere, wenn sie ihren Lastwagen überladen haben. „Ab zehn Prozent Überlast dürfen wir den Lastwagen nicht mehr weiterfahren lassen“, lautet die Auskunft des Polizisten. Ob die zehn Prozent allerdings von der Nutzlast oder von der Achslast zu rechnen sind, wissen die Fahrer nicht. Die Polizei verspricht sich deshalb viel von der neuen Ausbildung zum Berufskraftfahrer, in die diese physikalischen Themen mit einfließen.

Viele Fehler aus Unwissenheit
Hubert Walz erklärt einem Lastwagenfahrer, wie man einen Spanngurt richtig an einem PKW befestigt. Bild: Zimmermann

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26.09.2014, 12:00 Uhr

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