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Geschäftsübergabe

Viele Mittelständler suchen händeringend neue Chefs

Immer mehr Firmenbesitzer haben Probleme, an die nächste Generation abzugeben. Nötig sind frühzeitige Planung und Loslassen.

06.10.2016
  • DIETER KELLER

Alles richtig gemacht“, freut sich Hans Maier über die gelungene Weitergabe seines Unternehmens mit zwei Dutzend Mitarbeitern an einen Nachfolger. Der Schwabe ist 58. Seine Kinder wollten den Textilhandel nicht übernehmen, bei dem er 2003 eingestiegen war. Also wandte er sich vor eineinhalb Jahren an den Berater für Unternehmensnachfolge bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer (IHK). Über ihre Unternehmensbörse fand er mehrere Interessenten und entschied sich schließlich für denjenigen, von dem er den Eindruck hatte, das er die Firma am besten fortführt. „Der Kaufpreis war nicht ausschlaggebend“, betont er. Wenn es ihm nur ums Geld gegangen wäre, hätte er vor ein paar Jahren an einen Chinesen verkaufen können. Das Loslassen fiel ihm leicht – leichter, als es seine Freunde erwartet hatten, sagt er. Heute wirkt er rundum zufrieden.

Maier heißt nicht Maier – wie viele mittelständische Unternehmer liest er seinen Namen ungern in der Zeitung. Doch so reibungslos wie bei ihm läuft die Nachfolge selten. 43 Prozent der Senior-Unternehmen finden keinen passenden Nachfolger, Tendenz steigend, ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Das Problem ist groß: 135 000 Familienunternehmen stehen 2014 bis 2018 zur Übergabe an, schätzt das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn. Die staatseigene KfW-Bankengruppe, die Existenzgründer mit günstigen Darlehen unterstützt, rechnet sogar damit, dass innerhalb von drei Jahren 620 000 Nachfolger gefunden werden müssen.

Mit der Alterung der Bevölkerung wird das Problem ständig größer. „Die jüngeren Generationen sind zu dünn besetzt, weshalb die Nachfolger fehlen“, sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Zudem machten sich viele Mittelständler „erheblich zu spät“ Gedanken über das Thema Nachfolger, oder sie unterschätzten den Zeitbedarf.

„Eigentlich müssen schon Existenzgründer an ihre Nachfolge denken“, gibt Marc Evers vom DIHK die Richtung vor. Sie brauchen zumindest einen „Notfallkoffer“ mit wichtigen Dokumenten von Vollmachten über die Passwörter der Computer bis zum Testament. Doch so viel Vorsorge gibt es nur in 29 Prozent der Betriebe.

Über die Nachfolge sollten sich Unternehmer zehn Jahre vor der Übergabe Gedanken machen, empfiehlt Evers. Spätestens drei Jahre vorher sollte die konkrete Suche beginnen. Knapp die Hälfte der Nachfolger finden sich immer noch in der Familie. Doch so manche Tochter oder Sohn enttäuscht die Eltern. Dann bieten die Kammern ihre Hilfe an. Fast 6000 Alt-Inhaber wurden 2014 bei einer der 79 IHKen vorstellig, Tendenz deutlich steigend. Zudem passen die Wünsche oft nicht zusammen. Besonders schwierig ist die Suche im Hotel- und Gastgewerbe, im Verkehrsbereich und im Handel. Übrigens steigen immer mehr Frauen als Übernehmer ein: 2015 waren sie erstmals in der Mehrzahl.

Viele Alt-Unternehmer lassen ungern los. Wie der Mittelständler aus einem Ort nahe Ulm, der auch mit 72 noch seine Firma fortführt, „weil es mir Spaß macht. Ich bin kein Typ für die Rente.“ Sohn und Tochter wollten nicht einsteigen. Seit kurzem arbeitet ein junger Mann im Betrieb, der ihn gerne übernehmen würde. Ein Problem ist die Finanzierung, auch wenn der Senior meint, in seinem Alter sei das Geld nicht mehr so wichtig.

Die Schwierigkeiten bei der Finanzierung nehmen – schon angesichts der niedrigen Zinsen – eher ab. 2015 wurden sie unter den Problemen potenzieller Unternehmer bei der DIHK-Umfrage von der Klage überholt, kein passendes Unternehmen zu finden. An dritter Stelle standen unterschätzte Anforderungen. Unter den Senior-Unternehmern bekannten 44 Prozent, sich nicht rechtzeitig vorbereitet zu haben. Bei fast gleich vielen haperte es am passenden Nachfolger.

Bund, EU und Bundesländer bieten Übernehmern jede Menge Förderprogramme an. Über 200 sind es, sagt Evers – eigentlich viel zu viele. „Jeder kann Hilfe bekommen, aber es ist kompliziert.“ Da braucht es einen Lotsen, um sich zurechtzufinden, etwa bei der IHK vor Ort.

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06.10.2016, 06:00 Uhr

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