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Viele Tote bei Anschlägen auf Kirchen in Ägypten
Spurensicherung nach dem Terroranschlag auf die christliche Kirche im ägyptischen Tanta. Foto: afp
Terror

Viele Tote bei Anschlägen auf Kirchen in Ägypten

Der IS bekennt sich zu den Gewalttaten gegen Christen. Während der Palmsonntagsfeiern reißen zwei Bomben mehr als 40 Gläubige in den Tod.

10.04.2017
  • MARTIN GEHLEN

Kairo. Horror und Entsetzen in Ägypten. Mit einem verheerenden Doppelanschlag in Tanta und Alexandria haben offenbar zwei Selbstmordattentäter am Sonntag mehr als 40 Menschen mit in den Tod gerissen und mehr als 120 verletzt. Die Terrortat in der voll besetzten Mar Girgis Kirche in Tanta, einer Stadt im Nildelta, ereignete sich während des Gottesdienstes am Palmsonntag, mit dem im christlichen Kalender die Karwoche vor Ostern beginnt. Ein Video vor der Explosion zeigt einen Männerchor beim Gesang, als plötzlich ein lauter Knall zu hören ist und die Bilder abbrechen. Auf Fotos nach dem Anschlag sind eilends mit Papier abgedeckte Leichen zu sehen, blutbespritzte Kalkwände und zerfetzte Kirchenbänke. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler wurde die Bombe in den vorderen Reihen nahe am Altar gezündet.

Kurze Zeit später explodierte eine weitere Bombe nahe der St. Markus Kathedrale in Alexandria, allerdings außerhalb des Gotteshauses. Dieser Anschlag galt offenbar dem koptischen Papst Tawadros II., der die Bischofskirche kurz zuvor verlassen hatte. Das Oberhaupt der Kopten blieb unverletzt.

Beide Taten sind der bisher schwerste Angriff auf die koptische Minderheit, die etwa zehn Prozent der rund 92 Millionen Einwohner ausmacht. Am Nachmittag bekannte sich der „Islamische Staat“ über seine Amaq-Website zu den Anschlägen. Die Terrormiliz drohte zugleich mit neuer Gewalt gegen Christen.

Erst im Dezember hatte sich ein Selbstmordattentäter in einer Kirche im Zentrum von Kairo in die Luft gesprengt und 29 Gläubige getötet. Auch damals bezichtigte sich die IS-Terrormiliz als Urheber. Im Februar verübten dessen Gotteskrieger dann auf dem Nordsinai eine spektakuläre Mordserie an Christen. Als Folge flohen praktisch alle dort lebenden 2500 Kopten in Panik in das Niltal, wo sie seitdem in provisorischen Unterkünften hausen.

Ausnahmezustand verhängt

Präsident Abdel Fattah al-Sissi verhängte am Sonntagabend den Ausnahmezustand. Dieser gelte für drei Monate, erklärte er in einer Fernsehansprache. Zuvor schon hatte er der Armee befohlen, wichtige Gebäude des Landes zu schützen. Die sunnitische Lehranstalt Al-Azhar sprach von einem „widerlichen Verbrechen gegen alle Ägypter, was sämtliche Prinzipien von Menschlichkeit und Zivilisation verhöhnt“.

Arabische Staaten wie Jordanien, Katar und Bahrain verurteilten die Anschläge. Libanons Premier Saad Hariri, dessen Land mit den Maroniten ebenfalls eine bedeutende Minderheit von Christen hat, nannte die Tat ein „Angriff auf die Werte aller Religionen“. Außenminister Sigmar Gabriel forderte, das Kalkül der Täter dürfe nicht aufgehen, einen Keil in das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen zu treiben. (mit dpa)

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10.04.2017, 06:00 Uhr

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