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Rockkonzert als Feuerfalle

Viele Tote und Schwerverletzte nach Brand in Bukarester Nachtclub

Nach der Feuerkatastrophe in Rumäniens Hauptstadt Bukarest mehren sich die Fragen nach der Verantwortung. Beim Brand in einem völlig überfüllten Club haben mindestens 29 Menschen ihr Leben verloren.

02.11.2015
  • THOMAS ROSER

Bukarest Vor dem ausgebrannten "Club Colectiv" fackelte in Rumäniens Hauptstadt Bukarest gestern nur noch ein Kerzenmeer. Ihre Fassungslosigkeit vermochten die verstörten Angehörigen der vielen jugendlichen Opfer der Brandkatastrophe kaum zu meistern. Weinend oder sich stumm umarmend legten Eltern, Freunde und Passanten in dem trostlosen Hinterhof Blumen, Gedichte und Fahnen nieder.

Tausende suchten ihr Entsetzen und ihre Trauer auf den Kondolenz-Sites im Internet in Worte zu fassen. "Es war die Hölle, ein Alptraum", so der Facebook-Bericht einer Krankenschwester: "Selbst die Ärzte fühlten sich machtlos im Angesichts des Todes."

"Der Tag, an dem wir sterben" lautete ausgerechnet der düstere Titel des Songs, mit dem die Heavy-Metal-Band "Goodbye to Gravity" am Freitagabend ihren fatalen Auftritt im "Club Colectiv" eröffnete. Das Konzert wogte auf vollen Touren, als kurz nach 22.30 Uhr ein gezündetes Bühnenfeuerwerk den völlig überfüllten Nachtklub in ein flammendes Inferno verwandelte.

Ein von einer Augenzeugin auf Facebook veröffentlichtes Foto zeigt, wie über einer noch lachenden Besucherin die ersten Flammen einen mit Schallschutzschaum gepolsterten Pfeiler erfassten. "Das ist im Programm nicht vorgesehen. Hat jemand einen Feuerlöscher?", war die erste Reaktion von Sänger Andrei Galut. Ein Wachmann versuchte vergeblich, den sich rasch über die abgehängte Decke und Wände ausweitenden Brand zu löschen. Doch in wenigen Sekunden wurde der brechend volle Club für die eingeschlossenen Konzertbesucher zur Feuerfalle.

Schwarzer Rauch raubte den Atem und vernebelte den Blick. Teile der brennenden Decke fielen auf die Flüchtenden. Einer der beiden Ausgänge war zunächst blockiert und vergrößerte die Panik unter den laut Augenzeugen 300 bis 400 Besuchern in dem nur 425 Quadratmeter großen Club. "Menschen wurden ohnmächtig und trampelten sich nieder, es herrschte totales Chaos", berichtete ein Augenzeuge in einem Fernsehbericht. "Es war eine Tragödie, die hätte verhindert werden können."

Die meisten der Todesopfer erstickten in dem dicken Rauch, andere erlagen ihren schweren Verbrennungen oder wurden in dem Gedränge zu Tode getrampelt - darunter sollen auch zwei Gitarristen der Band sein. 147 Personen, darunter ein Deutscher, wurden mit zum Teil schweren Verletzungen in die Krankenhäuser eingeliefert. Ärzte befürchteten, dass die Zahl der Toten noch steigen könnte: Zehn der Verletzten schweben wegen ihrer starken Verbrennungen in Lebensgefahr. Um sein Leben kämpft auch der Frontman der Band: Der 31jährige Sänger Andrei Galut weist Verbrennungen von 45 Prozent seiner Körperoberfläche auf.

Das Gesundheitsministerium rief am Wochenende zu Blutspenden auf. Die Polizei leitete Ermittlungen gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Tötung ein: Gegen die Betreiber des Clubs war bereits vor zehn Tagen wegen des Mangels an qualifiziertem Personal eine Geldbuße verhängt worden. Premier Victor Ponta brach seinen Besuch in Mexiko ab und kündigte eine dreitägige Staatstrauer an. Erschüttert zeigte sich Staatschef Klaus Johannis: "Dies ist ein trauriger Tag für die ganze Nation." Offen bleibt die Frage, warum der Club trotz unzureichender Brandschutzvorkehrungen überhaupt eine Betriebsgenehmigung erhielt - wie so viele andere zweifelhaft gesicherte Schankstätten in Bukarest.

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02.11.2015, 12:00 Uhr

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