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Viele Wildtiere am Bodensee gestorben
An Seeufern in Nord- und Süddeutschland werden derzeit tote Wildvögel gefunden. Diese verendete Reiherente treibt am Ufer des Großen Plöner Sees. Foto: dpa
Vogelgrippe

Viele Wildtiere am Bodensee gestorben

Das Virus hat in Baden-Württemberg bislang keine Geflügelbetriebe erreicht. Die Stallpflicht wurde ausgeweitet.

14.11.2016
  • PETRA WALHEIM

Konstanz. Die Lage ist angespannt. In mindestens einem Geflügelbetrieb in Vorarlberg in Österreich ist das Vogelgrippe-Virus H5N8 nachgewiesen worden. In einem zweiten besteht der Verdacht. Klarheit soll es heute geben. Wegen der unsicheren Lage und weil rund um den Bodensee immer mehr tote Wildvögel gefunden werden, wurden die Sicherheitsregeln im Land verschärft.

Seit Samstag gilt die „Aufstallungspflicht“ für die Kreise Konstanz, Bodensee und Ravensburg. Das bedeutet, das Geflügel muss entweder in einem geschlossenen Stall oder unter einem überstehenden Dach untergebracht werden. Es muss sichergestellt sein, dass der Kot von Wildvögeln, die über das Gelände fliegen, nicht in die Nähe des Geflügels gelangt. Zudem gelten in einem 500 Meter breiten Streifen entlang des Rheins scharfe Hygienevorschriften. Von der Aufstallung sind allein im Bodenseekreis 864 Betriebe und Hausgeflügelhaltungen mit 70 000 Tieren betroffen.

Von Seiten der Behörden wird immer wieder betont, dass das Vogelgrippe-Virus für den Menschen und auch für Hunde und Katzen nicht gefährlich ist. Trotzdem wird dringend dazu geraten, tote Tiere nicht anzufassen. Hunde sollen an die Leine genommen werden. Bis Samstag wurden nach Auskunft von Isabel Kling, Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums, am gesamten See rund 300 tote Tiere gefunden. Betroffen sind vor allem Reiherenten. „Das Geschehen ist massiv“, sagt sie. Auf baden-württembergischer Seite des Sees sind es bislang 121 tote Vögel nachgewiesen, 73 im Landkreis Konstanz, 48 im Bodenseekreis. Bei 50 toten Tieren aus dem Land wurde das hochansteckende Virus H5N8. Bei 71 Verdachtsfällen laufen die Untersuchungen noch. Mit Ergebnissen wird heute gerechnet. In einiger Entfernung vom See wurde bislang nur eine tote Graugans gefunden. Ansonsten spielt sich das Geschehen am See ab. Ein Geflügelbetrieb im Land ist bislang nicht betroffen.

Ursache für den Ausbruch der Vogelgrippe sind nach Einschätzung von Experten Zugvögel, die am Bodensee rasten. Sie bringen das Virus mit und infizieren die heimischen Enten. Dabei zeigen sich vor allem Reiherenten anfällig für das Virus. Stockenten seien robuster, sagt Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell. Er beschreibt die Vogelgrippe als „ein vollkommen unauffälliges Krankheitsgeschehen, das bei unseren heimischen Enten alljährlich auftritt“. Allerdings handle es sich dabei um nicht so aggressive Virustypen wie den H5N8, der aktuell grassiert. Die Enten sterben an der Krankheit nicht, sie werden immun.

Wie ein hoch ansteckendes Virus wie das H5N8 entsteht, werde noch erforscht, sagt Fiedler. Eine Theorie sei, dass sich aggressive Viren in Geflügelhaltungen entwickeln, „in denen sehr viele genetisch sehr ähnliche Tiere auf engstem Raum zusammen sind“. Entstehe in einem Geflügelstall so ein Virus, gelange das auch nach außen und werde von Wildvögeln aufgenommen, die es verbreiten.

Dagegen könne nichts unternommen werden, sagt Fiedler. Allein am Bodensee seien aktuell über 200 000 Wasservögel zu Gast. Gut die Hälfte sei in der vergangenen Woche gekommen. „Wilde Vögel können nicht geimpft werden“, sagt der Wissenschaftler. Deshalb müsse das Hausgeflügel geschützt werden.

Da der Vogelzug erst begonnen habe, sei nicht damit zu rechnen, dass die Vogelgrippe bald abebbe, sagt Isabel Kling. Deshalb gelten die Sicherheitsregeln für drei Monate. Sie schreiben vor, dass zum Beispiel keine fremden Personen in die Ställe dürfen, dass Schutzkleidung getragen werden muss und die Schuhe vor und nach dem Betreten des Stalls entweder desinfiziert oder gewechselt werden müssen.

Stellt sich heute heraus, dass der Geflügelbetrieb in Vorarlberg, der nur wenige Kilometer vom deutschen Gebiet entfernt ist, ebenfalls vom Virus H5N8 befallen ist, wird um diesen Betrieb eine Drei-Kilometer-Sperrzone errichtet und eine zehn Kilometer weite Beobachtungszone. „Mehrere Betriebe im Kreis Ravensburg und im Bodenseekreis wären in dieser Beobachtungszone“, sagt Isabel Kling. Die müssten gesperrt werden: Dann dürfen keine Tiere heraus oder hinein gebracht werden. „Gleiches gilt für Fleisch und tierische Produkte, zum Beispiel Eier.“ Ist ein Bestand infiziert, müssen alle Tiere getötet werden.

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14.11.2016, 06:00 Uhr

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