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Wenn der Postbote nicht mehr klingelt

Viele haben angeblich seit drei Wochen keine Post mehr bekommen

In manchen Teilen des Landkreises spürt man kaum etwas vom Poststreik. Doch im Westen, in Starzach, dort wirkt er sich offenbar besonders stark aus.

01.07.2015
  • Ulrich Eisele

Starzach. Max-Richard Freiherr von Raßler ist FDP-Mitglied. Er müsste eigentlich den Folgen der Post-Privatisierung aufgeschlossen gegenüberstehen. Doch nun stöhnt er: Seit drei Wochen war kein Postbote mehr auf seinem Schloss. Für den Hotelier ist das ärgerlich, da er den Gästen normalerweise die Tageszeitung zum Frühstück serviert. Da ihm diese sonst mit der Post zugestellt wird, muss er nun morgens nach Ergenzingen fahren, um diesen Service aufrechtzuerhalten. Auch der Schriftverkehr mit Lieferanten und Gästen verläuft derzeit im Zeitlupentempo. Doppelt ärgerlich, da Schloss Weitenburg übers Internet ungenügend mit der Außenwelt verbunden ist.

Besser hat es da Barbara Kück mit ihrem Architekturbüro in Wachendorf. „Gefühlt drei Wochen“ bekam sie keine Post mehr. „Grundsätzlich bin ich auf sie angewiesen“, sagt die Gemeinderätin, doch „im Zeitalter der EDV“ könne man sich behelfen: „Wenn es schnell gehen muss, verschicke ich Dokumente per E-Mail“, berichtet sie. Nur bei Fachzeitschriften, die per Post verschickt werden, sei es „ärgerlich: Wenn die erst Wochen später kommen, sind sie für mich uninteressant geworden.“

„Es ist schon ärgerlich – gerade Starzach ist besonders betroffen“, bestätigt Gemeinderats-Kollegin Annerose Hartmann, die in Rottenburg arbeitet. Pakete bekommt sie zur Zeit ein Mal pro Woche, doch auf den „Staatsanzeiger“ muss sie derzeit verzichten. „Für Privatleute ist es nicht so schlimm wie für Handwerker und Geschäfte“, meint sie – weil sich der Zahlungsverkehr verzögert.

Auch Bürgermeister Thomas Noé spürt die Auswirkungen des Poststreiks – privat ebenso wie dienstlich. Die Gemeindeverwaltung lasse Amtspost verstärkt von Hausmeistern und Mitarbeitern austragen, setze auch andere Briefdienste ein, sagte er uns am Telefon.

„Für den Privatkunden ist es nicht so dramatisch“, findet Post-Pressesprecher Hugo Gimper. Privatleuten gehe durch die verspätete Zustellung von Rechnungen, Mahnungen oder amtlichen Bescheiden ja nichts verloren. Nur wenn sie selbst beispielsweise fristgerecht ein Abo kündigen wollten, müssten sie unter Umständen einen Expressbrief senden. „Der wird auf jeden Fall zugestellt“, versichert Gimper.

Im übrigen versuche die Post AG, so viele Sendungen so schnell wie möglich zuzustellen. „Wir versuchen es mit Aushilfen. Doch dort, wo wir keine ortskundigen Zusteller haben, gibt es Probleme“, räumte er ein. In Einzelfällen könne es sogar vorkommen, dass jemand drei Wochen lang auf die Post warte.

Nicht bestätigen mochte Gimber indes die Aussage eines Postbeamten aus Rottenburg: dass die unterschiedliche Service-Qualität mit der jeweiligen Beamten-Dichte in den zuständigen Briefzentren zusammenhänge. Starzach werde von Horb aus beliefert, wo es nur noch wenige zum Dienst verpflichtete Beamte gebe, hatte der ungenannt bleiben wollende Beamte gesagt, während es in Tübingen noch mehr Beamte gebe.

Viele haben angeblich seit drei Wochen keine Post mehr bekommen
Rein geht’s schon, aber raus leider nicht: „Einen Brief aufgeben“ hat für manche heute einen fatalistischen Beiklang. Bild: © Jürgen Fälchle, Fotolia

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01.07.2015, 12:00 Uhr

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