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Illegaler Badespaß und Bootsfahrten

Viele schwimmen trotz Gefahr und Verbot im Wittershauser „Gipswerksee“

Wer den „Gipswerksee“ bei Wittershausen finden möchte, braucht schon einen sehr guten Orientierungssinn, denn ausgeschildert ist der Weg zu dem Gewässer nicht. Dennoch hat sich der See zu einem beliebten Ort für Schwimmer entwickelt – obwohl das Baden nicht nur verboten, sondern zudem auch gefährlich ist. Seit die Mitglieder des Fischer-Clubs, die den „Gipswerksee“ von der Firma Knauf gepachtet haben, die Kontrollen verstärken, ist der illegale Badespaß eingedämmt.

19.08.2015
  • Cristina Priotto

Wittershausen. Udo Schulz zieht entspannt an seiner Zigarette. Aufmerksam lässt der zweite Vorsitzende des Fischer-Clubs Wittershausen den Blick am Ufer und über das Wasser gleiten. Zumindest an diesem Montagabend ist der Vize-Chef der Wittershauser Angler – außer der SÜDWEST PRESSE-Redakteurin – der einzige Besucher am „Gipswerksee“.

In den vergangenen heißen Sommerwochen sah es an dem idyllischen Gewässer, das unweit des Sportheims am Waldrand liegt, jedoch häufig anders aus: An einem warmen Abend im Juli trafen die Angler gleich 18 Jugendliche an, die im „Gipswerksee“ badeten. Dass insgesamt sechs Schilder an beiden Seiten überdeutlich darauf hinweisen, dass das Betreten, Baden und Fischen an der Anlage verboten ist, hatte die Gruppe offensichtlich nicht gestört.

Dabei stehen die Hinweisschilder aus gutem Grund bei dem Gewässer: Da es sich um einen ehemaligen Steinbruch handelt, liegen auf dem Boden der Aushubgrube gefährliche alte Stahlgeflechte, außerdem drohen Verletzungen durch scharfe und steile Unterwasserkanten oder Steinschlag. Da der Wasserspiegel zudem ständig schwankt, können sich einzelne Steine lösen oder an den Seiten gleich ganze Teile abrutschen.

Abgesehen von dem aus diesen Gründen sinnvollen Badeverbot haben in jüngster Zeit zahlreiche Schwimmer diese Gefahren ignoriert und dadurch Verletzungen und Strafen riskiert.

Seitdem der Wittershauser Fischer-Club die größere Gruppe mit Jugendlichen „in flagranti“ ertappt hat, sind die Mitglieder regelmäßig zu Kontrollen vor Ort: „Mindestens zwei- bis dreimal am Tag ist jemand draußen“, erzählt Markus Maier auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE. Von der Firma Knauf, die den Anglern den „Gipswerksee“ im Jahr 1993 verpachtet hat, erhielten die Fischer sogar den Auftrag, bei Verstößen gegen das Betret- und Badeverbot sofort die Polizei zu verständigen.

Gänzlich fernhalten wollen die Mitglieder des Fischerei-Clubs Besucher jedoch nicht: „Aufs Bänkle sitzen, ist okay“, betont Maier. Nur gegen illegale Schwimmer gehen die Wittershauser Angler vor. Weshalb neben einheimischen Jugendlichen aber auch Auswärtige, etwa aus dem Raum Balingen oder aus Horb, das versteckte Gewässer ausfindig gemacht haben, darüber kann der Vereinsvorsitzende nur spekulieren: „Vielleicht haben manche den See auf Google Earth entdeckt“, mutmaßt Markus Maier.

Einige der ungebetenen Gäste springen allerdings nicht nur selbst in die Fluten, sondern bringen auch noch vierbeinige Gesellschaft mit: „Eine Zeitlang war der ‚Gipswerksee‘ ein richtiger Hundebadesee“, berichtet Maier.

Die regelmäßigen Kontrollgänge des Fischer-Clubs haben mittlerweile jedoch Wirkung gezeigt: „Es hat spürbar nachgelassen“, stellt Markus Maier im Hinblick auf die leichtsinnigen Badegäste zufrieden fest. Für den Verein mit derzeit knapp über 40 Mitgliedern stellt die Aufsicht über das Gewässer freilich eine zusätzliche personelle Belastung und echte Herausforderung dar: „Es funktioniert ganz gut, allerdings nur, weil einige unserer Aktiven Schicht arbeiten und dadurch mal morgens, mal mittags und mal abends vorbeischauen können“, beschreibt der Wittershauser Fischer-Chef die Situation.

Eigentlich wollen die Angler nämlich nur zum Angeln an den „Gipswerksee“. Während der Badesaison müssen die Fischer jedoch häufiger zu Kontrollen an eines ihrer gepachteten Gewässer, als um entspannt zu warten, dass ein Wasserbewohner anbeißt.

Ebenfalls lästig ist für den 1972 gegründeten Verein, dass viele der illegalen Besucher an der Grillstelle und rund um die beiden Sitzbänke Müll hinterlassen. Die Angler müssen die Abfälle beseitigen.

Ein besonders krasser Verstoß gegen das Nutzungsverbot des „Gipswerksees“ ereignete sich Anfang des Monats: Da wurden einige Leute angetroffen, die die ehemalige Steinbruchgrube mit einem Boot befuhren. Besonders in solchen Fällen, aber auch, wenn jemand „nur“ verbotenerweise in dem Angler-Wasser schwimmt, notieren die Kontrolleure des Fischer-Clubs die Auto-Kennzeichen. „Wenn man jemanden ermahnt und auf die Gefahren hinweist, sehen die meisten den Sinn des Verbots ein“, berichtet Maier von Erfolgen durch Rügen.

Dennoch kann der Vorsitzende des Wittershauser Vereins sich nicht so recht erklären, weshalb so viele Menschen trotz Verbots bis zu dem See fahren: „Die Verbotsschilder standen eigentlich schon immer“, weist Markus Maier auf die nicht weniger als sechs Hinweise hin, die unmissverständliche Aufschriften tragen wie „Betreten verboten. Absturzgefahr“, „Betreten und Fischen verboten“ oder eben „Baden verboten“, ganz zu schweigen von Appellen an den gesunden Menschenverstand, die Lebensgefahr und Sprengarbeiten verdeutlichen.

Zusätzlich haben die Mitglieder vor einem dreiviertel Jahr beim Sportheim ein Durchfahrtsverbotsschild anbringen lassen.

Udo Schulz musste bei seinem Kontrollgang vorgestern Abend nichts beanstanden. Doch die Wittershauser Fischer werden regelmäßig wiederkommen und aufpassen, damit niemand aus Übermut in dem gefährlichen See badet.

Viele schwimmen trotz Gefahr und Verbot im Wittershauser „Gipswerksee“

Viele schwimmen trotz Gefahr und Verbot im Wittershauser „Gipswerksee“
Allen Verbotsschildern und Gefahren zum Trotz nutzen immer wieder auch Auswärtige den See beim ehemaligen Gipswerk Knauf in Wittershausen zum Schwimmen oder Bootfahren.

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19.08.2015, 12:00 Uhr

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