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Gut die Hälfte der Rottenburger Schülerschaft findet einen Jugendgemeinderat wichtig

Viele sind dafür, aber kaum einer will‘s machen

55 Prozent der Rottenburger Jugendlichen fänden es wichtig bis sehr wichtig, einen Jugendgemeinderat einzurichten. Das geht aus einer Umfrage zum Thema Jugendbeteiligung in der Stadt hervor.

18.12.2014

Von Hete Henning

Rottenburg. Das Thema Jugendgemeinderat (JGR) ist schon einige Jahre alt. In Tübingen gibt es seit 1999 einen JGR, in Rottenburg nach wie vor nicht.

Es gebe deshalb keinen JGR in der Stadt, sagte vor elf Jahren etwa Rottenburgs damaliger Oberbürgermeister Klaus Tappeser (CDU), „weil wir Leute wollen, die sich dauerhaft engagieren; nicht welche, die gewählt werden und dann gleich wieder wegspazieren“. Rottenburgs derzeitiger OB Stephan Neher (CDU) nannte vergangene Woche in der Sitzung des Sozialausschusses einen anderen Grund: Ein richtiger JGR mit Wahlen sei „ein tierischer Aufwand“, deshalb sei das Jugendforum, wie es seit Jahren mit wechselndem Erfolg praktiziert wird, besser.

Im Frühjahr 2014 hatte die CDU-Fraktion im Gemeinderat eine Umfrage initiiert, um herauszufinden, ob sich die Rottenburger Jugendlichen stärker politisch beteiligen wollen – zum Beispiel über einen Jugendgemeinderat. Karin Frech, die Leiterin des städtischen Jugendamtes, stellte die Ergebnisse nun dem Sozialausschuss vor.

42 Prozent der befragten Schüler ab der achten Klasse aufwärts fänden demnach einen JGR wichtig, 13 Prozent sogar sehr wichtig. Doch 6 Prozent wären „bestimmt“ bereit, sich persönlich in so einem JGR zu engagieren, weitere 21 Prozent fühlen sich einer Mitarbeit „eher“ zugeneigt. Andersrum heißt das: 73 Prozent, also fast drei Viertel, hätten wenig oder gar keinen Bock, im JGR mitzuarbeiten.

3466 Fragebögen wurden in sämtlichen weiterführenden Schulen in Rottenburg verteilt. Immerhin 1661 Bögen kamen zurück, 1441 davon waren ausgefüllt und wurden ausgewertet.

Drei Viertel fühlen sich zu wenig beachtet

Das Altersspektrum der Befragten reichte von 14- bis 15-Jährigen (der weitaus größten Gruppe) bis hin zu sehr wenigen über 20-Jährigen. Die Abiturklassen hatte die Umfrage laut Karin Frech nicht mehr erreicht – sie hatten mit dem Zeugnis in der Tasche ihre Schulen schon verlassen.

Die ganz große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler, nämlich 72 Prozent, fühlen sich in ihren Wünschen und Anliegen vom Gemeinderat und der Stadtverwaltung „eher nicht“ beziehungsweise „überhaupt nicht“ wahrgenommen. Nur 35 Prozent sehen gute bis sehr gute Möglichkeiten, sich an Entscheidungen des Gemeinderats zu beteiligen.

Die Antworten auf die Frage nach möglichen Beteiligungsformen (der Fragebogen stellte vier Möglichkeiten zur Wahl) fielen relativ ausgeglichen aus : 29 Prozent der Schüler waren für einen JGR, 27 Prozent für Diskussionsrunden über aktuelle Themen mit der Stadtverwaltung in den Schulen. 14 Prozent stimmten für eine Jugendsprechstunde bei Verwaltung oder Gemeinderat. Die restlichen 30 Prozent würden am liebsten elektronisch mit Stadtverwaltung und Gemeinderat kommunizieren, per E-Mail oder in Internet-Chats.

Die Schüler und Schülerinnen hatten aber auch Alternativ-Vorschläge auf Lager: Einen Jugendbürgermeister müsste es geben, die Gemeinderäte sollten Schulbesuche abstatten, die Rottenburger Schülersprecher sich zusammenschließen. Einen weiteren Vorschlag machte OB Neher in der Diskussion über die Umfrageergebnisse: Man sollte, fand er, die Schülersprecher mal zu einer Gesprächsrunde einladen.

Viel konkreter wurde es nicht. Das Engagement müsse „ein Stück weit“ von den Schülern selbst kommen, sagte Nehle Betz (Junge Aktive). Das Angebot zur Beteiligung an einem JGR spreche für sich.

Klaus Maier bezweifelte, dass sich die Bereitschaft der Jugendlichen, aktiv politisch mitzuwirken, von der bei Erwachsenen unterscheide. Das Interesse sei vorhanden, nahm Reinhold Baur (CDU) die jungen Leute in Schutz, nur werde man sie hier und da abholen und an der Hand nehmen müssen. Immerhin: „Die Umfrage hat uns ein Gefühl über die Wünsche und den Bedarf gegeben.“

So richtig voran ging es nicht bei der Beratung, aber ein Beschluss stand auch nicht zur Debatte. Margarete Nohr (SPD) sagte, sie fände einen Zusammenschluss der Schülersprecher sinnvoll, Dorothea Lichtenau (CDU) gefiel der Gedanke an eine Schülersprechstunde bei der Stadtverwaltung.

Hermann Josef Steur (SPD) warnte davor, über die Köpfe der Jugendlichen hinweg zu reden. Die Schüler, forderte er, sollten „uns nochmal direkt sagen, was sie gerne hätten“. Hier meldete sich Jugendamtsleiterin Karin Frech zu Wort. Was sie wünschen, hätten die Jugendlichen jetzt doch gesagt, stellte sie trocken fest. Alleine in die Wirklichkeit umsetzen könnten sie es aber nicht, sagte Frech: „Man muss ihnen dabei helfen.“

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Erstellt:
18. Dezember 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Dezember 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2014, 12:00 Uhr

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