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Die Proberaum-Problematik

Vielen Horber Bands fehlt eine Unterkunft / Nun kümmert sich der Jugendgemeinderat

Kein Platz für Nachwuchs-Bands: Seit dem Abriss des Druckerei-Gebäudes auf dem Flößerwasen – kurz Schiller genannt – im Jahr 2008 fehlen Proberäume in Horb. Deshalb will jetzt der neue Jugendgemeinderat das Thema aufgreifen. Schließlich ist die Horber Band-Landschaft sehr vielfältig.

17.10.2014
  • Vincent Meissner

Horb. Selige Zeiten waren das, als das Schiller noch stand. Das alte Druckerei-Gebäude auf dem Horber Flößerwasen war ab 2005 für einige Jahre sowas wie das Mekka für den Horber Musiker-Nachwuchs. Bands mit so illustren Namen wie Die 2 coolen 3, The Pipes oder Schiller Läusä (heute Human Waste) bot das Haus Raum zum Musizieren. Spricht man mit den Musikern über die damalige Zeit, kommen sie ins Schwärmen: „Das war ein super Proberaum“, sagt etwa der Horber Christian Ott, der im Schiller mit Soma – heute Accused Drug – zu Hause war. „Schade, dass sie das abgerissen haben.“ 2008 war Schluss mit dem Schiller. Seitdem fehlt in Horb eine adäquater Alternative.

Gebäude mit Proberäumen für Bands haben in Horb eine lange Tradition: Im Wasserturm auf dem Hohenberg musizierten schon vor Jahrzehnten Bands. Seit 2002 kümmerte sich dann das Jugendreferat der Stadt um die Nachwuchs-Gruppen. Auf Initiative der Offenen Grünen Liste durften eine Handvoll Bands wie Ashtray im „Haus Leins“ in der Altheimer Straße proben. Doch dort beschwerten sich recht schnell die Anwohner.

Für viele Horber Bands begann eine Odyssee. Die Liste vorübergehender Unterkünfte ist lang: eine Industriehalle auf dem Hohenberg, das Seewald bei Grünmettstetten oder das Café Amerika in Mühringen boten einigen Gruppen für eine gewisse Zeit eine Heimat. Auch im Marmorwerk gab’s mal einen Proberaum. Doch das Jugendzentrum ist für diese Zwecke schlicht zu klein.

Für die Bands blieb da nur Hilfe zur Selbsthilfe: Als im Schiller für seine Band Schluss war, klapperte Musiker Christian Ott sämtliche Firmen im Industriegebiet Heiligenfeld ab – ohne Erfolg. Erst über seinen Kumpel Stephan Vogt, Gitarrist bei der Horber Band Forensick, fand er eine Lösung: Auf dem Firmengelände von Vogts Vater Peter auf dem Hohenberg war Platz. Für Ott ein Glücksfall: „Wenn der Peter nicht da gewesen wäre, hätten wir keinen Proberaum gehabt“, sagt Ott. „Er ist für mich der beste Sozialarbeiter der Stadt.“ Neben Accused Drug proben auch Forensick, Iron Cobra und FMIP auf dem Gelände des Stuckateur-Betriebs.

Wie groß der Bedarf in Horb an Proberäumen ist, weiß auch Christian Pahl: „Das ist ein drängendes Problem, das sich ja schon über Jahre hinweg zieht.“ Als Jugendgemeinderats-Mitglied wies Pahl in der Sitzung am Mittwochabend im Marmorwerk auf den Missstand hin.

Der 16-jährige Altheimer kennt das Problem aus eigener Erfahrung: Pahl macht selbst Musik mit der Band Crooked Youth (einst Age 41). Zwei Jahre lang probten die drei Musiker zuletzt in einem Wohnwagen in Grünmettstetten. Weil sie sonst keinen geeigneten Raum fanden. „Das war natürlich suboptimal“, sagt Pahl.

Irgendwann hatte die Gruppe die Idee, in der ehemaligen Hohenberg-Kaserne einen Raum zu mieten. Zunächst klappte das allerdings nicht. Erst als Horst Schneck sich darum kümmerte, kam Bewegung in die Sache. Matthias Schneck, der Sohn des ehemaligen Horber Feuerwehr-Kommandanten spielt ebenfalls bei Crooked Youth. Als Schneck zufällig mal Oberbürgermeister Peter Rosenberger traf und das Problem ansprach, gab’s eine rasche Lösung.

Demnächst ziehen Crooked Youth nun in eines der Gebäude auf dem Kasernen-Areal ein. Und dort gäbe es theoretisch noch mehr Platz für Proberäume.

Der Jugendgemeinderat will sich des Themas nun annehmen. Mit SPD-Gemeinderätin Viviana Weschenmoser hat der Vorstand des Jugendgemeinderats bereits ein Treffen vereinbart, um über mögliche Lösungen zu sprechen. Das berichtete die Jugendgemeinderats-Vorsitzende Jillian Freitag am Mittwoch. Außerdem erwägt das Gremium, eine Anfrage zur Proberaum-Situation im Gemeinderat zu stellen. Denn Jugendgemeinderat Pahl sieht darin eine städtische Aufgabe: „Die Stadt hat es sich mit der Einrichtung des Jugendgemeinderats schließlich auch auf die Fahnen geschrieben, eine jugendfreundliche Stadt sein zu wollen.“

Offen ist noch, welche Form der Unterstützung sich die Jugendgemeinderäte von der Stadt wünschen: lediglich leere Räume oder auch Instrumente und Equipement. Christian Pahl spricht sich für eine umfassende Versorgung aus: „Es reicht nicht, wenn nur Räume bereitgestellt werden“, sagt er. „Man muss die Jugendlichen auch monetär fördern. Denn es fehlt ihnen ganz einfach an finanziellen Möglichkeiten.“

Pahls Ratskollege Lorin Schäfer hatte noch einen anderen Vorschlag parat: eine Spendengala mit Konzerten zur Finanzierung von Proberäumen und Equipement.

Vielen Horber Bands fehlt eine Unterkunft / Nun kümmert sich der Jugendgemeinderat
The Pipes – Die Pfeifen: Das Graffiti an der Wand erinnert an eine der Bands, die im sogenannten Schiller vorübergehend eine Heimat gefunden hatte. 2008 kam der Bagger und riss das Gebäude der Druckerei Christian auf dem Horber Flößerwasen ab. Damit endete die eine Hochzeit der Horber Bandkultur.Archivbild: Kuball

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17.10.2014, 12:00 Uhr

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