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Vieles bleibt im Dunkeln
Am 20. Oktober wurde die Leiche von Nadine E. in einem Gebüsch nahe der PH Ludwigsburg gefunden. Foto: 7aktuell
Totschlag

Vieles bleibt im Dunkeln

Der dritte Prozesstag im Fall der getöteten Nadine E. zeigt, wie dünn die Beweisdecke ist. Was bekannt ist und was nicht.

17.01.2017
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Ludwigsburg/Stuttgart. Im Indizienprozess um die getötete Nadine E. aus Ludwigsburg sagten am dritten Prozesstag fünf Gutachter aus, die aber keine Hinweise lieferten, die den Angeklagten mehr als bislang belasten. Eine Bestandsaufnahme der Beweislage.

Todeszeitpunkt: Zwei Rechtsmediziner haben sich damit beschäftigt, wann Nadine E. genau gestorben ist. Am Abend des 12. Oktober 2015 war die 36-Jährige verschwunden, eine Woche später, am 20. Oktober, wurde ihre Leiche in einem Gebüsch nahe der PH Ludwigsburg gefunden. Zunächst waren die Sachverständigen uneinig über den Todeszeitpunkt, sind sich nun aber insofern einig, dass die zweifache Mutter zumindest bereits acht Tage tot gewesen sein könnte, als sie gefunden wurde. Einer der Mediziner, ein Experte der Uni Bonn, hatte zur Eingrenzung Flüssigkeit aus dem Auge herangezogen und stellte fest: „Als Todeszeitpunkt kommt der 12. oder 13. in Betracht. Genauer geht's nicht.“

Todesart: Beide Rechtsmediziner gehen davon aus, dass Nadine E. durch Druck gegen den Hals umgekommen ist. Wie genau, ist aber unklar. Es könne nicht gesichert gesagt werden, dass E. mit Händen erwürgt worden sei, sagte die Sachverständige der Tübinger Rechtsmedizin, die die Obduktion vorgenommen hatte. Laut der Anklage könnte der Täter sein Opfer auch in den Schwitzkasten genommen haben. Einig sind sich die Fachleute darin, dass Nadine E. erst nach ihrem Tod die Kehle durchgeschnitten worden sei. Dafür gebe es Spuren. Beispielsweise wurden an den Mundrändern keine Einblutungen festgestellt, was der Fall gewesen wäre, hätte Nadine E. noch gelebt, als der Schnitt passierte. Der Verdacht, der sich aufdrängt, dass die eigentliche Tat verschleiert werden sollte, bleibt damit erhalten.

Tatablauf: Die Spuren seien zu unkonkret, um den Tatablauf im Detail zu rekonstruieren, sagte die Tübinger Rechtsmedizinerin. Bleibt also die Version der Staatsanwaltschaft: Die Eheleute E., die damals schon getrennt und in neuen Partnerschaften waren, aber mit den beiden Kindern noch unter einem Dach lebten, gerieten am Abend des 12. Oktober in Streit – dabei soll Ramazan E. seine Frau im Hobbyraum erwürgt und sie später mit ihrem Auto zu jenem Gebüsch an den Bahngleisen am Favoritepark in Ludwigsburg gefahren haben. Er soll seiner Frau die Sportkleidung vom Körper geschnitten und ihr die Kehle durchtrennt haben. Das Auto habe er auf einem nahen Parkplatz abgestellt, die Schlüssel, Nadine E.s Schmuck und ihr Handy habe er verschwinden lassen.

Spurenlage: Eine Reihe von Indizien sollen die Version der Staatsanwaltschaft belegen: Textilfasern spielen dabei eine tragende Rolle. Zum einen wurden unter anderem im Kofferraum des Wagens des Opfers, an der Stoßstange und am Tatort gelblich-grüne, fluoreszierende Fasern sichergestellt, die wahrscheinlich zum Sportshirt gehörten, das die Getötete an jenem Abend trug. Der Schluss liegt also nahe, dass Nadine E.s Leiche im Kofferraum ihres Wagens zum Auffindeort transportiert wurde. In dem Gebüsch wurden ihr dann wahrscheinlich die Kleider ausgezogen, denn es fanden sich Partikel der Faser im Blattwerk in bis zu 1,50 Meter Höhe. In dem Bereich wurden auch Blutspuren gefunden sowie im Erdreich, wobei am Montag unklar blieb, von wem dieses Blut stammte. Die Spur zum Angeklagten führt zum einen über ein Haar, das auf der Leiche gefunden wurde und seiner DNA zugeordnet werden kann, sowie über weitere Mikrofasern, die unter anderem an den Griffen seines Fahrrads, in den Taschen einer seiner Jacken, im Auto und an der Leiche nachgewiesen wurden. Diese könnten laut einer Sachverständigen vom Landeskriminalamt von der Beschaffenheit her zu Radhandschuhen gehört haben, die allerdings, wie Nadine E.s Kleidung, nie gefunden wurden.

Verteidigung: Ramazan E. bestreitet die Tat. Seine Frau sei nach dem Sport noch zum Einkaufen gefahren und nicht zurückgekehrt. Im Lauf der Ermittlungen hatte die Polizei auch andere Personen verdächtigt, darunter den Geliebten der Getöteten, am Ende blieb aber offenbar nur der Ehemann übrig. Was gegen seine Version spricht: Nadine E.s Handy war um 20.56 Uhr an jenem Abend noch im Umfeld des Hauses eingeloggt – da sollte sie dann schon auf dem Weg zum Einkaufen sein. Zum letzten Mal wurde das Telefon um 21.32 Uhr am Auffindeort der Leiche geortet.

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17.01.2017, 06:00 Uhr

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