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Zu wenig unterstützt?

Vielklang-Intendant Felix Thiedemann stellt Festival-Zukunft in Frage

Die Nachricht kam unerwartet. Noch im Mai hatte Felix Thiedemann, Intendant des Tübinger Vielklang-Festivals, das fünfjährige Bestehen der Konzertreihe gefeiert und zuversichtlich in die Zukunft geschaut. Am Montag stellte er nun einen Kommentar auf die Facebook-Seite des Festivals, der in dem Satz gipfelt: „In der derzeitigen Situation sehen wir nur die Möglichkeit, den Vielklang sterben zu lassen.“ In dem kurzen Text spricht er von den „sehr wenig erfreuliche(n) Entwicklungen“ der letzten Wochen, die ihn zu dem Schluss bringen, dass er „so nicht mehr weitermachen“ könne.

25.06.2015
  • Achim Stricker

Nach dem Vielklang-Sommerfestival vom 1. bis 11. August wolle er mit seinem Team „darüber nachdenken, ob und gegebenenfalls wie es mit dem Vielklang weitergeht.“ Als Grund benennt Thiedemann zum einen die (mittlerweile dritte) Absage der Baden-Württemberg Stiftung. Zum anderen habe die Stadt Tübingen den beantragen Zuschuss „nicht gewährt“. Nicht nur finanziell fühlt er sich zu wenig unterstützt: „Durch die aktuellen Entwicklungen, vor allem die mangelnde Bereitschaft, uns ideell zu unterstützen, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir so nicht weitermachen können.“

2014 bekam das komplette Festival von der Stadt 10 000 Euro. Für 2015 war Thiedemann von einer vergleichbaren Summe ausgegangen, beantragte sogar noch etwas mehr. Für die erste diesjährige Vielklang-Etappe im Mai bekam er einen städtischen Zuschuss von 3000 Euro. Im Fall der zweiten Festival-Etappe im August bot die Stadt an, Thiedemann die Musikschule mietfrei zu überlassen – bei zehn Tagen Nutzung ein Mieterlass von 8000 Euro.

Thiedemann hatte darüber hinaus auf eine zusätzliche Summe gehofft. Bislang stand dem Festival die kooperierende Kirchenmusikhochschule kostengünstig als Veranstaltungsort zur Verfügung. Während der Renovierung des Schwabenhauses bis 2017 muss Thiedemann sich nun nach Alternativen umsehen – so wie im August die Musikschule für die Meisterkurse.

Der Facebook-Kommentar wurde im städtischen Kulturamt mit Verwunderung aufgenommen – zumal Kulturamtsleiterin Daniela Rathe und die Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast in den letzten Wochen im Gespräch mit Thiedemann waren, man ihm mit dem Mieterlass entgegengekommen und von einer einvernehmlichen Lösung ausgegangen sei. Arbogast schätzt die hohe Qualität der Vielklang-Konzerte und würdigt „Thiedemanns große Leistung, seine Ideen und Initiativen. Er hat hier viel auf die Beine gestellt.“

Auch sei die Stadt bereit, einem jungen Festival „unter die Arme zu greifen.“ Aber bei so vielen Kulturschaffenden in Tübingen und zugleich begrenzten Mitteln gehe es auch um eine „gerechte Verteilung“ und eine Förderung in möglichst großer „sozialer Breite“, so Arbogast. Dagegen kämen etwa „die Meisterkurse nur einem viel kleineren Kreis zugute als Konzerte.“

Hinter dem Vielklang-Festival steht enormes ehrenamtliches Engagement, ohne das es gar nicht möglich wäre. 2014 hat allein Thiedemann über 2500 Arbeitsstunden in die Planung und Durchführung gesteckt, sein siebenköpfiges Team über 7000 Stunden. „Unser Ziel war es, im fünften Jahr eine schwarze Null zu schreiben“, resümiert Thiedemann dem TAGBLATT gegenüber. „Das werden wir auch 2015 nicht schaffen. Die Konsequenz ist, aufzuhören. Ein weiteres Jahr auf Ehrenamt ist nicht drin.“

Weil Stadt und Land Projekte zur kulturellen Bildung besonders fördern, hat das Vielklang-Team mit Schul-Workshops und Chor-Meisterkursen für Laiensänger reagiert. Auch dadurch ist das Festival seit seinem Start 2011 exponentiell angewachsen – zu schnell, um sich zu stabilisieren. Jahr für Jahr kam Neues hinzu und wollte logistisch jongliert werden.

Noch will man die Hoffnung nicht aufgeben. Thiedemann hat in diesen fünf Jahren zahlreiche international renommierte Künstler nach Tübingen geholt; unter den Konzerten war manche Sternstunde. Das Ende des Festivals wäre ein schmerzlicher Verlust – das sieht man auch im Fachbereich Kunst und Kultur so.

Ein gangbarer Weg zur finanziellen und organisatorischen Konsolidierung könnte die Konzentration auf nur einen Termin sein statt der zwei Etappen. Im August würde zudem das Festival mit weniger Parallelveranstaltungen kollidieren als im Mai. Sinnvoll wäre die Beschränkung auf einen Zeitraum von maximal zehn Tagen – mit fünf, sechs Konzerten. Auch würde man dazu raten, die Meisterkurse wieder aus dem Programm zu nehmen, an denen Thiedemann allerdings noch am ehesten festhalten möchte.

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25.06.2015, 12:00 Uhr

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