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Keine Spur der Asylheim-Brandstifter

Vier Anschläge, nur eine Festnahme: Ermittler geben noch nicht auf

Von vier Brandanschlägen auf Einrichtungen für Flüchtlinge ist nur einer geklärt. Doch die Hoffnung auf einen Erfolg der Ermittler besteht weiter. In Remchingen kam der Erfolg erst nach einem Vierteljahr.

03.11.2015
  • HANS GEORG FRANK

Remchingen Der 42-Jährige, der am 18. Juli ein für Flüchtlinge vorgesehenes Haus in Remchingen (Enzkreis) angezündet haben soll, hüllt sich hartnäckig in Schweigen. Der Mann sitzt seit 19. Oktober in Untersuchungshaft, weil der dringende Tatverdacht der Brandstiftung besteht. Welche Beweise die Kriminalisten nach dreimonatiger Fleißarbeit zusammengetragen haben, sagt die Staatsanwaltschaft in Pforzheim beim jetzigen Stand des Verfahrens nicht. Pressesprecherin Sandra Bischoff behält auch alle Informationen über die Ausbeute der Hausdurchsuchung für sich: "Die Ermittlungen laufen noch."

Der mutmaßliche Brandstifter stammt zwar aus dem Enzkreis, doch der geschiedene Arbeiter hatte keinen Wohnsitz in Remchingen selber. Er soll ein leerstehendes Gebäude in Brand gesteckt haben, bevor dieses ehemalige Vereinsheim eines Motorradclubs für Flüchtlinge hergerichtet werden konnte. Die Gemeinde möchte das Haus am Rand eines Gewerbegebiets wieder aufbauen.

Einen Wiederaufbau hat auch der Gemeinderat von Weissach im Tal (Rems-Murr-Kreis) beschlossen. Dort war am 24. August ein unbewohntes Haus in Flammen aufgegangen. Das Feuer, an mehreren Stellen gelegt, wirkte so zerstörerisch, dass trotz der Löscharbeiten bis auf die Fundamente abgebrochen werden musste. "Wir gehen davon aus, dass im nächsten Frühjahr mit dem Bau begonnen werden kann", erklärte Bürgermeister Ian Vincent Schölzel. Über die Kosten gebe es derzeit "keine seriöse Angabe", da die Ausschreibung der Arbeiten nicht abgeschlossen sei.

Das brennende Haus von Weissach wurde vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" als Symbol für "das dunkle Deutschland" auf dem weltweit verbreiteten Titel ausgesucht. Die Gemeinde fühlte sich dadurch zu Unrecht angeprangert, da es in der Kommune mit 7000 Einwohnern ausgeprägtes ehrenamtliches Engagement für Flüchtlinge gibt. Wer Weissach in Verruf gebracht hat, ist unbekannt. "Der Fall ist schwieriger als das, was in den Anderthalbstunden-Krimis im Fernsehen passiert", sagte Bernhard Kohn vom Polizeipräsidium Aalen.

21 Kilometer von Weissach entfernt brannte am 20. Oktober in Remseck (Kreis Ludwigsburg) das zur Zeit geschlossene Wirtshaus "Lamm". Es ist zusammengebaut mit einem Gästehaus, in dem 50 Flüchtlinge untergebracht sind. Schnell stießen die Spurenspezialisten auf Reste von Brandbeschleunigern. Das Gebäude gilt als abbruchreif. "Das Motiv ist völlig unklar", erklärte Yvonne Schächtele vom Polizeipräsidium Ludwigsburg, "die Ermittlungen laufen in alle Richtungen." Hinweise von Zeugen sind so dürftig, dass die Ermittlungsgruppe auf keine "heiße Spur" gelenkt werden konnte. Ein Zusammenhang mit dem Verbrechen von Weissach ist für die Polizei nicht erkennbar.

Genau einen Monat zuvor rückte die Feuerwehr in Wertheim (Main-Tauber-Kreis) aus, weil eine Sporthalle brannte. Der Zeitpunkt der Brandstiftung lässt einen fremdenfeindlichen Hintergrund vermuten. 330 Feldbetten waren kurz zuvor aufgestellt worden, um als Notquartier für Flüchtlinge zu dienen. Zwar hat die Stadtverwaltung eine Belohnung von 5000 Euro ausgelobt, doch keiner der spärlichen Zeugenhinweise reichte für eine Festnahme.

Die Stadt möchte die lädierte Halle unbedingt sanieren. Ein Gutachter stellte fest, dass ein Totalabbruch nicht notwendig ist. Hauptsächlich im Bereich des Daches bekommen Handwerker viel zu tun. "Der Wille zur Sanierung ist da, die Halle wird dringend gebraucht für die Flüchtlinge und die örtlichen Sportvereine", sagte Rathaus-Sprecherin Angela Steffan. Sie glaubt noch immer, dass die Polizei den oder die Brandstifter finden wird: "In Remchingen hat es auch drei Monate gedauert, das macht uns Hoffnung, dass der Täter doch noch geschnappt wird."

Vier Anschläge, nur eine Festnahme: Ermittler geben noch nicht auf
"Symbol für das dunkle Deutschland": Ein leerstehendes Gebäude, in dem Asylbewerber unterkommen sollten, steht in Weissach im Tal voll in Flammen. Foto: dpa

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03.11.2015, 12:00 Uhr

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