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Balkanroute teilweise dicht

Vier Durchgangsländer schließen Grenzen für alle Migranten außer Syrern, Irakern und Afghanen - Rückstau erwartet

Die Transitstaaten Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien weisen künftig einen Teil der Migranten ab. Sie fürchten, dass Deutschland die Grenzen schließt - und die Flüchtlinge bei ihnen bleiben.

20.11.2015
  • NORBERT MAPPES-NIEDIEK

Vier Länder auf der sogenannten Balkanroute haben in der Nacht zu Donnerstag ihre Grenzen für einen Teil der Flüchtlinge gesperrt. 440 Menschen seien noch in der Nacht an der serbisch-kroatischen Grenze bei Sid stecken geblieben, sagt Melita Sunjic, die regionale Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR. Weitere hundert kampierten im Niemandsland zwischen Griechenland und Mazedonien.

Serbien lässt nur noch Syrer, Iraker und Afghanen durch, Kroatien zusätzlich auch Palästinenser. Mazedonien weist gezielt Bürger aus Marokko, Sri Lanka, Sudan, Nigeria, Pakistan und dem Kongo ab. Alle anderen werden nur durchgelassen, wenn sie entweder eigene Ausweispapiere oder eine Registrierung aus Griechenland vorweisen können. Athen hat auf die neuen Regeln vorerst nicht reagiert.

Schon am Mittwochabend hatte Serbiens Grenzpolizei begonnen, Flüchtlinge aus allen Ländern außer Syrien, dem Irak und Afghanistan nach Mazedonien zurückzuschicken. Um drei Uhr nachts machte die mazedonische Polizei der Praxis mit der Grenzschließung ein Ende.

Von den 440 Menschen, die an der serbisch-kroatischen Grenze strandeten, kommen laut UNHCR die meisten aus Marokko, Tunesien, Pakistan und Bangladesch. Slowenien hat gestern Kroatien ersucht, 162 Flüchtlinge aus Nicht-Bürgerkriegsländern zurückzunehmen; Kroatien lehnte das vorerst ab. Für den Abend haben die Innenminister der betroffenen Länder eine Video-Konferenz vereinbart, um praktische Probleme zu lösen.

Serbiens Sozialminister Aleksandar Vulin sagte, die Regierung schütze mit der Entscheidung ihr Land. Serbien werde "nicht zulassen, dass Menschen herkommen, die nicht weiterreisen können". In den letzten Tagen hatten serbische, aber auch kroatische, mazedonische und slowenische Regierungskreise immer wieder davor gewarnt, dass Deutschland Flüchtlinge nicht mehr ins Land lässt. "Es darf nicht passieren, dass die Route geschlossen wird und die Flüchtlinge sich hier aufhalten", so Serbiens Innenminister Nebojsa Stefanovic. Sein kroatischer Amtskollege Ranko Ostojic sagte, sein Land folge mit der Schließung einem "Juncker-Plan". Das Flüchtlingsproblem müsse "an der Quelle" gelöst werden - in Griechenland und der Türkei.

Auf die Aufforderung aus Deutschland, den Flüchtlingsstrom zu ordnen und zu verlangsamen, haben jüngst von Mazedonien bis Österreich alle Länder der Balkanroute positiv reagiert. Flüchtlinge können seither auf kostenlosen Weitertransport zur nächsten Grenzen hoffen und müssen sich nicht mehr Schleppern aussetzen oder Wucherpreise für Taxis bezahlen.

Gleichzeitig haben alle Länder feste Übergangsstellen eingerichtet. Zäune, wie der 80 Kilometer lange zwischen Kroatien und Slowenien, sollen verhindern, dass Übergangsstellen umgangen werden. Österreich plant an der Grenze zu Slowenien einen 25 Kilometer langen Zaun und hat im Bauplan für eine Übergangsstelle südlich von Graz einen Ausgang vorbereitet, durch den nicht akzeptierte Flüchtlinge "ausgeleitet" werden sollen.

Mit der Entscheidung Mazedoniens, Serbiens und Kroatiens, einen Teil der Flüchtlinge abzuweisen, bekommen die Grenzanlagen erst einen Sinn. Nach Auffassung des UN-Flüchtlingshilfswerks widerspricht die neue Regelung aber dem Grundsatz, dass jeder Zugang zu einem ordentlichen Asylverfahren haben müsse, sagt UNHCR-Sprecherin Melita Sunjic.

Zurzeit passieren täglich zwischen 6000 und 8000 Menschen die Grenzen auf der Balkanroute. 80 Prozent von ihnen kommen nach den Zahlen des UNHCR aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Betroffen von der Teilsperrung der Grenzen wären demnach an jedem einzelnen der nächsten Tage zwischen 1200 und 1600 Menschen.

Vier Durchgangsländer schließen Grenzen für alle Migranten außer Syrern, Irakern und Afghanen -

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20.11.2015, 12:00 Uhr

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