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Alle Plätze des Bezirks sehen

Vier Hunde und Kapitale

SÜDWEST PRESSE-Sportredakteur Tobias Zug hat sich vorgenommen, auf allen Fußballplätzen des Bezirks mal ein Spiel anzusehen. Den Anfang machte er in Ahldorf beim A-Ligisten SG Ahldorf-Mühlen.

07.09.2010

Die Rost ansammelnde rot-weiße Schranke ist unten, die Zufahrt zum Fußballplatz in Mühlen ist zu: Nix geht da am Sonntag – gekickt wird bei der SG Ahldorf-Mühlen diese Runde wieder in Ahldorf. Also: rechts abbiegen und hinauf gefahren durch den dichten Wald, wo sich die Straße an den Bäumen und Sträuchern richtig vorbei zu schlängeln scheint. Etwa 100 Zuschauer haben es sich rund um den im Wohngebiet gelegenen Fußballplatz bequemt, um dem Kick ihres A-Ligisten gegen den SV Wachendorf beizuwohnen: Menschen, Tiere… – ja, vier Hunde waren auch zugegen. Ein Mann präsentiert stolz seine zwei Dalmatiner, die er unter einem Schatten spendenden Baum sitzend festhält.

Hinter ihm ist zu sehen, dass die Kommerzialisierung des Fußballsports auch um Ahldorf keinen Bogen macht: Die Sportheimwand ist mit Werbetafeln behangen. Die Sportheim-Terrasse ist praktisch die VIP-Loge; dort stehen drei Stehtische, Bierbänke, wo Kritiker und Fans bei bester Aussicht die anfänglichen Abwehrschnitzer ihres Teams kommentieren („Heut send aber wieder ein paar Kapitale dabei!“). Der Platz sieht von oben auf der Anhöhe stehend zwar schnuckelig aus – doch das Rollverhalten des Balls deutet da schon eher auf eine optische Täuschung hin. Nicht verwunderlich: Hat der Ahldorfer Rasen doch multifunktionale Verwendungen – am Wochenende wird dort pflichtgemäß gekickt, unter der Woche drauf trainiert. Bei Regen, Wind und Schnee.

Richtig Stimmung kam rund um das Sportheim auf, als der fast 50-jährige Tormann der Ahldorfer beim Stand von 0:0 einen Elfmeter der bis dahin dominierenden Wachendorfer erhechtet. Fans, die unter dem umgekippten Sonnenschirm gesessen sind, erhoben sich, riefen ihm zu: „Super, Slinky!“ Derweil kümmern sich ein Mann und eine Frau vom „DRK Mühringen“ um den lädierten Fuß eines SG-Reserve-Kickers, der beim Spiel zuvor seinen Auftritt gehabt hatte. Mit der rechten Hand zeigt der Spieler dabei auf die wunde Stelle seines rechten Fußes. Und mit der linken umgreift er eine Pilsflasche.

Vorsitzender als Ordner

Und plötzlich schießen die Ahldorfer Tore: erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier – dennoch geriet der junge Schiedsrichter ins Visier. Dem waren die kritischen Zurufe der SG-Abgeordneten irgendwann zu bunt. Er lief auf die mit Hütchen in ihrer „Coaching-Zone“ kasernierten Ersatzkicker und Trainer zu und sprach ein Machtwort: „Jetzt ist Sonntag Mittag – nehmt auch ein bissle Gas raus!“ Worte, die seine Beliebtheit bei den Ahldorf-Mühlenern nicht unbedingt förderten.

Als der Referee eine umstrittene Abseitsposition zuungunsten der SG pfiff, war das Gebrüll groß. So, dass der Ahldorfer Vorsitzende seine weiße Ordnerbinde aus der Tasche zog, und die mal vorsichtshalber und für jeden ersichtlich um seine Finger kreisen ließ – die vom Fußballverband vorgeschriebenen Sicherheitswesten sind in Ahldorf (noch?) nicht angekommen. Doch die Lage beruhigte sich. Auch, weil die SG am Ende mit 4:2 gewann. Nur dem verletzten Reserve-Kicker ging es dem Anschein nach nicht ganz so gut: Als die DRK-Menschen seinen Fuß eingebunden haben, hüpft er auf einem Bein zu seinen auf der Anhöhe flanierenden Teamkollegen. Die Pilsflasche hält er dabei tapfer in der Hand; dass ja nix verleert wird.

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07.09.2010, 12:00 Uhr

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