Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Vier Jahre nach dem Triumph: Weltmeister im Abseits
Ein Weltmeister am Boden: Kevin Großkreutz, vor vier Jahren Spieler im erfolgreichen WM-Kader der Nationalmannschaft, droht mit Darmstadt der Abstieg aus der 2. Liga. Foto: Peter Steffen/dpa
Fußball

Vier Jahre nach dem Triumph: Weltmeister im Abseits

Großkreutz holte 2014 mit der deutschen Elf den Titel. In den Plänen für Russland spielt er wie Zieler, Höwedes und andere WM-Helden keine Rolle mehr

27.03.2018
  • ARMIN GRASMUCK

Platz 17, fünf Punkte Rückstand auf den Tabellenrang, der den Klassenerhalt bedeutet: Kevin Großkreutz ist das Gesicht des Niedergangs von Darmstadt 98. Dem hessischen Traditionsklub droht nach dem Abstieg aus der Bundesliga im vergangenen Sommer der freie Fall in die Drittklassigkeit. Großkreutz' persönlicher Absturz scheint wie eine einzigartige Tragödie. Ein Weltmeister in der 3. Liga? Der Held von Maracana als Schießbudenfigur in Lotte, Zwickau und Großaspach?

Vor knapp vier Jahren, am 13. Juli 2014, feierte Großkreutz den größten Triumph seiner Karriere: Weltmeister. Er stand im Kader, als die deutsche Nationalmannschaft in Rio de Janeiro den größtmöglichen Erfolg im Fußball feiern konnte – als Mario Götze in der 113. Minute des Endspiels im legendären Maracana-Stadion nach André Schürrles Flanke den Ball zum entscheidenden 1:0 gegen die Argentinier einschoss. Wenig später ließ sich Großkreutz den WM-Pokal auf das linke Schulterblatt tätowieren, neben der Meisterschale und dem DFB-Pokal, bedeutende Erfolge, die er mit Borussia Dortmund errungen hatte. Er war 24 Jahre jung, die beste Zeit als Aktiver stand ihm eigentlich bevor.

Es folgte jedoch eine unheimliche Serie aus Pleiten, Pech und Pannen, die den einst laufstarken und kampfeslustigen Mittelfeldspieler immer weiter zurückwarf. Erst wurde er beim BVB, dem Klub seines Herzens, ausgebootet. Im Sommer 2015 wollte er zu Galatasaray Istanbul wechseln. Es hakte an einem Formfehler, er erhielt keine Spielerlaubnis und ward nur selten in der Metropole am Bosporus gesehen.

In dieser Phase verlor der Bundestrainer den Glauben an den einst zuverlässigen Profi. „Ich war in Istanbul beim Trainer von Galatasaray, der mir gesagt hat, dass Kevin fast jedes Wochenende Freitag bis Sonntag nach Hause geflogen ist“, sagte Joachim Löw und fügte mit ungewohnt schroffem Tonfall an: „Das macht man nicht, wenn man Teil einer Mannschaft ist. Ich habe nur begrenzt Verständnis dafür, wie er mit seiner Karriere umgegangen ist.“

Ohne ein einziges Pflichtspiel für Galatasaray bestritten zu haben, wechselte Großkreutz Anfang 2016 zum VfB Stuttgart – und stieg mit den Schwaben aus der Bundesliga ab. Es folgte der Tiefpunkt seiner sportlichen Karriere: Im Februar 2017 trieb er sich mit Jugendspielern des VfB im Stuttgarter Rotlichtviertel herum, geriet in eine Schlägerei und wurde von seinen Kontrahenten fürchterlich hergerichtet. Wenige Tage später wurde er von den VfB-Bossen fristlos entlassen.

In Darmstadt erhielt der Weltmeister seine vielleicht letzte Chance im bezahlten Fußball, überzeugen konnte er auch dort nur selten. „Er ist ein solider Arbeiter, der das Herz auf dem richtigen Fleck hat und alles gibt für den Verein, für den er gerade spielt“, so lautet das Urteil seines aktuellen Trainers, Dirk Schuster.

An die Nationalmannschaft wagt Großkreutz heute keinen Gedanken mehr zu verschwenden. Er hat sich zurückgezogen. In der vergangenen Woche verschickte er im Internet ein Foto von sich und dem Mitspieler Tobias Kempe, verbunden mit der Botschaft: „Immer weiter. Wir werden es schaffen. Wer kämpft, wird am Ende des Tages belohnt.“

Hart zu beißen haben auch andere Weltmeister, die in den Plänen des Bundestrainers keine Rolle mehr spielen. Ron-Robert Zieler, der Torwart des VfB, war vor vier Jahren in Brasilien dabei. Benedikt Höwedes stand sogar in allen Partien auf dem Platz, Christoph Kramer im Finale in der Startelf. Shkodran Mustafi, Erik Durm und Schürrle, der Flankengott. Sie alle sind Weltmeister ohne WM-Perspektive. So tief wie Großkreutz, der einstige Liebling des Publikums, ist keiner der Helden von 2014 gefallen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

27.03.2018, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball