Horb · Digitalisierung

Virtuell bei Tante Emma stöbern

Eine App soll die Anbieter regionaler Produkte zusammenbringen. Die Entwickler waren vergangene Woche im Horber Lädle zu Gast.

17.12.2019

Von Mathias Huckert

Annette Houri vom Horber Lädle und Marko Jeftic von der Mannheimer Software-Firma Ciconia redeten über lokalen Handel.Bilder: Mathias Huckert

Annette Houri vom Horber Lädle und Marko Jeftic von der Mannheimer Software-Firma Ciconia redeten über lokalen Handel.Bilder: Mathias Huckert

Als Annette Houri ihr Smartphone aus der Tasche zieht, leuchten ihre Augen. Kurz flackert das Comic-Bild einer alten Dame mit Brille und Dutt auf – eine echte Tante Emma. Die Betreiberin des Horber Lädle ist froh: „Es ist genau das, was ich gesucht habe“, sagt sie. Zwischen Haferflocken von der Walzmühle und Tübinger Bio-Vollmilch aus Bodelshausen zeigt Houri, dass das Lädle mittlerweile auch online seine regionale Ware anbietet. Möglich gemacht hatten das vor einer Weile City-Manager Thomas Kreidler und Dietmar Urban vom Digital Hub.

Horber fackelten nicht lange

Durch die BW-Con-Mitarbeiterin Lisa Rothfuß war Urban auf das Start-up Ciconia aufmerksam geworden. Die Mannheimer wollen mit „Emma’s App“ den regionalen Handel vernetzen. Thomas Kreidler war bereits bei der Vorstellung klar: Die Anwendung könnte ein echter Gewinn für Horbs lokalen Handel sein. „Wir haben nicht
lange geredet und es war schnell beschlossene Sache, dass wir
die App in Horb etablieren wollen“, so Kreidler.

Nach der Anmeldung in der App können Nutzer durch Eingeben ihrer Postleitzahl erfahren, welche Angebote es in ihrer Umgebung gibt. Noch hat Horb nur zwei Anbieter: das Lädle und den Dreikönigshof. Das soll sich aber bald ändern. Auch die Bäckerei Saur
ist mit ihren 14 Filialen interessiert. Bäckermeister und Geschäftsführer Matthias Saur erklärt: „Ich hatte diese Vorstellung davon, dass unsere Kunden am Abend ihre Brötchen bestellen. Am nächsten Morgen kommen sie in die Filiale und holen einfach nur noch die Tüte mit den bereits abgepackten Backwaren ab.“

Zusammen mit ciconia-Geschäftsführer Marko Jeftic und Christian Bartelt und Tom Bodeker von der Universität Mannheim sprachen Lädle-Chefin Houri und Matthias Saur darüber, wie die App in Horb noch mehr Kunden erreichen kann.

Wie Annette Houri bestätigt, kam bereits am vergangenen Wochenende ein Pärchen zu ihr ins Lädle, das allein aufgrund der
App nach Horb gekommen war: „Die hatten so ein bisschen die Haltung: Das mit der App klappt ja noch nicht. Tatsache war aber, dass sie ohne die ja gar nicht hergekommen wären.“

Houri sieht in der App die Chance, die „zerstreuten Teilorte von Horb digital zusammenzuführen“. Dabei fungiert das Lädle zukünftig als Lagerplatz für frische, regionale Waren, die von den umliegenden Hofläden stammen. Kunden sollen sich zusammenstellen, was sie kaufen möchten – egal ob Apfelsaft aus Altheim oder Freilandeier vom Straubhof. Das entspreche auch der Philosophie des Lädle, das sich für Nachhaltigkeit stark macht. Houri könnte durch die Online-Bestellungen Warenüberschuss und unnötige Fahrten vermeiden. Dies ergebe sich nicht nur durch die Bestellungen, sondern auch die reinen Klickzahlen kann Houri als Verkäuferin in der App einsehen – und so genau einschätzen, was beliebt ist bei den Kunden.

dm nur Werbepartner

Was Houri stört: Auch die Drogeriemarkt-Kette dm ist mit ihrer Horber Filiale in „Emma’s App“ vertreten. Marko Jeftic erklärt hierzu: „Die Kette taucht nicht bei den regionalen Anbietern auf, sondern ist einer unserer Werbepartner“.

Zusammen mit seinen Kollegen hatte sich Jeftic vom Lädle überzeugt. „Es entspricht genau unserer Zielgruppe“, fand der Mannheimer. Trotzdem sei noch viel zu tun, vor allem, um durch Marketing – online und offline – mehr Kunden zu gewinnen. Ob am Ende dann viele Horber
im virtuellen Tante-Emma-Laden einkaufen, wird sich zeigen.

Virtuell bei Tante Emma stöbern

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Erstellt:
17.12.2019, 01:00 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 39sec
zuletzt aktualisiert: 17.12.2019, 01:00 Uhr

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