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Völkermord in der Wüste
Deutsche Schutztruppen 1896 mit gefangenen Hereros im damaligen Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Foto: akg-images
Geschichte

Völkermord in der Wüste

Die Pariser Holocaust-Gedenkstätte beleuchtet den deutschen Krieg gegen die Herero und Nama in Südwestafrika. Die Brutalität dieser Kolonialhistorie ist lange verdrängt worden.

29.11.2016
  • DPA

Paris. Es war ein Vernichtungskrieg, den die deutschen Kolonialtruppen im Sommer 1904 im heutigen Namibia führten. Nach ihrem Sieg gegen die aufständischen Herero in der Schlacht am Waterberg trieben sie die Flüchtenden in die Wüste und riegelten die Wasserstellen ab. „Tausende starben an Hunger und Dehydrierung“, sagt die Wissenschaftlerin Leonor Faber-Jonker. Kurz darauf drohte General Lothar von Trotha: „Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen“.

Eine Ausstellung in der Pariser Holocaust-Gedenkstätte, die am Freitag öffnet, beleuchtet das Massaker an den Volksgruppen der Herero und der Nama. Ein dunkles Kapitel deutscher Kolonialgeschichte, das auch vom Auswärtigen Amt offiziell als „Völkermord“ bezeichnet wird. 75 000 Herero und Nama starben.

Der Ort der Schau wirft zwangsläufig die Frage auf, ob es sich bei dem Massaker um eine Art Vorläufer der Gräueltaten Nazi-Deutschlands handelt. Immerhin erinnern im Hof des Mémorial de la Shoah riesige Steintafeln mit Namen an die Opfer des Hitler-Terrors, auf einem großen Metallmonument prangen die Namen der Orte des Grauens: Auschwitz, Bergen-Belsen, Treblinka.

Man wolle keine Parallele zum Holocaust ziehen, betont Sophie Nagiscarde von der Gedenkstätte. Aber gewisse Phänomene seien schon damals sichtbar: Ein pseudo-wissenschaftlich begründeter Rassismus, die Vorstellung der eigenen Überlegenheit über die einheimische Bevölkerung. Und der Gedanke des „Lebensraums“, den das deutsche Volk sich beschaffen müsse.

Die Ausstellung „Der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts“ ist übersichtlich, zwei Räume voller Schautafeln und einige wenige Gegenstände: eine romantisierende Darstellung von Afrikanern, zwei zeitgenössische Bücher über die Feldzüge gegen die Herero und die Nama, Bildchen mit Kolonialmotiven aus Zigarettenpackungen.

„Mir war es wichtig, zu zeigen, was vor dem Genozid geschah“, sagt Faber-Jonker, die Kuratorin der Schau: den Aufbau der Kolonialherrschaft seit den 1880er Jahren. „Es gab von Anfang an ein Klima des Rassenhasses.“ Das sei entscheidend, um die späteren Ereignisse zu verstehen: So seien Vergewaltigungen von Afrikanerinnen völlig akzeptiert gewesen.

Als die Hereros sich dann gegen die Kolonialherren erhoben, habe das in Deutschland Kriegsfieber ausgelöst. Erst recht, als die Guerilla-Taktik der Herero den Deutschen schwer zusetzte.

Für die Macher der Ausstellung ist es ein Genozid in zwei Phasen: Zunächst die Schlacht am Waterberg und das Drama in der Wüste, später das langsame Sterben in Konzentrationslagern, in denen die Deutschen Gefangene zusammenpferchten.

Genozid oder nicht?

Den Behörden seien die hohen Todesraten bewusst gewesen – sie hätten trotzdem weiter Menschen geschickt, sagt Faber-Jonker. Das sei genozidäre Politik.

Diese Aussage ist nicht unumstritten. Der Rostocker Historiker Jonas Kreienbaum etwa argumentierte in der „taz“, es habe anders als in den Lagern der Nazis keine gezielte „Vernichtung durch Arbeit“ gegeben. Er wird seine Position im Februar auf einer Konferenz in Paris vortragen können, zu der auch Nachkommen der Herero- und Nama-Opfer kommen. Auch in der Politik ist das Massensterben noch nicht aufgearbeitet. Das Auswärtige Amt hat mitgeteilt, dass Deutschland und Namibia über eine offizielle Entschuldigung verhandeln. dpa

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29.11.2016, 06:00 Uhr

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