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Voith hört mit dem elektronischen Ohr
Ein Voith-Mitarbeiter vermisst Teile einer Wasserkraftturbine. Das Unternehmen sieht sich für die Zukunft auf einem gutem Weg. Foto: dpa
Anlagenbau

Voith hört mit dem elektronischen Ohr

Der Konzern hat seinen Umbau geschafft und schreibt wieder Gewinn. Jetzt soll die Digitalisierung eine glanzvolle Zukunft garantieren.

14.12.2016
  • THOMAS VEITINGER

Heidenheim. Krawatte und Digitalisierung stehen im Spannungsverhältnis zueinander. Daimler-Chef Dieter Zetsche lässt den Binder immer öfter weg. Die Nummer 1 beim Autozulieferer ZF Stefan Sommer trägt Krawatte, weil er daran eben gerade nicht die Digitalisierung seines Unternehmens festmachen will. Und Voith-Chef Hubert Lienhard bindet sich den Stoff zwar um, sieht aber in den Räumen seines Industrie-Unternehmens häufiger Mitarbeiter oben ohne. „Wir haben Start-ups im Haus“, begründet der Vorsitzende der Konzerngeschäftsführung bei Bilanzvorlage (30. September) seine krawattenlosen Kollegen.

Das soll heißen: Es ändert sich etwas. Bei Voith (Heidenheim) fand ein Konzernumbau statt. „Wir sehen klar, dass die Maßnahmen greifen“, sagte Lienhard. So hat die einst kränkelnde Papiersparte im jüngsten Geschäftsjahr das operatives Ergebnis ist um 33 Prozent auf 76 Mio. EUR gesteigert. Tausende von Stellen fielen im Konzern weg, die Papiersparte wurde ausgedünnt, sieben Standorte geschlossen, das Industrie-Service-Segment verkauft – und ein Bereich für Digitallösungen gegründet.

In letzterem werden bestehende Produkte „digital angereichert“ und neue erfunden. „Wir wollen in der Anlaufphase nicht so deutlich darstellen, was da passiert. Bei diesen Start-ups reicht manchmal schon der Name, um Konkurrenten zu zeigen, was wir vorhaben.“ Mehr als 20 Projekte gibt es; 100 Mio. EUR stehen für den Bereich bereit.

Verräterische Geräusche

Über eine Erfindung spricht der Voith-Chef dann doch: ein elektronisches Ohr. „Wie Fahrer bei ihrem Auto können geübte Mitarbeiter in Wasserkraftwerken allein am Klang hören, wenn etwas nicht stimmt.“ Ein Gerät stellt an den Geräuschen von Maschinen fest, ob ein Turbinen-Ausfall bevorsteht.

Ein weiteres Produkt ist eine preiswertere Herstellung des in der Luftfahrt und im Automobilbau wichtigen karbonfaserverstärkten Kunststoffs, den Voith für die Produktion des Audi A8 liefert. An eine langfristige Produktion des Werkstoffs denken die Heidenheimer aber nicht.

Die durch den Konzernumbau und den geplanten Verkauf von Anteilen am Augsburger Roboterhersteller Kuka frei werdende Mittel von 1,15 Mrd. EUR sollen unter anderem in digitale Geschäftsmodelle fließen. „Damit heben wir Voith auf die nächste Stufe seiner Entwicklung und starten die nächsten 150 Jahre der Unternehmensgeschichte“, sagt Lienhard. Das Unternehmen soll bei der vierten industriellen Revolution vorne mitspielen. Am 26. Januar wird der Heidenheimer Konzern 150 Jahre alt.

Einfach dürfte der Start nicht werden. Der Auftragseingang im deutschen Maschinenbau ist seit sechs Jahren etwa konstant, die Investitionen in Voith-Märkten sind zurückhaltend. Gesunkene Investitionen im Rohstoff-, Öl- und Gasmarkt und im Schienenbereich vor allem in China belasten das Geschäft. China bleibt zwar für den Vorsitzenden die Lokomotive, sie fährt aber nicht mehr so schnell.

Das Wort „Krise“ will Lienhard bei der Voith-Turbo-Sparte nicht in den Mund nehmen. Schließlich wird so viel Öl gefördert wie nie. Die für die Heidenheimer wichtige weltweite Energiebranche ist sehr zyklisch. Am Standort Crailsheim wurde in drei Wochen mit Arbeitnehmervertretern eine „maximal mögliche Reduzierung der Arbeitszeit“ vereinbart.

Diese Beschäftigungsbrücke kostet dem Konzern ein Prozent Profitabilität. Dabei handelt es sich nur um eine vorübergehende Maßnahme. „Wir reiten den Zyklus durch und sind hinterher wieder mit voller Kraft unterwegs.“

Im Heidenheimer Konzern soll der Auftragseingang im kommenden Jahr leicht steigen, der Umsatz auf Vorjahreswert bleiben und das Konzernergebnis deutlich positiv sein.

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14.12.2016, 06:00 Uhr

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